Achillessehnenriss: Was gegen starke Schmerzen und Kraftverlust hilft

achillessehnenruptur

Sie ist die stärkste Sehne des menschlichen Körpers – die Achillessehne. Dennoch kann auch diese Sehne reißen. Die Folge: Heftige Schmerzen und extreme Einschränkung der Beweglichkeit. Was jetzt zu tun ist, erklären wir Ihnen in diesem Text.

Obwohl sie die dickste Sehne in uns ist, zählt der Achillessehnenriss zu den häufigsten Sehnenrissen. Eine solche Ruptur ist nicht nur sehr schmerzhaft – sie muss auch unbedingt richtig behandelt werden, damit die Sehne ihre volle Belastbarkeit zurückerlangen kann. Worauf kommt es bei der Behandlung an? Welche Hilfsmittel braucht man, um wieder vollständig beweglich sein zu können?

Was ist ein Achillessehnenriss (Achillessehnenruptur)?

Die Achillessehne (Tendo calcanei) bildet die Endsehne des dreibauchigen Wadenmuskels. Damit ist sie für unsere Beweglichkeit von enormer Bedeutung: Denn sie dient dazu, die Kraft von unserer Wadenmuskulatur auf unsere Ferse zu übertragen, wodurch sie die Abrollbewegung beim Gehen ermöglicht.

Bei einer Achillessehnenruptur wird die Achillessehne vollständig durchtrennt. Dadurch wird die Kraftübertragung zwischen Wadenmuskulatur und Ferse unterbrochen – Gehen ist dann für den Betroffenen kaum noch möglich.

Ist die Achillessehne nicht vollständig durchtrennt sondern nur angerissen, spricht man von einer Teilruptur (partielle Achillessehnenruptur). Jedoch ist auch eine solche Teilruptur der Achillessehne schmerzhaft und schränkt dadurch die Beweglichkeit ebenfalls stark ein.

Ein vollständiger Riss der Achillessehne ist deutlich häufiger als eine Teilruptur. Typischerweise tritt ein Achillessehnenriss im Alter zwischen 20 und 50 Jahren auf, und Männer sind grundsätzlich häufiger davon betroffen als Frauen.

Typische Ursachen einer Achillessehnenruptur – meist eine Sportverletzung

In den häufigsten Fällen geht dem Riss der Achillessehne eine Vorschädigung der Sehne voraus. Eine solche Vorschädigung kann durch verschiedene Faktoren entstehen wie beispielsweise:

  • chronische Überbelastung,
  • degenerativer Verschleiß – beispielsweise durch eine vorausgegangene Achillessehnenentzündung (Achillodynie),
  • wiederholte Kleinstverletzungen (Mikrotraumata).

Der konkrete Riss der Achillessehne wird dann durch eine akute Über- oder Fehlbelastung der Achillessehne ausgelöst, die in der Regel in Folge von enormen Zugkräften entsteht.

In den meisten Fällen handelt es sich um eine Sportverletzung. Auslöser sind beispielsweise abrupte Richtungswechsel etwa beim Tennis, Badminton oder Turnen, ebenso wie ein Ansatz zum Sprint oder ein unglückliches Aufkommen nach einem Sprung.

Hinzu kommen weitere Risikofaktoren wie beispielsweise mangelnde Fitness oder ungenügende Aufwärm- bzw. Dehnübungen, ein höheres Alter oder eine vorangegangene Achillessehnenruptur (Re-Ruptur).

Symptome bei einem Riss der Achillessehne: Schmerzen, Schwellung, Kraftverlust

Bei einer Achillessehnenruptur treten typischerweise folgende Symptome auf:

  • In dem Moment, in dem die Achillessehne reißt ist ein in der Regel laut hörbarer Knall, ähnlich einem “Peitschenhieb” zu hören. Anschließend treten unmittelbar nach dem Riss einschießende, stechende Schmerzen kurz oberhalb der Ferse auf, die bis in den Wadenbereich reichen können. Das Sprunggelenk fühlt sich durch den Schmerz steif an.
  • Zusätzlich tritt bereits kurze Zeit später eine Schwellung im Bereich der Ruptur (an der Rückseite des Sprunggelenks) sowie an der Wade auf. Oft verbunden mit einem Bluterguss oberhalb der Ferse – ein solcher muss jedoch nicht immer auftreten.
  • Durch die Lücke, die in Folge des Risses zwischen den beiden Sehnenenden entsteht, ist eine Delle auf Höhe der Ruptur tastbar, also etwas oberhalb der Ferse.
  • Aufgrund der durchtrennten Verbindung zwischen Wade und Ferse kommt es zu einem Funktionsverlust der Wadenmuskulatur. Durch den plötzlichen Kraftverlust haben Betroffene häufig das Gefühl, ihnen würde jemand “von hinten in die Ferse treten”. Es entsteht eine deutliche Bewegungseinschränkung – Gehen ist nur noch erschwert möglich, der Stand auf den Zehenspitzen funktioniert mit einer Achillessehnenruptur überhaupt nicht.

Therapie der Achillessehnenruptur: Wie wird der Achillessehnenriss behandelt?

PECH-Regel bei Schmerzen durch Achillessehnenriss

Schon unmittelbar nach der Verletzung sollte eine Achillessehnenruptur nach Möglichkeit – wie jegliche Art der Bänderverletzung – nach der sogenannten PECH-Regel versorgt werden.

Dabei stehen die einzelnen Buchstaben für:

pech-regel.jpg

  • P = Pause: Schonen Sie den Fuß bereits unmittelbar nach dem Riss der Achillessehne und vermeiden Sie nach Möglichkeit jegliches weiteres Auftreten. Am besten lassen Sie sich von einer anderen Person stützen, um die Belastung zu vermeiden.
  • E = Eis: Durch Kühlen mit einem Kühlpack oder kaltem Wasser können Sie die Schmerzen lindern und gleichzeitig eine übermäßige Schwellung verhindern.
  • C = Compression: Auch ein Kompressionsverband kann dabei helfen, eine übermäßige Schwellung zu vermeiden. Am effektivsten ist eine Kombination aus Kühlung und Kompressionsverband.
  • H = Hochlagern: Lagern Sie das betroffene Bein nach Möglichkeit hoch – auch damit wirken Sie einer übermäßigen Schwellung rund um das Sprunggelenk entgegen.

Bänderriss so früh wie möglich behandeln

In der darauf folgenden Therapie wird grundsätzlich zwischen zwei Behandlungsformen unterschieden:

  • der operativen
  • und der konservativen (nicht-operativen) Behandlung.

Allgemein gilt: Um dauerhafte Funktionsverluste der Achillessehne zu vermeiden, muss die Therapie unbedingt so früh wie möglich einsetzen. Sonst kann es zu permanenten Bewegungseinschränkungen kommen, die Sie auch im Alltag deutlich belasten.

Daher sollten Sie bei Verdacht auf einen Achillessehnenriss immer sofort einen Arzt aufsuchen. Mit Hilfe einer körperlichen Untersuchung, Ultraschall- oder MRT-Aufnahmen kann Ihr Arzt eine sichere Diagnose stellen, ob es sich um eine vollständige oder eine Teilruptur handelt und zudem zusätzliche knöcherne Verletzungen ausschließen.

Außerdem wird dabei individuell mit Ihrem behandelnden Arzt abgestimmt, ob für Sie eine operative oder eine konservative Therapie die bessere Wahl darstellt.

Achillessehnenriss: Operative oder konservative Behandlung?

In den meisten Fällen wird die Achillessehnenruptur operativ behandelt: Der Riss wird genäht. Die Operation wird vor allem von jungen, sportlich aktiven Menschen (oder Leistungssportlern) bevorzugt wird.

So weist die Achillessehne nach einer Operation im Vergleich zu einer konservativen Behandlung in der Regel eine etwas höhere Belastbarkeit und damit ein etwas geringeres Risiko eines erneuten Risses (Re-Ruptur) auf. Auch die Funktionsfähigkeit der Sehne kann häufig besser wiederhergestellt werden.

Nichtsdestotrotz kann auch eine konservative Therapie der Achillessehne eine gute Alternative darstellen. Diese Behandlungsmethode wird vor allem in folgenden Fällen gewählt:

  • Wenn die beiden Sehnenenden nah beieinander liegen oder lediglich eine Teilruptur vorliegt.
  • Bei älteren Menschen sowie bei Menschen, bei denen Vor- oder Begleiterkrankungen vorliegen. Dann können mit einer konservativen Therapie mögliche Komplikationen vermieden werden, die bei einer Operation auftreten könnten.
  • Bei älteren Menschen oder weniger sportlich aktive Menschen mit normalen Belastungsansprüchen machen sich häufig keine deutlichen Unterschiede zwischen dem Ergebnis der operativen oder konservativen Therapie bemerkbar.

Wie läuft die Therapie mit der Fußorthese ab?

Bei der konservativen Behandlung der Achillessehne wird der Fuß für ca. 6-8 Wochen in einer sogenannten “Spitzfußstellung” fixiert und ruhiggestellt. Diese Fußstellung ermöglicht, dass die beiden Sehnenenden wieder zusammenwachsen.

Fixiert wird der Fuß dabei von vornherein mit Hilfe einer Achillessehnenorthese

Diese spezielle Orthese verfügt über einen erhöhten Fersenbereich. Im Verlauf der Therapie (etwa ab der 4. Woche) wird dieser Fersenbereich, ausgehend von der “Spitzfußstellung”, nach und nach reduziert bis wieder die Normalstellung erreicht ist. Außerdem ist es dank der Orthese möglich, den Fuß schon wenige Tage nach der Ruptur der Achillessehne wieder eingeschränkt zu belasten.

Nach der OP der Achillessehne: Orthese zur Ausheilung

An die operative Behandlung des Achillessehnenrisses schließt ebenfalls immer eine Nachbehandlung an, die in etwa der konservativen Therapie entspricht. So wird auch hier für einen Zeitraum von etwa 6 Wochen der Fuß in der Regel mit einer Achillessehnenorthese ruhiggestellt, bis die Verletzung ausgeheilt ist.

Tipp: Wie bei jedem orthopädischen Hilfsmittel kommt es auch bei der Achilessehnenorthese darauf an, dass die Orthese individuell auf Sie abgestimmt ist. Denn nur mit der optimalen Passform erzielen Sie die beste Wirkung. Lassen Sie sich deshalb immer persönlich und ausführlich in Ihrem Sanitätshaus beraten.

Neuer Call-to-Action (CTA)

Nach der mehrwöchigen Ruhigstellung des Fußes kann dann langsam wieder mit der richtigen Belastung des Fußes begonnen werden. Es kann jedoch noch eine weitere Teilruhigstellung mit Hilfe einer Orthese oder Bandage nötig sein.

Physiotherapie nach Achillessehnenriss – damit Sie wieder unbeschwert laufen können

Das Ziel der Behandlung der Achillessehne ist eine nach Möglichkeit vollständige Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit der Sehne zur Kraftübertragung von der Wadenmuskulatur auf die Ferse. Deshalb schließt an beide Therapieformen eine einheitliche, meist mehrmonatige Nachbehandlung an: Eine Bewegungstherapie bzw. Physiotherapie.

Die Kraftübertragung zwischen Wadenmuskulatur und Fuß ist nur dann optimal möglich, wenn die Achillessehne ihre ursprüngliche Länge zurückerlangt. Ist die Sehne – nachdem der Riss verheilt ist – länger oder kürzer als zuvor, besteht immer ein Kraft- und Funktionsverlust.

Bei der Physiotherapie geht es deshalb in erster Linie darum, die optimale Länge der Sehne einzustellen. Das erfolgt mit Hilfe von speziellen Übungen, die den Bewegungsspielraum sowie die optimale Kraftübertragung der Sehne trainieren.

Begonnen wird die Krankengymnastik mit einer Teilbelastung des betroffenen Fußes. Nach und nach wird die Belastung dann immer weiter gesteigert bis Sie wieder auf einem normalen Belastungsniveau angelangt sind. Zusätzlich wird das Sprunggelenk wieder mobilisiert, und es werden nach der Ruhigstellung die Muskeln wieder aufgebaut.

Etwa 3 bis 6 Monate nach dem Achillessehnenriss kann wieder langsam mit Sport begonnen werden. Dabei empfiehlt es sich jedoch, zur Unterstützung der frisch ausgeheilten Achillessehnenruptur zunächst noch eine Achillessehnenbandage zu tragen.

Dadurch wird der Fuß stabilisiert und das Risiko einer Re-Ruptur deutlich minimiert. Fragen Sie einfach in Ihrem Sanitätshaus nach, welche Bandage für Ihre Sportart am besten geeignet ist.

Fazit zum Achillessehnenriss: Ruhigstellen ist das A und O

Eine Achillessehnenruptur ist schmerzhaft und muss unbedingt richtig behandelt werden, damit die Sehne ihre volle Funktionsfähigkeit und Kraft zurückerlangt. Bei falscher Behandlung kann eine dauerhafte Bewegungseinschränkung entstehen, zudem ist das Risiko einer Re-Ruptur ist deutlich höher.

Ganz gleich, ob Sie sich für eine operative oder konservative Behandlung entscheiden: Der Unterschenkel-Fuß-Bereich wird typischerweise mit einer Achillessehnenorthese ruhiggestellt, damit die Achillessehne ausheilen kann.

Wichtig für eine gute Genesung ist, dass die Orthese die für Sie optimale Passform hat. Auch wenn die Achillessehne verheilt und wieder voll belastbar ist, kann es sinnvoll sein, beim Sport zunächst weiterhin eine stabilisierende Bandage zu tragen.

Berichten Sie uns gern von Ihren Erfahrungen mit einem Riss der Achillessehne: Was hat geholfen oder wo können wir Sie noch unterstützen?

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