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Gesundheitswissen kompakt

Blickpunkt Pflege –Tipps und Unterstützung für Sie

Geschrieben von Simone Kather am 18. Februar 2016

Das unterstützt Sie bei aktivierender Pflege zu Hause

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Von heute auf morgen kann man vor der Verantwortung stehen, einen Angehörigen pflegen zu müssen, wenn zum Beispiel ein Schlaganfall oder Unfall aufgetreten ist. Oder Sie wachsen langsam in die Rolle der Pflegeperson hinein, weil Ihr Partner oder Verwandter chronisch krank ist. Dann begegnet Ihnen oft das Prinzip der aktivierenden Pflege, welches wir in diesem Beitrag vorstellen wollen. Außerdem geben wir Hinweise zu Hilfsmitteln, die Sie bei der Pflege unterstützen können.

Was bedeutet aktivierende Pflege konkret?

Damit wird ein bestimmter Pflegestil bezeichnet, der sowohl im Krankenhaus wie auch in Alten- und Pflegeheimen angewendet wird. Die Grundzüge sind jedoch auch für die Pflege zu Hause erlernbar, denn soziale Einrichtungen und Wohlfahrtsverbände bieten Kurse für Menschen an, die einen Angehörigen oder Freund mit dem aktivierenden Stil selbst pflegen möchten.

Die zu pflegende Person wird dabei bei den Pflegemaßnahmen aktiv mit einbezogen. Es gilt das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Der Patient soll seine noch vorhandenen Fähigkeiten und Ressourcen trainieren und das, was er selbst leisten kann, auch weiter selbstständig erledigen.

Das Gegenteil zur aktivierenden Pflege ist die kompensatorische Pflege, bei der sich die oder der zu Pflegende passiv in die Hände des Pflegepersonals begibt. Das ist in manchen Fällen zwar zeitsparender, zieht auf Dauer aber oft einen wachsenden Pflegebedarf nach sich, weil die zu pflegende Person immer mehr von ihren Fähigkeiten und der Kraft verliert. Die aktivierende Pflege trainiert dagegen Körper und Geist.  

Wie läuft aktivierende Pflege ab?

Genaue und individuelle Planung ist die unbedingte Basis bei der aktivierenden Pflege, denn es muss zunächst erfasst werden:

  • Was will der Patient oder die Patientin selbst übernehmen?
  • Was kann er/sie noch leisten?
  • Wobei braucht er/sie Beaufsichtigung?
  • Worin muss man ihn/sie anleiten?
  • Was muss dazu vorbereitet werden?

Die Pflegeperson leitet den Menschen mit Pflegebedarf bei den einzelnen Versorgungsmaßnahmen an – erklärt, unterstützt, ermutigt. Wichtig ist dabei, zu sehen, dass auch dieses Vorgehen Unterstützung für den zu Betreuenden ist und Zeit benötigt. Ein Eingriff erfolgt nur im Notfall, statt dessen wird immer wieder Anleitung und Bestätigung gegeben.

Voraussetzung für den Pflegestil ist, dass der/die zu Pflegende in der Lage sein muss, die Anweisungen zu verstehen und auch umzusetzen. Anstrengungen des zu Pflegenden sind dabei durchaus gewollt! Das Training wird mit “Hausaufgaben” gefördert, die in Abwesenheit des Pflegepersonals auszuführen sind.

Die Pflegeperson kann natürlich auf entsprechende Hilfsmittel aus dem Sanitätshaus zurückgreifen, die die Selbstversorgung des Patienten erleichtern.

Was sind die Ziele der aktivierenden Pflege?

  • Stärkung des Selbstvertrauens, man kann sich zum Beispiel selbst waschen und die eigene Intimsphäre wird gewahrt
  • Erhaltung der körperlichen und geistigen Fähigkeiten, weil Muskelkraft durch Übung gestärkt wird
  • Verringerung von Abhängigkeiten, wenn man sich beispielsweise eigenständig eine Mahlzeit zubereiten kann
  • Erhaltung oder gar Steigerung der Selbstpflegefähigkeit
  • der psychische Druck, jemanden zur Last zu fallen, wird gesenkt
  • Spüren des eigenen Körpers, was das Wohlbefinden allgemein steigert
  • Kontakte zur Außenwelt werden gefördert, man gerät nicht in eine Isolation, die vertraute Umgebung kann erhalten bleiben

Wo treten Probleme bei der aktivierenden Pflege auf?

Angehörige oder selbst Pflegebedürftige verstehen unter Pflege meist die Rundum-sorglos-Betreuung. Das ist aktivierende Pflege aber gerade nicht. Der Aspekt der Fürsorge tritt zugunsten der Selbsthilfe zurück. Das führt gelegentlich zu Missverständnissen, denn Menschen erwarten oft, dass Pflege bedeutet, sich passiv zu verhalten: gewaschen, gefüttert oder umher gefahren zu werden.  

Kommunikation steht also an erster Stelle: Sie müssen als pflegender Angehöriger die Vorteile der aktivierenden Pflege gut vermitteln können und stets ermutigende Worte finden, die den Prozess voran treiben.

Gestärkt wird bei diesem Konzept der gesunde Anteil im Menschen. Die Dysfunktionalität oder Erkrankung steht nicht im Mittelpunkt. Der Patient darf dabei jedoch nicht über- oder unterfordert werden, deswegen ist die konzentrierte Aufsicht genauso wichtig wie das das Beachten seiner Bedürfnisse. Ohne Vertrauen in die Pflegeperson wird das Vorhaben nicht gelingen.

Bei aktivierender Pflege geht es zudem nicht darum, Zeit einzusparen. Zwar klappen bei routiniertem Pflegepersonal im Krankenhaus oder auch bei Angehörigen die pflegerischen Aufgaben oft schneller, wenn der Patient sich passiv verhält.

Doch erstens ist die aktivierende Pflege mindestens ebenso zeitaufwendig, weil die Anleitung mit Geduld und Wiederholung erfolgen muss. Zweitens zahlt sich auf lange Sicht die permanente Forderung an den zu Pflegenden aus, weil er nach und nach selbstständiger wird und Herausforderungen wieder allein bewältigt. Damit hilft die Aktivierung, effektiv mehr Zeit zu gewinnen. 

Diese Hilfsmittel unterstützen Sie bei aktivierender Pflege

Im Sanitätshaus finden Sie eine große Bandbreite an Möglichkeiten, wie Sie zu Hause Ihren Angehörigen bei der Hilfe zur Selbsthilfe im Bereich Pflege unterstützen können:

  1. Vorsorge im Bad:
    • Halterungen, Griffe als Aufrichtehilfen in Dusche und Wanne, an der Toilette (gibt es auch als mobile Vakuum-Griffe)
    • Wasch- und Pflegeset
    • Duschhocker oder Duschstuhl
    • Sitzerhöhung für Toilette
  2. Versorgung bei Inkontinenz (Fragebogen) mit körpernahen Versorgungen (Vorlagen) oder körperfernen Versorgungen (Saugunterlagen); ableitende Versorgungen wie Selbstkatheterisierung (ISK)
  3. Trinknahrung
  4. Anti-Rutsch-Unterlagen (zum Beispiel vor dem Bett)
  5. Greifzangen, um kleine oder höher gelagerte Dinge wieder erreichen zu können
  6. Hilfe beim Essen und Trinken:
    • Warmhalteteller
    • besondere Besteckgriffe
    • Halterung für Gläser
    • Trinkbecher-Aufsätze usw.
  7. Hilfe zum Ankleiden:
  8. Gehhilfen wie Gehstöcke oder Rollatoren

Fazit

Mit aktivierender Pflege wird ein Pflegestil beschrieben, der nicht nur in Pflegeeinrichtungen Anwendung findet, sondern den man auch erlernen kann, wenn man privat Angehörige pflegt. Er geht vom Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe aus: Der zu Pflegende soll angeleitet und ermutigt werden, soviel wie möglich selbst zu erledigen, um sein Selbstwertgefühl zu steigern und seine körperlichen Fähigkeiten zu stärken.

Im Sanitätshaus findet man eine große Palette an Hilfsmitteln, die Unterstützung bei aktivierender Pflege leisten, dazu gehören vor allem Hilfen im Bad oder bei der Nahrungsaufnahme.

Benutzen Sie die oben aufgeführten Hilfsmittel bei der Pflege Ihrer Angehörigen zu Hause? Womit haben Sie gut Erfahrungen gemacht? Kommentieren Sie gern!

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