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Gesundheitswissen kompakt

Blickpunkt Pflege –Tipps und Unterstützung für Sie

Geschrieben von Andrea Grund am 19. September 2018

Barrierefreier Urlaub mit Rollstuhl: Daran sollten Sie denken!

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Auch Menschen mit Behinderung möchten in den Urlaub fahren: eine salzige Brise am Meer spüren, einen atemberaubenden Ausblick über die Alpen genießen, einfach abschalten. Reisen mit Rollstuhl ist heutzutage zum Glück möglich, jedoch bedarf es einer guten Vorausplanung. Hier finden Sie einen Überblick über alle wichtigen Punkte. Inklusive Checkliste zum Packen.

Hab ich auch wirklich an alles gedacht? Bei Menschen mit einer Gehbehinderung kommt es vor allem auf wichtige Medikamente und Hilfsmittel an, die mit auf Reisen genommen werden müssen. Wie Sie vom Packen bis hin zum Abflug richtig planen – wir zeigen Ihnen jeden Schritt.

Eine Reise mit Rollstuhl planen – Was sind die wichtigsten Schritte?

Damit Sie Ihren Urlaub entspannt und in vollen Zügen genießen können, ist eine gute Planung wichtig. Denn wenn Sie an alle notwendigen Dinge gedacht haben, kann der Kopf auch tatsächlich abschalten. Die folgenden fünf Punkte sollten Sie deshalb bei der Planung berücksichtigen:

Schritt 1: Wie finde ich ein barrierefreies Hotel?

Die wichtigste Voraussetzung für Ihre Reise: die Unterkunft. Um das richtige barrierefreie Hotel zu finden, rufen Sie am besten vor Ort an und stellen Sie folgende Fragen, die Sie auf Ihr Handicap anpassen können:

  • Sind der Eingangsbereich und sämtliche Räumlichkeiten im Hotel barrierefrei, ohne Stufen und Hindernisse?
  • Gibt es Aufzüge?
  • Wie breit sind die Türen, Flure und andere Durchgänge?
  • Ist die Dusche im Zimmer ebenerdig?
  • Gibt es Haltegriffe rechts und links von der Toilette und in der Badewanne?
  • Gibt es Pflegebetten bzw. wie hoch sind die Betten?
  • Wie ist das Zimmer ausgestattet in puncto Erreichbarkeit von Türen, Fenstern, Schaltern usw.
  • Gibt es auch einen barrierefreien Zugang zu Wellness-, Fitness- und Essbereichen?
  • Gibt es separate Zimmer mit Verbindungstür, wenn eine Betreuungsperson ebenfalls mitreist?

Fragen Sie am besten auch, wie viele behindertengerechte Hotelzimmer überhaupt vorhanden sind. Denn manche Hotels führen nur wenige davon. Stellen Sie deshalb sicher, dass Sie auf jeden Fall eines der barrierefreien Zimmer für sich reservieren können.

Grundsätzlich ist es bei einer Reise mit Rollstuhl empfehlenswert, sämtliche Unterkünfte (auch im Falle einer Rundreise) im Voraus zu buchen und nicht spontan vor Ort nach einem freien Zimmer Ausschau zu halten. So ersparen Sie sich Frustration und können sicher sein, dass Sie auch tatsächlich einen entspannten Platz zum Schlafen haben.

Schritt 2: Wie muss ich die barrierefreie Reise planen?

Wenn Sie nicht mit dem Auto reisen, gibt es natürlich noch andere Optionen: Flugzeug, Bus, Schiff oder Zug. Für welche Art der Anreise Sie sich auch entscheiden (und welche im Budget enthalten ist) – Sie gehen immer auf Nummer sicher, wenn Sie zuvor beim Reiseveranstalter oder der entsprechenden Gesellschaft die Einschränkung angemeldet haben. Geben Sie dabei sowohl die Größe des Rollstuhls als auch die Art der Behinderung an.

Bei Flugreisen beispielsweise wird Ihnen dann beim Ein- und Ausstieg vom Flughafenpersonal geholfen. Außerdem dürfen Reisende mit Rollstuhl häufig zuerst ins Flugzeug, um in aller Ruhe einsteigen zu können. Wenn Sie nicht aufstehen können, findet zuvor die Sicherheitskontrolle ganz einfach im Sitzen statt. So wird in sämtlichen Punkten Rücksicht auf die Behinderung genommen.

Auch bei Busreisen sind mittlerweile viele Reisegesellschaften auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung eingestellt. Dank einer Rollstuhltoilette, herausnehmbaren Sitzen und einem Lift für Rollstuhl und -fahrer ist Reisen via Bus gut möglich. Jedoch sollten Sie sich auch hier nicht von Vorneherein darauf verlassen – fragen Sie am besten telefonisch beim Veranstalter nach.

Schritt 3: Brauche ich vor Ort ein rollstuhlgerechtes Auto?

Besonders bei Flugreisen ist es durchaus eine Überlegung wert, ob Sie am Urlaubsort ein rollstuhlgerechtes Auto mieten, um mobil unterwegs zu sein. Hier geben Sie am besten bei der Reservierung die Behinderung mit an, damit der Mietwagen entsprechend ausgerüstet ist: genügend Stauraum für den Rollstuhl, eine Rampe bzw. die entsprechende Einstiegshöhe.

Wichtig: Denken Sie bei einer Reise an Ihren Behinderten-Parkausweis und den Bewilligungsbescheid, sowie an ein ärztliches Attest, damit Sie problemlos Behinderten-Parkplätze nutzen können. Ihr Behinderten-Parkausweis ist übrigens europaweit und auch in den USA gültig.

Schritt 4: Gibt es vor Ort barrierefreie Restaurants?

Gemütlich essen zu gehen gehört für die meisten Reisenden zu einem entspannten Urlaub dazu. Jedoch müssen die Restaurants vor Ort ebenfalls ein paar Kriterien erfüllen, wenn Sie Urlaub im Rollstuhl machen. Nicht nur Eingänge und Auffahrten müssen über rollstuhlgerechte Rampen verfügen. Auch ein behindertengerechtes WC sowie Tische in einer bestimmten Höhe (sodass ein Rollstuhl darunter geschoben werden kann) gehören dazu.

Im Internet können Sie schon vor Reiseantritt ausfindig machen, welche barrierefreien Angebote es für Ort gibt. Für Deutschland finden Sie beispielsweise auf der Seite reisen-fuer-alle.de zertifizierte Angebote aus verschiedenen Bereichen, von Gastronomie über kulturelle Ausflüge bis hin zu Hotels und Reisen für Menschen mit Behinderung.

Der Vorteil hier: Externe, speziell geschulte Experten haben die Einrichtungen geprüft und entsprechend die Zertifizierung vergeben. Somit müssen Sie sich nicht alleine auf die Selbsteinschätzung eines Betriebs verlassen. Außerdem gibt es in den zertifizierten Restaurants mindestens einen Mitarbeiter, der zum Thema Barrierefreiheit geschult wurde.

Schritt 5: Was kann ich für Ausflüge machen?

Auch in puncto Unterhaltung und Kultur sollten Sie sich im Voraus darüber informieren, was im jeweiligen Ort möglich und mit Rollstuhl erreichbar ist. Viele Museen, Burgen und Kirchen, Denkmäler, Gärten, Parks und Zoos sind in Deutschland inzwischen mit barrierefreien Zugängen ausgestattet.

Jedoch empfiehlt sich auch hier ein Anruf vorab: Klären Sie, ob der Weg zum Ausflugsziel ebenfalls befahrbar ist mit Rollstuhl – schließlich wäre es ärgerlich, wenn Sie erst einmal Kopfsteinpflaster oder Treppen überqueren müssten.

Bei der Auswahl des Ausflugsziel hilft Ihnen innerhalb Deutschlands ebenfalls die Kennzeichnung “Reisen für alle”.

Rollstuhl leihen für den Urlaub

Sie haben bereits eine Reise gebucht und benötigen spontan einen Rollstuhl? Gründe hierfür können beispielsweise eine Verletzung oder fortgeschrittene Symptome von Multipler Sklerose sein. Damit Sie dennoch in den Urlaub fahren und entspannen können, finden Sie Unterstützung bei Ihrem Sanitätshaus.

Sie können bei uns einen Rollstuhl mieten. Außerdem helfen wir Ihnen gerne bei der Einschätzung Ihres Rollstuhls: Ist er für die Reise geeignet? Sind Bereifung, Licht und Bremse sicher? Welche Möglichkeiten habe ich mit dem Rollstuhl auf der Reise? Wir beraten Sie gerne!

Wenn Sie zu den besonders aktiven Menschen gehören, beraten wir Sie gerne zu einem individuell angepassten Rollstuhl. Wichtige Voraussetzung hierbei: Ihr Arzt muss genau diesen Rollstuhl und die Notwendigkeit hierfür im Rezept vermerken!

Hier müssen Sie eventuell mit einer längeren Bearbeitungszeit bis zur Genehmigung durch die Krankenkasse rechnen. Im Falle einer Ablehnung haben Sie die Möglichkeit, einen Widerspruch einzulegen.

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Checkliste für den Urlaub mit Rollstuhl: Woran muss ich beim Packen denken?

Am einfachsten ist es, einfach abzuhaken, was Sie schon eingepackt haben. Deshalb haben wir für Sie eine ausführliche Checkliste fürs Packen zusammengestellt, die Sie hier kostenlos downloaden können. Für den besseren Überblick ist sie in die Kategorien “Dokumente”, “Zahlungsmittel”, “Hilfsmittel”, “Medikamente”, “Hygiene”, “Garderobe” und “Freizeitgestaltung” eingeteilt.

Natürlich ist diese Checkliste sehr ausführlich und beinhaltet alle Möglichkeiten. Wenn Sie mit Sicherheit wissen, dass Sie das ein oder andere im Urlaub nicht benötigen werden, können Sie diese Punkte von der Liste streichen. Grundsätzlich können Sie unsere Checkliste jedoch ganz einfach zum Packen nutzen und Schritt für Schritt abhaken.  

Reise-Tipp für Menschen mit Behinderung: USA

An dieser Stelle ist noch Zeit für eine Reise-Empfehlung! In den USA sind viele Orte barrierefrei ausgebaut. Öffentliche Einrichtungen sind sogar dazu verpflichtet, sowie die meisten Kulturstätten, Restaurants, Hotels und Geschäfte. Menschen mit Behinderung wird offen und hilfsbereit gegenübergestanden und vor allem – positiv.

Deshalb sollten Rollstuhlfahrer nicht davor scheuen, Amerika zu besuchen. Wichtig ist, dass Sie die oben genannten Schritte bei der Planung berücksichtigen. Melden Sie rechtzeitig bei der Fluggesellschaft an, dass Sie mit Rollstuhl reisen und buchen Sie am besten schon alle Hotels im Voraus. Wenn Sie dann noch gewissenhaft packen mit unserer Checkliste, steht Ihrer USA-Reise nichts mehr im Weg!

Fazit zur Reise mit Rollstuhl

Für Menschen mit Behinderung ist vor dem Urlaub eine gute Planung besonders wichtig. Denn am Zielort sollten einige Bedingungen erfüllt sein, um das Reisen mit Rollstuhl möglich zu machen.

Wichtigste Voraussetzung ist ein barrierefreies Hotel, Ferienhaus oder Pension. Klären Sie deshalb am besten telefonisch ab, ob es in der Unterkunft Ihrer Wahl rollstuhlgerechte Wege und Zugänge sowie behindertengerechte Zimmer gibt.

Auch die Anreise sollte gut geplant sein: Ob Flugreise, Bus-, Schiff- oder Zugfahrt – geben Sie auf jeden Fall die Behinderung beim Reiseveranstalter an. So kann beim Ein- und Ausstieg Rücksicht darauf genommen werden und Sie können sich vorab darüber informieren, ob es ein behindertengerechtes WC gibt.

Falls Sie einen Mietwagen vor Ort benötigen, können Sie mit dem Anbieter ebenfalls vorab besprechen, welche Ausstattung Sie benötigen. Außerdem ist es absolut empfehlenswert, sich schon vor Reiseantritt über barrierefreie Restaurants und Ausflugsmöglichkeiten zu informieren.

Beim Packen hilft Ihnen unsere ausführliche Checkliste (siehe oben). Alle wichtigen Punkte werden hierbei berücksichtigt: Dokumente und Papiere, Zahlungsmittel, Hilfsmittel, Medikamente, Hygieneartikel, Garderobe und Freizeitgestaltung. So können Sie nichts Wichtiges vergessen!

Haben Sie Fragen oder benötigen Tipps für die Reise mit Rollstuhl? Wir helfen Ihnen gerne!

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