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Gesundheitswissen kompakt

Blickpunkt Pflege –Tipps und Unterstützung für Sie

Geschrieben von Simone Kather am 6. Mai 2016

Die wichtigsten Fakten über Rollatoren: Kosten, Gebrauch, Sicherheit und sinnvolles Zubehör für Ihre Gehhilfe

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Dass die Schweden spitze sind im Entwerfen von praktischen Dingen, die die meisten Menschen toll finden – das wissen wir. Deshalb scheint es auch logisch, dass der Rollator in seiner ursprünglichen Form aus dem skandinavischen Land kommt, erfunden 1978 von Aina Wifalk. Inzwischen sieht man die Gehhilfen überall, und viele sind bestens mit technischen Zubehör ausgestattet. Doch was ist wirklich notwendig?

Was in der Architektur unter dem Motto “Form follows function” gilt, ist auch bei einem Gefährt wie dem Rollator richtig. Die Form hat sich der Funktion anzupassen, denn wichtig ist in erster Linie die Funktionalität und Sicherheit. Trotzdem darf das Wägelchen darüber hinaus auch chic aussehen. Wir erklären Ihnen in diesem Artikel, worauf Sie bei einem Rollator achten sollten und wie Ihnen Zubehör helfen kann, noch komfortabler unterwegs zu sein.

Hilfsmittel

Welcher Rollator passt zu mir? Worauf muss ich achten?

Natürlich passt der, mit dem Sie am besten zurecht kommen. Aber Rollatoren sind medizinische Hilfsmittel, bei denen besonders strenge Sicherheitsmerkmale gelten. Deshalb sollte man auf mehr achten als nur gute Fahreigenschaften.

Stabilität Egal ob während des Gebrauchs oder zusammengefaltet im Ruhezustand: Es ist wichtig, dass Ihr Rollator immer sicher steht bzw. nicht ohne Weiteres kippt. Der Gehwagen soll Sie vor Stürzen schützen und keine hervorrufen! Achten Sie auch beim Erwerb auf eine gute Verarbeitung, besonders des Rahmens – dieser sollte beispielsweise keine Schrauben direkt in der Biegung haben.

Gewicht Die Krankenkassen übernehmen die Standard-Rollatoren, die meist schwerer und unhandlicher sind als die Aluminium-Versionen, bei denen Ihr Eigenanteil etwas höher ist. Bedenken Sie aber, dass Sie mit der Gehhilfe unter Umständen Treppen überwinden müssen oder in Nahverkehrsmittel steigen. Schwerer als 7 Kilogramm sollte ein Rollator nicht sein.

Leichtgängigkeit Rollatoren werden meist von älteren Menschen benutzt, die nicht mehr allzu kräftig sind. Geht es dann über unebenes Terrain wie Kopfsteinpflaster, muss Ihnen der Rollator “gehorchen”, damit es keine Unfälle gibt oder Sie nicht mehr weiterkommen.

Verstellbarkeit Im Prinzip sind alle Rollatoren höhenverstellbar, um sich auf die Nutzer anzupassen, jedoch ist nicht jeder Wagen auch für alle Bedürfnisse geeignet. Im Sanitätsfachhandel finden Sie zum Beispiel auch Modelle für sehr kleine/sehr große Personen oder Schwergewichte. Und dort hilft man Ihnen übrigens gleich, den Rollator exakt auf Ihre Größe einzurichten, damit Sie keine Rückenschmerzen bekommen und ein entspanntes Laufen möglich ist.

Preis/Leistung Für viele Kunden spielen die Kosten die entscheidende Rolle, zumal es eine große Preisspanne gibt. Gehwagen werden schon für unter 70 Euro angeboten, aber man kann für die Spitzenmodelle bis zu mehreren Hundert Euro ausgeben.

Wie erhalte ich einen Rollator? Und was zahlt die Krankenkasse?

Der übliche Weg führt Sie zunächst zum Arzt, der aufgrund Ihrer Beschwerden (zum Beispiel Arthrose, nach Schlaganfall oder bei Multipler Sklerose) ein Rezept für einen Rollator ausstellt. Damit geht es in ein Sanitätshaus Ihrer Wahl – Sie dürfen gern mehrere Geschäfte aufsuchen –, wo Ihnen aufgrund der Fallpauschale der Krankenkasse entsprechende Modelle gezeigt werden. Die Pauschalen variieren nach Kasse und Bundesland etwa von 35 bis 149 Euro, so dass es keine einheitliche Aussage darüber geben kann, wie viel Ihre Kasse zuzahlt. Es fällt außerdem eine Gebühr an, die 10% des Verkaufspreises ausmacht, aber zehn Euro nicht überschreiten darf.

Wie man sich denken kann, geht es der Kasse nicht um das High-End-Modell, sondern das medizinisch notwendige: Das sind dann oft die Standardausführungen. Damit werden Sie in der Regel zurecht kommen, doch Individualität bleibt dabei auf der Strecke.

Im Rezept inklusive ist übrigens auch die richtige Einstellung der Handgriffe und die intensive Einweisung in das gewählte Modell. Die Empfehlung allgemein lautet, dass man sich mit locker herunterhängenden Armen neben den Rollator stellt. Handgelenk und Griff sollten dann auf einer Höhe sein. Doch ist es je nach Therapie auch möglich, andere Einstellungen zu wählen.

Wollen Sie allerdings ein bisschen mehr Komfort oder Ihr Wunschmodell in Ihrer Lieblingsfarbe, dann müssen Sie mit einer Aufzahlung rechnen. Manchmal lohnt sich auch der Einspruch bei der Krankenkasse, wenn Sie durch den Standard-Rollator eben nicht mehr Mobilität gewinnen. Fragen Sie gern Ihren Sanitätsfachhändler, welches Modell wirklich ideal für Ihre Bedürfnisse ist.

Hilfreich ist in jedem Fall ein Praxistest, ehe Sie sich für ein Modell entscheiden. Das Wuppertaler Sanitätshaus Beuthel hat eigens einen Parcours für die Rollatorenschulung am Haus, damit Kunden Rollatoren auf Herz und Nieren prüfen können.

Natürlich können Sie sich ein Wägelchen einfach im Sanitätsfachhandel kaufen. Dann zahlen Sie allerdings den vollen Preis.

Welche Arten von Rollatoren werden angeboten?

Grob einteilen lassen sich die Gehwagen in den Innen- und Außenbereich, wobei die dreirädrigen Modelle sich für drinnen empfehlen, die vierrädrigen aufgrund der besseren Standfestigkeit für draußen.

Indoor-Rollatoren können auch in warmer Holzoptik ausgeliefert werden, und sie sind oft noch leichter. Wenn Sie solch eine Gehhilfe verwenden möchten, gilt es, besonders auf die Sicherheit zu achten: Manche Modelle kippen schon bei leichter Beanspruchung um, kommt dann noch ein Zubehör wie ein beladener Korb dazu, muss man unbedingt das Gleichgewicht beachten.

Wie benutze ich den Rollator richtig?

Um Stürze sowie Rückenbeschwerden zu vermeiden, ist die die exakte Einstellung auf die Größe des Benutzers das Wichtigste. Man geht immer im Rollator und schiebt den Wagen nicht vor sich her. Dabei stützt man sich mit den Armen ab.

Rollatoren haben heute serienmäßig eine Höhenverstellung, die jedoch nicht bei allen Modellen so einfach wie gewünscht zu bedienen ist. Probieren Sie deshalb immer vor Anschaffung im Sanitätshaus aus, ob Sie auch mit wenig Kraftaufwand alle Teile fest arretieren und lösen können. Auch das Bremsen muss geübt werden, um Unfälle zu vermeiden.

Zudem sind Rollatoren mit einer Sitzfläche und/oder Tasche bzw. Transportkorb ausgestattet. Benutzen Sie den Sitz nur mit angezogenen Bremsen! Die Höhe des Sitzes ist auch verstellbar, dabei kann Rücksicht auf mögliche Beschwerden wie Knieprobleme genommen werden. Testen Sie, in welcher Höhe es Ihnen am leichtesten fällt, sich wieder zu erheben. Hinweis: Die Fußspitzen sollten immer den Boden berühren.

Für den Transport sollten Sie auf das leichte Zusammenfalten längs achten – und der Rollator darf im gefalteten Zustand möglichst nicht umkippen.

Kanten und Türschwellen werden mit Ankippen des Rollators überwunden. Auch hierfür ist die richtige Bremstechnik erforderlich. Ankipphilfen können die Handhabung erleichtern, sind aber nicht für alle Menschen sinnvoll, weil man dafür für kurze Zeit den zweiten Fuß anheben muss. Eine fachgerechte Beratung und ein Test im Geschäft vor Ort geben Ihnen Gewissheit, ob Sie diese Unterstützung einsetzen können.

Zubehör für den Rollator: Was lohnt sich?

So wie ein Auto den Jahreszeiten entsprechend ausgestattet werden sollte, kann man auch den Rollator fit machen für den Sommer bzw. Winter. Keine Sorge, ein MUSS ist das alles nicht, aber die ein oder andere Ausrüstung ist definitiv hilfreich.

Beleuchtung

  • LED-Licht mit integriertem Bewegungs- und Dämmerungssensor (zum Beispiel für den Topro Troja) – ideal bei Dunkelheit und schlechtem Wetter, die Beleuchtung schaltet sich automatisch bei zu wenig Licht ein, Umkippsensor ist integriert und sendet akustischen sowie visuellen Alarm
  • Lampe für diverse Modelle – gibt Sicherheit in der Dunkelheit und wird manuell bedient
  • Sicherheits-Set Reflektoren – vor allem in der Dämmerung und Dunkelheit hilfreich, kostengünstig und einfach nachzurüsten

Mehr Sicherheit

  • Kipphilfe – gibt es für den universellen Einsatz an allen Standard-Rollatoren, um leicht Bordsteine oder ähnliche Hindernisse zu überwinden, muss jedoch etwas aufwändiger montiert werden
  • Rückengurt – noch sicherer und bequem in den Ruhepausen, der Gurt wird hinter der Sitzfläche angebracht und ist ergonomisch auf die Körpergröße und die gewünschte Sitzposition einstellbar, er schützt auch vorm Kippen nach hinten

Mehr Komfort

  • Rollatorschirm – ob Regen oder brennende Sonne, der Rollatorschirm schützt Sie; wird direkt am Rolli befestigt, damit Sie beide Hände für die Lenkung frei haben, in vielen Farben erhältlich
  • Handwärmer – funktionieren wie Handschuhe, sind aber fest an den Griffen arretiert, groß genug, um noch zusätzlich Handschuhe darunter zu tragen
  • Stockhalter – besonders für Topro-Rollatoren geeignet, wird einfach links und/oder rechts am Rahmen des Rollators angeklickt
  • Poncho – leicht überzuziehen und immer verfügbar; er ist vorn länger geschnitten, um bei Regen auch gleich Ihre Einkäufe im Korb abzudecken
  • wetterfeste Tasche – alles gut verstaut auch bei wechselhaftem Wetter und Ihre Wertsachen sind nicht sofort sichtbar; die Einkaufstasche kann einfach abgenommen und mit in den Laden/die Wohnung getragen werden, achten Sie auf ein angemessenes Zuladungsgewicht von höchstens 5 kg
  • Rollatorschloss, Flaschenhalter, Einkaufsnetz, Gepäcktasche, Tablett und vieles mehr

Bereifung

  • Komforträder – besonders geeignet für unebene Untergründe wie Streusalz im Winter oder Laub im Herbst, weil sie sehr weich und stoßabsorbierend sind; die Deutsche Verkehrswacht rät dazu, möglichst nur geräumte Wege zu benutzen und Gullydeckel oder Kopfsteinpflaster zu meiden, da sie besonders schnell rutschig werden
  • Offroad-Reifen – größere Profiltiefe für schlechte Straßen, Spazieren im Sommer im Wald oder auf Kopfsteinpflaster, einfaches Wechseln mit nur wenigen Handgriffen

Das müssen Sie ebenfalls über Rollatoren wissen

  • Wofür brauchen Sie die Gehhilfe? Je nach Beanspruchung richtet sich auch der Preis.
  • Achten Sie auf den Verschleiß von Bremsen und Rädern: Im Fachhandel können Sie kontrollieren lassen, ob noch alles in Ordnung ist, am besten jährlich durchchecken lassen (der Hersteller gibt auch individuelle Wartungshinweise).
  • Reifen sollten aus Vollgummi sein, damit Sie keinen “Platten” bekommen können. Kleine Räder eignen sich für drinnen, große Räder für den Außenbereich.
  • Ein Rollatorentraining ist sehr sinnvoll, um beispielsweise das Überwinden von Hindernissen zu üben.

Fazit zu Rollatoren

Rund zwei Millionen Rollatoren sorgen in Deutschland für mehr Mobilität für Senioren, aber auch für Menschen mit chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel bei Rückenschmerzen. Beim Rollator müssen Sie auf die einfache Bedienung, die Sicherheit und Ihr individuelles Bedürfnis achten. Wenn Sie ein Rezept für eine solche Gehhilfe vom Arzt erhalten haben, sollten Sie im Sanitätshaus einige Modelle testen, ehe Sie sich entscheiden. Im Fachhandel hilft man Ihnen auch bei der korrekten Einstellung des Rollators und erklärt die richtige Benutzung. Zudem gibt es nützliches Zubehör wie einen Schirm oder Reflektoren, um Ihnen ein sicheres Gefühl zu geben.

Haben Sie den perfekten Rollator für sich gefunden? Benötigen Sie Hilfe beim Einstellen oder der Wartung? Melden Sie sich gern bei uns!

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