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Gesundheitswissen kompakt

Blickpunkt Pflege –Tipps und Unterstützung für Sie

Geschrieben von Sylvia Neumann am 17. Juni 2016

Kompressionsstrümpfe anziehen: Damit geht’s ganz leicht

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Kompressionsstrümpfe anziehen? Das verbinden Menschen immer noch mit Quälerei, Schwitzen, Laufmaschen, großen Anstrengungen. Doch das muss nicht sein. Praktische Anziehhilfen sorgen dafür, dass die Strümpfe ohne fremde Unterstützung und in Minutenschnelle angelegt werden können. Lernen Sie die besten Methoden dazu jetzt kennen.

So helfen Kompressionsstrümpfe, die Beine zu stärken

Wie wirkungsvoll und wichtig die Strümpfe für Ihre Gesundheit in den Beinen sind, haben wir ausführlich in unserem Beitrag “Wie Kompressionsstrümpfe Ihnen gegen Thrombose helfen” beschrieben. Sie sind erforderlich für die Behandlung von Ödemen, Thrombosen, Krampfadern oder Lymphödemen.

Hier nochmals die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Kompressionsstrümpfe sind die ideale Therapie bei einem Venenleiden, weil sie durch den Druck auf das Bein den Blutfluss anregen.
  • Sie können zudem wirksam Erkrankungen wie Thrombosen (Blutgerinnseln) vorbeugen, weshalb sie empfehlenswert zum Beispiel bei längerem Sitzen (in Flugzeugen, Autos usw.) sind.
  • Die Strümpfe werden bei medizinischer Notwendigkeit auch ärztlich verordnet (2 Paar pro Jahr) und von der Krankenkasse übernommen. Höherwertige Modelle erfordern allerdings auch einen Qualitätszuschlag.
  • Ohne Ausmessen und perfekten Sitz geht nichts: Im Sanitätshaus sollten Sie unbedingt Maß nehmen und sich von einer Fachkraft über die richtige Größe beraten lassen, damit die Beinbekleidung auch effektiv wirken kann. Das Sanitätshaus Beuthel in Wuppertal bietet diesen Service natürlich gern an.
  • Erhältlich sind die stützenden Strümpfe in vier Druckklassen, um von leichten Schwellungen, zum Beispiel bei einer Schwangerschaft, bis zu ausgeprägten Lymphödemen jedem Patienten die passende Unterstützung zukommen zu lassen.

Thrombosestrümpfe anziehen: die zwei besten Methoden

Die umgangssprachlich auch Stützstrümpfe genannten langen Socken einfach und selbständig anziehen zu können – das fällt vielen Patienten schwer, die erstmalig damit konfrontiert werden. Die Strümpfe bestehen aus einem sehr fest gestrickten Material, welches nicht ohne Weiteres über die Haut gleitet. Dieser Effekt ist natürlich gewollt, sonst könnte der erforderliche Druck auf die Venen nicht erfolgen, um die Venenklappenfunktion anzuregen.

Beim Anziehen der Strümpfe gibt es dann oft Gezerre und Schweißperlen auf der Stirn, weil man mit dem Gummigestrick kämpft. Wer geübt ist oder noch genügend eigene Kraft besitzt, kann selbstverständlich auch ohne unterstützendes Hilfsmittel zurechtkommen. Wie man es richtig macht, zeigt medi in diesem Video:

Anders sieht es allerdings aus, wenn man in der Mobilität eingeschränkt ist, sich beispielsweise nicht mehr tief bücken kann. Dann ist eine Anziehhilfe unverzichtbar. Außerdem hat sie einen weiteren wichtigen Vorteil: Die Gefahr, die Kompressionsstrümpfe versehentlich zu zerreißen, ist damit äußerst gering.

Wichtige Hinweise zum Anziehen von Kompressionsstrümpfen

  • am besten gleich früh noch im Bett die Strümpfe anlegen, damit sich erst gar keine Gewebeflüssigkeit in den Waden stauen kann
  • Strümpfe im Sitzen anziehen, um nicht zu fallen – erst wenn sie über das Knie gestreift werden, steht man auf
  • hilfreich sind kleine Hocker, auf die man seine Beine während des Vorgangs ablegen kann
  • immer mit Gummihandschuhen arbeiten, weil sie nicht nur das Gewebe vor Rissen und ähnlichem schonen, sondern sind auch gut geeignet sind, um das Material richtig zu fassen und zu korrigieren: diese sind im Sanitätshaus zu bekommen
  • keine spitzen Finger- oder Fußnägel
  • keinen Schmuck und keine Uhr tragen, um das Material nicht zu beschädigen
  • Füße sollten gepflegt und nicht rissig sein; dafür eventuell am Vorabend (!) eincremen
  • der Kniestrumpf endet etwa zwei Finger breit unterhalb der Kniekehle
  • bei oberschenkellangen Strümpfen: bitte nicht am Haftband greifen, dieses ist empfindlicher als das Gestrick: der Strumpf endet nach dem Anlegen 2 cm unterhalb der Pofalte
  • bei Strumpfhosen: komplett auf links wenden, erst mit dem einen, dann mit dem zweiten Fuß hinein

Gleitsocke, Füßling & “seidene Tüte”

Das alles sind Ausführungen von Anziehhilfen für die Strümpfe gegen Thrombose. Vorstellen muss man sich die Überzieher für den Fuß wie spitz zulaufende halbe Söckchen bzw. Einkaufstüten aus sehr glattem Material.

Die Gleitsocken werden nur für offene (zehenfreie) Kompressionsstrümpfe verwendet. Dieser Füßling liegt dann den Socken immer bei.

Die Hilfen für geschlossene Strümpfe werden wie eine Plastiktüte locker um den kompletten Fuß gelegt und nach dem Ankleiden am Strumpfrand wieder herausgezogen. Dafür sind sie mit festen Bändern ausgestattet und sehr flexibel, um sich jeder Größe anzupassen.

Und so geht’s:

  • Gleitsocke/Strumpfanzieher zuerst über den Fuß stülpen
  • Stützstrumpf zusammenraffen und vorsichtig über die Zehen ziehen
  • dann weiter nach oben transportieren und die Ferse ausrichten
  • immer mit beiden Händen gleichmäßig das Material greifen und Stück für Stück ziehen, um keine zu hohe Spannung zu erzeugen
  • vorhandene Falten glatt streichen
  • die Gleitsocke nach vorn wegziehen, die Anziehhilfe mit Hilfe der Bänder aus dem Strumpf holen
  • zum Ausziehen: Strumpf von Wade abrollen und unten mit beiden behandschuhten Händen über Sohle und Rist streichen, bis der Strumpf auf links gedreht vom Fuß rutscht

Gestelle, Ständer & “Butler”

Der große Vorteil dieser Hilfen ist weiter oben bereits angeklungen: Es ist kein Bücken nötig, um die Kompressionsstrümpfe anzuziehen. Außerdem ist das Gestell gut geeignet, wenn man das Knie nicht beugen darf.

Sinnvoll sind die Halterungen besonders bei oberschenkellangen Strümpfen sowie Strumpfhosen, aber auch Kniestrümpfe rutschen fast wie von selbst über das Bein.

Und so geht’s: 

  • Strumpf wird nach innen gewendet und auf das Gestell gezogen bis die Fußspitze oder die Ferse zu sehen ist (je nach Modell)
  • Ferse muss zum Patienten, Spitze nach vorn zeigen
  • Anziehhilfe kippen, Fuß hineinstecken und an den Haltegriffen ziehen, bis der angezogene Strumpf unten herauskommt, dabei gleichmäßigen Druck ausüben, damit auch die Ferse hineingleitet
  • mit Hilfe der Haltegriffe das Gestell nach oben ziehen, dabei rollt sich das Gewebe automatisch ab, die Fußzehen liegen auf dem Boden auf oder zeigen nach oben (je nach Modell)
  • Anziehhilfe wird bis zum Knie benötigt, dann abstellen
  • anschließend aufstehen, um immer mit beiden Händen gleichmäßig das Material zu greifen und Stück für Stück zu ziehen, um keine zu hohe Spannung zu erzeugen mit der Hand mögliche Falten glatt streichen
  • zum Ausziehen: Viele Anziehhilfen können auch als Ausziehhilfen benutzt werden: Dazu werden abgerundete Zusätze wie ein mitgelieferter Ring oder Gummikugeln am Ende der Gestelle unter den Kompressionsstrumpf gesteckt und darüber der Strumpf auf links abgestreift.

Fazit zu den Anziehhilfen

Ob Sie nun die “seidige Tüte” oder den “Butler” bevorzugen: Eine Anziehhilfe für Ihre Kompressionsstrümpfe ist in jedem Fall sehr nützlich. Sie hilft Ihnen, Kraft und Nerven zu schonen, zudem schützt Sie das Gewebe der Thrombosestrümpfe vor Beschädigungen. Strumpfanzieher gibt es sowohl für knielange als auch oberschenkellange Strümpfe sowie für zehenfreie Modelle (mit offener Spitze). Die Handhabung ist nicht schwierig und verschafft Ihnen viel mehr Zeit, denn mit einer Anziehhilfe geht das Überstreifen der Kompressionsstrümpfe sehr schnell. Probieren Sie im Sanitätshaus doch einfach mal eine aus!

Kompressionstrümpfe, Thrombosestrümpfe, Stützstrümpfe: Wie immer Sie sie auch nennen – was ist Ihr Geheimtipp zum Anziehen? Haben Sie noch einen Trick für andere auf Lager, der das Anlegen der Strümpfe erleichtert?

Bild: © Firma Medi / www.medi.de

 

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