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Gesundheitswissen kompakt

Blickpunkt Pflege –Tipps und Unterstützung für Sie

Geschrieben von Lars Neumann am 20. Dezember 2016

Trotz Querschnittslähmung zurück ins Leben

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Ein einziger Moment, der das Leben verändert. Ein Unfall, eine Unachtsamkeit. Von jetzt auf gleich ist alles anders mit einer Querschnittslähmung. Prominente Mutmacher wie Wolfgang Schäuble, Samuel Koch oder Ronny Ziesmer tragen ein gutes Stück dazu bei, dass diese Erkrankung nicht so leicht aus dem Fokus der Öffentlichkeit gerät. Trotzdem wissen viele Menschen nicht, was mit einer Rückenmarksverletzung verbunden ist. Hier erfahren Sie es.Rollstuhlfahrer gehören für uns zum Alltagsbild. Und das ist auch gut so! Glücklicherweise gibt es für alle Arten einer Wirbelverletzung inzwischen Hilfsmittel (vorrangig Rollstühle), die den Patienten Mobilität verschaffen. Trotzdem ist es häufig ein Weg mit Hindernissen, bis die weitmöglichste Selbstständigkeit wieder erreicht wird.

 Vielleicht befinden Sie sich selbst derzeit in der Phase des spinalen Schocks, der ersten Stufe des Querschnittsyndroms? Oder Ihr Angehöriger hat einen Unfall erlitten, bei welchem das Rückenmark verletzt wurde? Oder Sie pflegen bereits ein Familienmitglied mit Querschnittslähmung? Niemand sagt, dass es mit solch einer schweren Verletzung einfacher im täglichen Leben wird. Doch es gibt vieles, was Sie unterstützen kann, so dass Sie den Mut nicht verlieren sollten.

Was Sie bei der Pflege eines Angehörigen unterstützt und welche Hilfe Ihnen zusteht – das können Sie in unserem kostenlosen eBook nachlesen.

Pflege zu Hause

Die Ursachen einer Querschnittslähmung

Das Rückenmark gehört zum zentralen Nervensystem, welches den ganzen menschlichen Körper steuert. Wird es verletzt, zum Beispiel durch einen Unfall oder eine andere Schädigung, dann ist die Übertragung der elektrischen Information gestört: Die Nervenbahnen leiten die Informationen nicht mehr weiter, die Steuerung fällt aus. Der Betroffene verliert sowohl die Funktion als auch die Sinneswahrnehmung für diesen Bereich.   

Auslöser sind in der Regel Unglücke wie Stürze, Autounfälle oder Sportverletzungen, sogenannte traumatische Ursachen. Möglich ist eine Lähmung allerdings auch durch Erkrankungen wie Tumore, Wirbelbrüche durch z.B. Osteoporose, Bandscheibenvorfälle oder Entzündungen des Rückenmarks (nicht-traumatische Ursachen). Eine frühkindliche Form der Krankheit ist Spina bifida, bei der sich das Neuralrohr des Rückenmarks bei der Entwicklung des Embryos nicht vollständig schließt, die Auswirkungen sind dabei sehr unterschiedlich.

Tetraplegie, Paraplegie – wo beginnt die Lähmung?

Was Ihnen individuell hilft, ist abhängig von der Art des Querschnitts. Man unterscheidet:

Tetraplegie

Alle vier Gliedmaßen, Rumpf und Brust sind betroffen (tetra = 4), weil die Verletzung auf Höhe der Halswirbelsäule erfolgt. Liegt die Einschränkung zwischen dem 4. und 6. Halswirbel bzw. darüber, ist auch Unterstützung beim Atmen nötig, weil dort die Nerven des Zwerchfells durch das zentrale Nervensystem angesprochen werden.  

Paraplegie

Beide Beine sind von der Lähmung (Plegie) betroffen, weil das Rückenmark im Brust- und Lendenwirbelbereich geschädigt ist. Auch weitere Nervenbereiche funktionieren nicht mehr, zum Beispiel im Rumpf, allerdings können Arme und Oberkörper komplett genutzt werden.

Was ist eine inkomplette Querschnittslähmung?

Wird das Rückenmark geschädigt, kann dies eine vollständige Durchtrennung der Nervenbahnen zur Folge haben oder nur eine teilweise. Dann spricht man von einer inkompletten Querschnittslähmung. Damit ist je nach Ausprägung noch eine gewisse Motorik und Sensibilität gegeben. Die American Spinal Injury Association (ASIA) unterteilt den inkompletten Querschnitt in 3 Stufen, der anhand des möglichen Gebrauchs der Extremitäten und der Sensibilität um den Darmausgang ermittelt wird.

Symptome: Leben mit Querschnittslähmung

Erst nach einigen Wochen kann man bei einer durch Trauma ausgelösten Plegie erkennen, wie weitreichend die Folgen für den Patienten sind. Dann ist der spinale Schock gewichen, der mit einer schlaffen Lähmung einhergeht. Einer Versorgung im Krankenhaus schließt sich immer die Überweisung in die Reha an, wo die Menschen lernen, mit der neuen Situation klarzukommen.

Motorische Fähigkeiten nach Rückenmarksverletzung

Die Muskeln können nicht angespannt und somit auch nicht genutzt werden. Selbständiges Gehen oder – bei Paraplegie – die Koordination der Arme ist damit nicht möglich. Der Verlust der Motorik kann durch technische Hilfen wie etwa einen Rollstuhl teilweise recht gut ausgeglichen werden. Im Sanitätshaus Beuthel nehmen wir uns Zeit, um Sie intensiv zu Ihrem perfekt angepassten Rollstuhl zu beraten.  

Gestörte Sensibilität bei Querschnittlähmung  

Was für die Erkrankten meist schwerer wiegt als der Ausfall der Beine ist die verlorene Sinneswahrnehmung. Die Nervenbahnen leiten keine Signale mehr weiter. Man spürt also nicht, ob man gestreichelt oder gekniffen wird. Oder ob vielleicht das Badewasser zu heiß ist...

Damit sind Gefahren verbunden, auf die der Betroffene selbst (soweit er es kann) oder ein pflegender Angehöriger achten muss. Eine davon ist ein möglicher Dekubitus (Wundliegen oder Wundsitzen), denn den erhöhten Druck zum Beispiel auf die Steißbeinhöcker fühlt der Plegiker nicht.

In der Regel entfällt bei einer kompletten Querschnittslähmung die Kontrolle über den Schließmuskel, so dass es zu einer Inkontinenz kommt. Dies stellt eine psychologische Herausforderung dar. Hilfreich ist bei diesem sensiblen Thema auch der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe, um zu wissen: Man ist nicht allein!  Übrigens kann in solch einem Kreis auch das Thema Sexualität mit Querschnittlähmung angesprochen werden, denn auch hier müssen sich die Betroffenen auf ein ganz neuen Umgang mit diesem Aspekt des Lebens einstellen.

Die eigentliche Verletzung des Rückenmarks schmerzt nicht, jedoch entstehen häufig neuropathische Schmerzen, wenn das Nervengewebe durch äußere Einflüsse (Quetschung, Kompression, Durchtrennung oder Entzündung) geschädigt wird. Auch chronische oder nicht erklärbare Schmerzen treten durch die veränderte Körperwahrnehmung auf. Im Rahmen einer Reha ist aus diesem Grund eine Schmerztherapie zu empfehlen.  

Querschnittslähmung in der Therapie: Welche Hilfsmittel sind wichtig?

Kommen Sie mit einer inkompletten Paraplegie zur Beratung ins Sanitätshaus, brauchen Sie andere Hilfsmittel als bei einer kompletten Tetraplegie. Einige Hilfen unterstützen aber bei jeder Form von gelähmten Körperpartien. Lassen Sie sich trotzdem individuell beraten, denn jeder Mensch mit einer Rückenmarksverletzung ist anders.

Wir haben Ihnen an dieser Stelle die wichtigsten Geräte und Zubehör aufgelistet, die ebenfalls für pflegende Angehörige interessant sind. Denn oft benötigen Querschnittsgelähmte Unterstützung im Alltag, der von der Familie geleistet wird:

Rollstuhl

Er muss auf die persönliche Bedürfnisse des Nutzers angepasst sein, für Paraplegiker könnte ein Aktivrollstuhl in Frage kommen, für Tetraplegiker ein Elektrorollstuhl; auch für Kinder gibt es eigene Modelle, um die größtmögliche Mobilität zu erreichen.

Hilfen im Bad

Diese sind ganz vielfältig: vom Toilettenstuhl über den Duschhocker, von Haltegriffen bis zum Badewannenlift. Eine ausführliche Übersicht finden Sie hier. Das Sanitätshaus Beuthel bietet eine Wohnumfeldberatung an, die vor allem für Neuerkrankte sinnvoll ist.

Stoma-Versorgung und Inkontinenz-Versorgung

Das hochsensible Thema Ausscheidungen betrifft viele Menschen, die querschnittgelähmt sind. Die Lösung kann sowohl ein Stoma als auch die klassische Versorgung bei Blasen- bzw. Darmschwäche sein.

Unterarmgehstützen

Für Menschen mit inkomplettem Querschnitt, die ihre Beine mit Unterstützung noch selbst bewegen können.

Trinknahrung

Wenn die Lähmung im Halswirbelbereich einsetzt, ist oft auch das Schlucken beeinträchtigt. Nahrung in flüssiger Form kann leichter geschluckt werden.

Pflegebett

Je nach Schwere der Plegie benötigt der Betroffene ein sicheres Bett, welches ihn vor Stürzen schützt. Das Pflegebett ist auch hilfreich, wenn der Patient den Großteil des Tages liegend verbringt, weil es durch die diversen Möglichkeiten zum Einstellen Schmerzen lindern kann. Kümmern sich Angehörige um die Pflege, schätzen sie das Bett, da es den Rücken schont und die Pflege erleichtert.

Weitere Hilfen bei der Pflege eines Querschnitt-Patienten

Fazit zur Querschnittslähmung

Ursache für eine Querschnittslähmung ist eine Verletzung des Rückenmarks, oft ausgelöst durch einen Unfall. Je nachdem, auf welcher Höhe die Wirbelsäule geschädigt wird, spricht man von der Tetraplegie (der Körper ist unterhalb des Halses gelähmt) und der Paraplegie (Arme und Oberkörper sind nicht betroffen).

Wichtig zu wissen: Eine standardisierte Therapie und Reha-Versorgung gibt es bei einer Querschnittslähmung nicht. Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse und andere Fähigkeiten – ohne individuelle Beratung kann die beste Unterstützung nicht herausgefunden werden. Häufig eingesetzt werden Rollstühle und Pflegebetten, damit die Menschen einerseits mobil sind und andererseits ihre Schmerzen reduzieren können.

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