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Mein Leben mit Prothese

"Aufgeben ist für mich keine Option"

Geschrieben von Sigrun Passelat am 8. Januar 2019 15:30:00 MEZ

Diagnose Knochenkrebs: Zwischen Chemo und Sporttherapie

Leben mit Prothese
Leider habe ich am 21.12.2018 die Diagnose Knochenkrebs erhalten. Eine Diagnose, mit der ich absolut nicht gerechnet habe. Ich dachte mir nichts dabei als ich wegen massiver Schmerzen zu meinem Chirurgen gegangen bin. Die Praxis habe ich mit dem Verdacht verlassen, da das Röntgenbild schon sehr auffällig war.

Innerhalb von zwei Tagen ging es dann ins CT und ins MRT, einen Tag später war ich auch schon mit sämtlichen Unterlagen in der Uni Klinik Münster.

Dort musste ich mich dann einer Punktion unterziehen, in der mir Gewebematerial entnommen wurde, um dieses auf Krebszellen untersuchen zulassen. Jetzt ging die Warterei los. Nichts war es mit Vorfreude auf Weihnachten: Ich wusste bzw. ahnte es, dass das Ergebnis vorher kommen würde.

Ab diesem Moment lief alles wie in einem Automatismus  ab. Der Körper versucht, sich selber zu schützen, um nicht in ein tiefes Loch zu fallen.

Seitdem  vergeht kein Tag, an dem ich nicht drüber nachdenke, was auf mich zukommt. In so einem Fall ist man ja nicht nur selber betroffen, sondern auch das Umfeld.

Schmerzen am Knochen: Der Alltag ohne Prothese

Ich versuche, trotz dieser Diagnose meinen Alltag wie gewohnt zu bestreiten. Die Krankheit wird zwar mein Leben bestimmen – aber nicht mich! Aktuell darf ich leider aufgrund der Schmerzen keine Prothese mehr tragen, da der Tumor genau am Knochenende sitzt und so beim Laufen stören würde.

Jetzt wird mir erst einmal bewusst, wie sehr ich mich im Alltag an die Prothese gewöhnt habe.

Die ganz alltäglichen Dinge stellen einen nun vor eine enorme Herausforderung. Von einem Tag auf den anderen benötige ich Hilfe für Sachen, die schon keine Probleme mehr für mich bedeuteten. Außerdem bin ich jemand, die zunächst selber die Dinge in die Hand nimmt, bevor ich andere  mit meinem Anliegen „nerve“.

Aber ich versuche trotzdem, weitestgehend alles alleine zu machen. Gut, manches  funktioniert nicht anders: Beim Einkaufen benötige ich definitiv Hilfe, da ich kein Auto besitze.

In diesem Fall wünsche ich mir,  dass die Behörden einfach mal schneller arbeiten würden. Die Rentenversicherung bearbeitet aktuell seit acht Wochen meinen Antrag auf Zuschuss für einen PKW, der an mein Handicap angepasst ist. Da ich ja rechts Oberschenkel amputiert bin, benötige ich ja ein Fahrzeug mit Umbau auf Gas links.

Meine Ängste nach der Diagnose – und viele offene Fragen

Von einem Tag auf den anderen verändert sich das gewohnte Leben. In meinem Kopf schwirren so viele offene Fragen herum.

  • Was muss ich noch alles durchstehen?
  • Wie wird mein weiteres Leben bestimmt sein?
  • Habe ich weiter die Kraft bzw. kann ich diese weiter aufbringen?
  • Was ist mit meinem Sport?

Die wichtigste Frage für mich ist jedoch:

  • Was werde ich an Stumpflänge behalten?

Auf all diese Fragen kann mir bislang keiner eine Antwort geben.

Meine Aktivitäten bzw. Vorhaben und Ziele für 2019 sind jetzt erst mal „auf Eis” gelegt. Oder sollte ich sagen: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben?“.

Auch wenn ich unter den Nebenwirkungen der Chemotherapie durch die Krebserkrankung leide – ich bekomme sie als Kapsel – bestreite ich meinen Alltag wie gewohnt.

So hilft mir Sport bei der Krebstherapie

Sport spielt für mich weiterhin eine große Rolle in meinem Leben – und das wird auch immer so bleiben. Deshalb gewinnt Sport beispielsweise in der Behandlung von Tumoren immer mehr an Bedeutung. Eine Sporttherapie kann mitunter Operationen ersetzen oder die Chemotherapie entscheidend erleichtern.

Sport und Bewegung reduzieren die Nebenwirkungen einer Krebstherapie und können das sogenannte Fatigue-Syndrom (Erschöpfungszustand) verringern. So kann das allgemeine Wohlbefinden gesteigert und das Lebensgefühl verbessert werden.

Immer mehr Daten belegen: Bewegung und Sport spielen für die meisten Erkrankten eine wichtige Rolle. Mögliche Krankheits- und Behandlungsfolgen können durch gezieltes Training vermindert oder ganz vermieden werden. So lassen sich zum Beispiel Einschränkungen der Beweglichkeit verhindern.

Angepasstes Bewegungstraining verringert häufig außerdem das schon erwähnte Fatigue-Syndrom. Darunter leiden viele Patienten noch lange nach der Therapie. Wer sich stark erschöpft fühlt, dem fällt der Einstieg in ein regelmäßiges Training allerdings oft besonders schwer. Gemeinsam mit ihrem Arzt können Betroffene am besten herausfinden, welches Pensum an körperlicher Aktivität für sie machbar ist.

Weiterhin gibt es viele Untersuchungen, die den positiven Einfluss von Bewegung auf die psychische Situation von Krebspatienten belegen. Viele Betroffene geben an, dass Sport ihnen dabei hilft, Depressionen und Ängsten vorzubeugen. Bewegung und Sport können sich insgesamt positiv auf die Lebensqualität von Patienten auswirken. Da Betroffene durch körperliche Aktivität oft fitter und belastbarer werden, gewinnen sie ein Stück Alltagsleben und Zutrauen in die Leistungsfähigkeit des eigenen Körpers zurück.

Leider bin auch ich nicht vor negativen Kommentaren geschützt; es gibt doch einige, die glauben, ich mute mir und meinem Körper zu viel zu. Zum Glück überwiegen aber die positiven Erlebnisse: Sie geben einem die nötige Kraft, das man mit dem, was man macht, auf dem richtigen Weg ist.

Die Krankheit lehrt mich aber nach so vielen Jahren auch, auf den eigenen Körper zu hören. Er gibt einem die Signale, damit man nicht übertreibt. Ok, ich gebe zu, manchmal achte ich nicht darauf. Mit der Konsequenz muss ich dann aber alleine zurecht kommen.

An dieser Stelle  möchte ich mich bei allen bedanken, die mir die Kraft und den Mut geben,  nie aufzugeben. Danke an die Familie, Freunde und Kollegen!

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