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Mein Leben mit Prothese

"Aufgeben ist für mich keine Option"

Geschrieben von Sigrun Passelat am 12. Februar 2019 11:55:14 MEZ

Kompressionsstrümpfe sind wichtig – auch für den Beinstumpf

Kompressionsstrümpfe

Es geht bergauf: Ich bereite mich nach der Tumor-Operation auf die Entlassung aus dem krankenhaus vor. Nun heißt es schonen und konsequent Kompressionsstrümpfe tragen. Die gibt es auch für den Stumpf.

Ein Super Bowl mit Schmerzen

Montag, 04.02.2019

Vom gestrigen Tag gibt es nichts weiter spannend es zu berichten. Mir ging es den ganzen Tag erstaunlich gut. Ich war schon fast euphorisch und dachte mir, endlich geht es bergauf. Auch wenn ich den ganzen Tag immer wieder darüber nachgedacht habe, wie es weitergeht. Die nächsten Wochen werde ich ja definitiv noch ohne Prothese unterwegs sein, bevor dann die Interimsphase von vorne beginnt.

Was es damit auf sich hat kann man in meinem ersten Beitrag hier  auf der Homepage nachlesen:
Leben mit Prothese: Aufgeben ist für mich keine Option.

Von meiner anfänglichen Euphorie war dann leider am Abend nicht mehr viel über. Was zum Teufel ging denn da ab? Eine Lawine von unerträglichen Schmerzen ließ mich nicht zur Ruhe kommen. Also schaute ich wie so viele den Super Bowl, in der Annahme ich könnte mich ablenken.

Nichts passierte, außer das meine Schmerzskala immer mehr stieg. Gegen 3.00 Uhr in der Früh dachte ich mir, jetzt reicht es aber. Also habe ich nach dem Nachtdienst geklingelt. Da war wohl doch Morphium notwendig. Nach einer guten halben Stunde muss die Wirkung eingetreten sein, und ich konnte endlich schlafen.

Heute Morgen hatte ich dann das erste Mal das Verlangen, mich etwas zurechtzumachen. Mal nicht auszusehen, als ob ich mit einem Gespenst verwandt bin… Heute ist ein Tag, an dem ich sagen würde: Hey, ich möchte nach Hause.

Ich werde es morgen bei der Visite ansprechen. Ich weiß, dass ich hier in der Uniklinik Münster rund um die Uhr versorgt bin und zu Hause nicht, aber bekanntlich wird man in seinem gewohnten Umfeld auch gesund. Wenn ich zu Hause bin, muss ich nur aufpassen, nicht direkt alles nachholen zu wollen, was ich in den letzten Tagen versäumt habe. Ob ich das schaffe?

Um mir zu Hause erst einmal nicht zu viel zuzumuten und mir die nötige Ruhe zu geben, habe ich heute den Sozialdienst angefordert. Dieser kann hoffentlich die nötigen Papiere fertig machen, damit ich dann für die Anfangszeit eine Haushaltshilfe bekomme. Ansonsten verbringe ich den Rest des Tages mit lesen, schlafen und fernsehen.

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Die Kompressionstherapie für den Beinstumpf

Dienstag, 05.02.2019

Die Nacht verging wie im Flug, also muss ich für meine Verhältnisse sehr gut geschlafen haben. Meine Stimme spiegelt aber etwas anderes wider – ich höre mich an, als ob ich die Nacht durchgetrunken habe. Da hat die Klimaanlage wohl ganze Arbeit geleistet.

Pünktlich um kurz nach acht war auch schon die Visite da. Wenn ich so arbeiten würde wie die Ärztin, mit so einem Unwissen... prost Mahlzeit. Da muss ich der Ärztin sagen, wann ich mir vorstellen kann, nach Hause gehen zu können bzw. ihr erklären, dass es wichtig ist, dass mein Stumpf auch nach meinem Aufenthalt weiter komprimiert werden muss. Dafür habe ich gestern noch ein Rezept bei meinem Chirurgen über einen Kompressionsstumpfstrumpf angefordert. Was für ein Wort.

Der Strumpf funktioniert wie ein normaler Kompressionsstrumpf. Kompressionsstrümpfe  – man nennt sie auch Stützstrümpfe, orthopädische Strümpfe oder fälschlich Gummistrümpfe – sind als wesentlicher Bestandteil der Kompressionstherapie ein medizinisches Hilfsmittel, das bei Bedarf vom Arzt verordnet wird und dann durch die Krankenkasse erstattet wird.

Wichtig ist, dass man sich den Strumpf von seinem Arzt rezeptieren lässt. Er bewirkt den Abfluss der angesammelten Lymphflüssigkeit. In meinem Fall muss der Strumpf maßangefertigt werden. Die Standard-Strümpfe sind ja eher für die unteren Extremitäten gedacht und nicht für einen Stumpf im Oberschenkelbereich. Den Termin zum Vermessen habe ich bereits für Freitag organisiert. Ich hoffe, dass ich den Strumpf dann so schnell wie möglich bekommen werde, solange muss ich den Stumpf mit Kompressionsbandagen wickeln.

Mein Stumpf sieht jetzt am zweiten Tag nach der dritten Therapie ganz gut aus. Der Bluterguss ist rückläufig, was schon mal sehr positiv ist. Für Donnerstag ist meine Entlassung geplant. Dafür bekomme ich vom Krankenhaus einen Transport gestellt. Tja, und dann heißt es: Zu Hause aufpassen, nicht zu viel machen zu wollen.

Aber ich freue mich, ganz doll auf eine schöne Dusche. Meine Klammern werden bei der Entlassung noch drin sein. Diese werden frühestens ab dem 14. Tag gezogen. Ich werde dann Anfang kommender Woche einen Termin bei meinem Chirurgen ausmachen.

Wenn ich auf die letzten Tage zurückblicke, ist es Wahnsinn, wie rasant die Zeit vergangen ist. So schnell ist der „Urlaub” vorbei. Aber jetzt geht es bergauf. Ich hoffe, dass ich endlich zur Ruhe kommen werde und es mein letzter Krankenhausaufenthalt gewesen ist.

Die Zeit wird es zeigen. Wie es genau weitergeht, werde ich dann mit meinen Ärzten besprechen müssen, vor allem auch, wie es mit der Chemo-Therapie weitergeht.  Dafür muss ich mir noch einen Onkologen suchen. Der Tumor hat ja zum Glück nicht gestreut und konnte restlos entfernt werden, aber trotzdem kann man noch nicht von einer Heilung sprechen. Das kann man frühestens nach 5 Jahren. Ich werde aber jetzt nicht die nächsten 5 Jahre damit verbringen, darüber nachzudenken, ob er zurückkommt!

Ich sehe es als Geschenk, dass es einen so guten Ausgang für mich hatte.

Ich würde mich über Reaktionen freuen, wie euch der Einblick in mein Inneres gefallen hat. Vielleicht gibt es aber auch Anregungen, über was ich einmal schreiben soll. Welche Themen sind interessant?

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