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Mein Leben mit Prothese

"Aufgeben ist für mich keine Option"

Geschrieben von Sigrun Passelat am 22. Januar 2019 11:17:52 MEZ

Mein Krebstagebuch aus der Uniklinik Münster

Krebstagebuch

Was bewegt mich dazu, dass ich dieses Tagebuch schreibe…? Es gibt bestimmt sehr viele Seiten, auf denen Krebskranke über ihre Erlebnisse berichten. Dieses Tagebuch soll aber anders sein: Ich möchte meine Empfindungen und Gefühle niederschreiben, persönlich für mich, aber auch hemmungslos offen für jeden, der es lesen möchte. Und so beginnt es.

Meine Ängste und Gefühle – und die vierte Amputation

Jeder weiß, dass so eine Erkrankung und die OP nicht ohne ist. Doch wie beeinflussen mich  diese Nebenwirkungen? Vielleicht wird es dadurch für Außenstehende leichter zu verstehen, was in mir mit der Krankheit Knochenkrebs vorgeht, womit ich tägliche kämpfe, welchen enormen Belastungen ich ausgesetzt bin – auch mit Blick auf die bevorstehende vierte Amputation.

Ich werde versuchen, völlig unzensiert zu schreiben. Es ist alles eine Momentaufnahme meiner ganz persönlichen Empfindungen, Ängste, meiner Gefühlslage.

Was ich an Tag 1 schreibe, heißt nicht, dass es auch für die anderen Tage gilt. Dieses Tagebuch werde ich nicht täglich führen, je nachdem, ob es was zu berichten gibt, oder ob mich der Krankenhausaufenthalt zu sehr fordert.

Der Countdown für die Operation läuft…

Mittwoch, 16. 01. 2019/ 13.00 Uhr

Nächste Woche um diese Zeit habe ich bereits mein Zimmer im Universitätsklinikum Münster bezogen, ich schreibe bewusst bezogen.

Ich sehe den Aufenthalt als Urlaub, aber kann man in dieser Situation eigentlich das Wort dafür verwenden? Man verbindet doch damit etwas Positives, Schönes. Ich für meinen Teil sage ja: Es ist ein Urlaub, in dem ich versuche, nach der bevorstehenden Operation wieder zu Kräften zu kommen, um dann wieder voll in den Alltag zurückzukehren.

Momentan lenke ich mich von den Nebenwirkungen der Chemo und meinen doch eher negativen Gedanken mit arbeiten und Sport etwas ab.

Es gibt Tage, da kann auch ich meine Gefühle nicht verdrängen. Sollte ich das tun?  Solch ein Tag war z.B. gestern. Jedes Gespräch, das meine Krankheit betraf, wurde für mich zu einer Achterbahnfahrt. Es reichte die kleinste Kleinigkeit aus, so dass bei mir die Tränen anfingen zu laufen. Je näher der Termin rückt, umso mehr denkt man nach. Was erwartet mich? Wie viel werde ich an Stumpf behalten? Behalte ich überhaupt etwas?

In solch einer Situation denke ich: Was machst du hier? Deine Kollegen bzw. dein Umfeld müssen doch weiß Gott was von dir denken. Dann meldet sich aber meine innere Stimme und sagt – egal, scheiß drauf, was die anderen in dem Moment denken.

Warum soll ich meine Gefühle nicht zeigen? Gefühle zeigen ist ein Ausdruck von innerer Stärke, Ausdruck der Persönlichkeit. Die nächsten Tage werden davon geprägt sein, die Nebenwirkungen der Chemo so einigermaßen zu verkraften und noch ein paar wichtige Dinge zu organisieren, bevor es in den „Urlaub“ in der Klinik geht.

Gestern Abend war es soweit, die dritte Kapsel im Rahmen der Chemotherapie gegen den Knochenkrebs zu nehmen. Heute Morgen hätte ich große Lust gehabt, einfach liegen zu bleiben, dann aber ist wieder die Stimme in mir die sagt: Komm, raffe dich auf, lenke dich ab.

Die Nebenwirkungen sind seltsamerweise bei jedem Mal anders ausgeprägt. Heute ist das stille Örtchen mein bester Freund, ebenso könnte ich mich hier am Schreibtisch mit einer Heizdecke ausstatten.

Ich hoffe, ich kann den ein oder anderen mit auf meine Reise nehmen. Weitere Tagebucheinträge folgen dann ab nächster Woche aus der Uniklinik Münster.

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