Menü

Mein Leben mit Prothese

"Aufgeben ist für mich keine Option"

Geschrieben von Sigrun Passelat am 6. November 2019 13:31:29 MEZ

Motivationstraining: Warum es sich lohnt, aufzustehen, wenn man am Boden liegt

Motivation

Am 10. Oktober 2019 durfte ich als Gast am Sonderpädagogischen Förderzentrum St. Zeno in Bad Reichenhall einen Vortrag halten und der Frage nachgehen, was einen Menschen dazu antreibt, immer wieder die eigenen Grenzen zu überschreiten.

Die Schüler hatten durch ihren Lehrer Matthias Sandau über mich erfahren, welcher ja meinen Start beim Schwebebahnlauf mit der Kamera begleitet hat. So beeindruckt von der Leistung und der emotionalen Dokumentation, wollten sie mich unbedingt kennenlernen.

Erste Autogrammwünsche

Also machte ich mich am 09. Oktober 2019 auf den Weg nach Bad Reichenhall. Schon am Abend vor dem eigentlichen Vortrag hatte ich das Vergnügen, ein paar der Schüler kennen zu lernen.

Als ich aus dem Aufzug  der Schule stieg, erkannten mich die jüngeren Schüler sofort und empfingen mich mit den Worten: “Du bist doch die, die diesen Lauf mitgemacht hat. Bekommen wir ein Autogramm?” Die Möglichkeit, ein persönliches Autogramm mit Widmung von mir zu erhalten, bekamen die Schüler dann einen Tag später im Anschluss des Vortrages.

Die Freude der Kinder mich zu sehen, half mir dabei, die aufkommende Nervosität in Grenzen zu halten.

Wie funktioniert eine Prothese?

Am nächsten Tag wurde ich dann um 10 Uhr abgeholt und in die Schule gefahren. Leider war es mir an diesem Morgen – trotz größter Anstrengung – nicht möglich, meine Prothese anzuziehen, da ich meinen Stumpf bei der Anreise mit der Bahn und im Flugzeug überlastet hatte, und dieser angeschwollen war. Um den Schülern aber trotzdem zu erklären wie so eine Prothese funktioniert, habe ich sie mitgenommen und an die Wand gelehnt.

Für den Vortrag hatten wir im Vorfeld eine Power Point Präsentation vorbereitet, in der noch einmal Fotos vom Schwebebahnlauf und vom Fishermans Strongman Run gezeigt wurden. 

Es ist leichter, den Schülern das Handeln und die eigene Motivation an Fotos  zu veranschaulichen, wenn sie die Emotionen in den Bildern erkennen.

So trainiere ich meine Motivation

Doch was treibt mich dazu an, immer wieder neue Herausforderungen anzunehmen, die das Leben an mich als Prothesenträgerin stellt?

Jeder von uns hat eine Fähigkeit, die von großer Wichtigkeit für die Gesellschaft sein kann. Ich muss sie nutzen, um neue Dinge, neue Herausforderungen zu schaffen, statt an Aufgaben zu scheitern, die sinnlos sind oder nicht zu mir passen.

Wenn du kurz davor bist, das Handtuch zu werfen... denke einfach daran, dass du mit deinem Handeln eventuell andere motivieren könntest, niemals aufzugeben. Wie oft geben wir auf, während unser Ziel oder wenigstens der nächste große Schritt nur wenige Zentimeter entfernt ist?

Auch ich habe Tage, erklärte ich den Schülern, an denen ich mich frage: Wozu mache ich das ganze überhaupt? Man hat nicht jeden Tag die gleiche Kraft zu sagen, ich ziehe das Ganze jetzt durch. Und doch lohnt es sich, immer wieder Dinge neu auszuprobieren, sich neuen Aufgaben und Herausforderungen zu stellen.

Die Schüler bekamen von mir während des Vortrages die Möglichkeit, Fragen zu stellen bzw. ich habe sie immer wieder persönlich mit eingebunden. Das schafft eine Ebene, einen Zugang zu den Kindern, wobei man ihnen zeigt, dass man nicht anders ist.

Ganz wichtig war mir den Schülern einen Ratschlag mit auf den Weg zu geben:

„Es kommt im Leben nicht darauf an, wie hart du zuschlagen kannst, 

sondern wie viel du einstecken kannst und trotzdem wieder aufstehst.

Das Leben bedeutet, nicht immer zu gewinnen, sondern durchzuhalten, an sich zu glauben und niemals aufzugeben!“

Eben genau dieser Aspekt wird an der Schule ganz großgeschrieben: Konflikte selbstständig zu lösen und positives Verhalten zu verstärken. 

Als Erinnerung an meinen Besuch erhielten die Schüler von mir ein Motivationsarmband, eigens von mir angefertigt, und die Aufgabe, sich Gedanken über den Vortrag zu machen und diese dann festzuhalten. Die Schüler konnten hoffentlich dies als Motivation mit in ihr Praktikum nehmen, welches am Montag danach begann.

prothesen02

Das Armband soll sie an vier wichtige Dinge im Leben erinnern.

  • STARK zu sein
  • ERFOLG zu haben
  • KRAFT zu haben
  • MUT zu haben

Nachdem Vortrag bekam ich noch die Gelegenheit, mit der Schuldirektion ein paar Worte zu wechseln, mit dem Resultat wieder zukommen und dann vor den Lehrern einen Vortrag zu halten.

Was hilft Ihnen/Dir nicht aufzugeben, auch wenn man kurz davor steht? Über einen Kommentar würde ich
mich sehr freuen!

Kommentare