Menü

Mein Leben mit Prothese

"Aufgeben ist für mich keine Option"

Geschrieben von Sigrun Passelat am 29. Juni 2019 14:00:00 MESZ

Start beim Schwebebahnlauf 2019 – auch mit Handicap

schwebebahnlauf

Der Plan steht, das Training auch: Gut 5 Monate nach meiner jüngsten Amputation werde ich beim Schwebebahnlauf in Wuppertal starten. Ich habe mich nach dem Krebs zurück ins Leben gekämpft.

Wie ist es mir in den Monaten nach der Operation ergangen? Nach meiner OP Ende Januar habe ich recht schnell – genau nach fünf Wochen – wieder angefangen zu arbeiten. Ich fühlte mich so fit, dass ich bereit war, den Wiedereinstieg zu wagen.

Zu meinem Vorteil war der erste Arbeitstag ein Freitag, somit für mich nur ein halber Tag. Die Woche darauf ging es dann aber wie gewohnt weiter, wenn auch ohne Prothese.

Diese hatte ich natürlich zu dem Zeitpunkt noch nicht, denn der neue Stumpf braucht eine ganze Weile um abzuheilen. Erst nach dem Kontrolltermin Mitte März in der Uniklinik Münster konnte mein Orthopädie-Techniker im Sanitätshaus mit dem Gipsabdruck beginnen, um den ersten Interims-Schaft zu fertigen. 

Inzwischen sind einige Monate ins Land gegangen und damit auch der Umstand, dass in der Zeit einige Schäfte gebaut und Anpassungen vorgenommen wurden.Der Stumpf verändert sich gerade in der ersten Zeit nach einer Amputation sehr stark.

Beuthel_WerkstattBlick in die hauseigene Prothesenwerkstatt des Sanitätshauses Beuthel in Wuppertal

Gesundheitlich geht es bei mir jedoch langsam bergauf. Die letzte Chemo fand im Mai statt, damit haben auch die Nebenwirkungen der Chemotherapie nachgelassen.

Mittlerweile hatte ich auch eine Blutuntersuchung nach Krebszellen. Das Ergebnis ist super ausgefallen: alles in Ordnung

Körperlich bin ich allerdings noch lange nicht fit, besonders im Alltag macht sich das bemerkbar. Mein Sportpensum habe ich auf das Nötigste reduziert, da mich der tägliche Weg zur Arbeit bzw. nach Hause doch noch sehr anstrengt.

Doch trotz dieser Umstände habe ich langsam angefangen, an den Wochenenden wieder zu reisen und das Leben zu genießen. Warum auch nicht?

Zusammenarbeit mit Össur und der Schwebebahnlauf

Habe ich irgendwelche Pläne?

Oh ja, die habe ich.

Das Jahr 2019 bleibt weiter spannend. Aktuell wirke ich bei einer Kampagne des Prothesenspezialisten Össur mit, die da lautet „Life without Limitations“ – man soll das Leben uneingeschränkt genießen können. Wie es  damit weitergeht? Lasst euch überraschen! Bei passender Gelegenheit berichte davon.

Außerdem findet am 7. Juli 2019 der jährliche Schwebebahnlauf in Wuppertal statt – und was soll ich sagen: Ich werde mit einigen Kollegen daran teilnehmen. Die Strecke von 5 km werde ich natürlich in einem moderaten Tempo zurücklegen, also gehend. Das Wichtigste ist jedoch, Spaß zu haben, denn ich muss nach so einer kurzen Zeit keine Bestleistung erzielen. Aber ich möchte mir selbst beweisen, dass ich es schaffen kann.

Ich bin sehr gespannt wie es mir danach geht und werde selbstverständlich berichten. Vielleicht findet ja der ein oder andere den Weg an die Strecke und feuert mich und meine Kollegen tatkräftig an. Unterstützung kann man immer gut gebrauchen.

Tag der Offenen Tür bei Beuthel in Wuppertal

Nur drei Tage danach findet bei uns im Sanitätshaus am Erich-Hoepner-Ring Wuppertal ein Tag der offenen Tür statt, wo jeder die Möglichkeit bekommt, mal hinter die Kulissen der Orthopädietechnik zu blicken.

An diesem Tag werde ich jedem Interessierten Rede und Antwort stehen. Ich möchte allen zeigen, dass vielmehr in uns Menschen steckt als man selber glaubt. Freude, Glücklichsein, Zufriedenheit und Erfolg hängen nicht von Äußerlichkeiten wie einer körperlichen Behinderung oder einem unversehrten Körper ab. 

Hoffentlich bin ich der Beweis dafür, dass man einem Menschen nicht nehmen kann, in jeder Situation die positive Einstellung zu sich selbst zu wahren und damit seine Lebensqualität aufrechtzuerhalten. 

Ich bin durch meine vielen Amputationen zu einer regelrechten Lebenskünstlerin geworden, deren Botschaft ist: Wir haben immer die Wahl zwischen Aufgeben oder Weitermachen. Und man sollte sich definitiv fürs Weitermachen entscheiden! Egal wie schwer es auch zu Anfang scheint, es ist der richtige Weg.

Ich freue mich wieder über Kommentare oder Fragen.

Kommentare