Menü

Mein Leben mit Prothese

"Aufgeben ist für mich keine Option"

Geschrieben von Sigrun Passelat am 1. Februar 2019 13:00:00 MEZ

Vorbereitung und Operation: Der Kampf gegen den Krebs

Tag Krankenhaus

Die Aufnahme in der Klinik steht an – und stellt mich vor unerwartete Schwierigkeiten. Und schließlich kommt der Tag der OP. Ich kämpfe gegen Schmerzen und Nebenwirkungen der Medikamente…

Der Marathon im Krankenhaus – und die OP-Planung fehlt

Mittwoch, 23.01.2019

Wie ich ja bereits erwähnt hatte, war heute der Tag der Aufnahme im Universitätsklinikum Münster. Der gestrige Tag im Büro beim Sanitätshaus Beuthel war für mich einerseits sehr schön, da ich weiß das die Kollegen hinter mir stehen, andererseits aber auch sehr emotional.

Aber ich fahre ja nur in den „Urlaub“, also warum mache ich mir so einen Kopf?  Nach der Arbeit hieß es also, ab nach Hause und Koffer packen. Schnell noch eine letzte Maschine Wäsche angeschmissen  und dann versucht etwas zur Ruhe zu kommen. Aber ging das auch? Nicht so wirklich...

Ich habe in der Nacht schlecht geschlafen, hatte Hitzewallungen, mir war flau, ich war abgeschlagen, antriebslos, fertig… war total unzufrieden. Mir kreisen so viele Gedanken im Kopf herum.

Aber nichtsdestotrotz hieß es für mich, um 6.00 Uhr aufstehen – führt ja kein Weg dran vorbei. Die ganze Zeit bis zur Abholung bin ich durch meine Wohnung gelaufen wie ein aufgescheuchtes Huhn. Bloß nichts vergessen, habe ich wirklich auch an alles gedacht?

7.45 kam dann mein Transport vom DRK. Los ging es. Aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse war die Autobahn dementsprechend voll. Aber ich hatte zwei nette Begleiter mit an Bord.

Die Aufnahme war für 9.40 Uhr geplant und dann ging der Marathon durch die Klinik los: Blutabnahme, Anästhesie-Gespräch, Gespräch mit dem Doktor. Mittlerweile waren aber schon drei Stunden vergangen.

Was dann allerdings kam, damit hat selbst der Arzt nicht gerechnet: Ich tauchte zwar im System zur Aufnahme auf, aber leider fehlte ich in der OP-Planung für den folgenden Tag. Ich hätte in diesem Moment vor Wut heulen können. Die Augen meines Gegenübers hätte man sehen müssen. Es blieb ihm nichts anderes übrig als sich mit meinem Operateur in Verbindung zu setzen und versuchen zu klären, wo der der Fehler liegt.

Tatsächlich hatte man vergessen, mich einzuplanen. Mein Operateur hat dann schnell die Belegung der OP-Säle für Freitag gecheckt. Wenn alles gut geht, bin ich dann dran. Ich hoffe und bete.

Irgendwann gegen 14.00 Uhr hatte ich es dann auch geschafft und konnte mein Zimmer beziehen. Na ja, Luxus ist anders.  Eine der diensthabenden Schwestern war so lieb und meinte: Ich hole ihnen mal einen Kaffee, den können Sie bestimmt gut gebrauchen. Wie recht sie doch hatte. Während ich so überlegte, es mir einigermaßen gemütlich zu machen, kreisten meine Gedanken immer um die bevorstehende OP.

Als ich mich dann entschlossen hatte, etwas den Schlaf der vorherigen Nacht nachholen, kam mein behandelnder Arzt und Operateur und hat mit mir nochmal alles für Freitag besprochen. Was ich super positiv empfand, war, dass er sich mehrmals für seine Kollegen entschuldigt hat. Hut ab. Er versucht, mir so viel wie möglich von meinem Stumpf zu erhalten, eben weil ich so aktiv bin.

Für heute heißt es: ablenken, Abendbrot essen und  später versuchen, zu schlafen. Mal sehen, ob noch was Spannendes passiert.

Etwas Bewegung vor dem Eingriff

Donnerstag, 24.01.2019

Wie sollte es auch anders sein: Die Nacht war die Hölle. Meine Nebenwirkungen der Chemo haben mich nicht schlafen lassen. Wie oft ich wach war, kann ich nicht sagen, irgendwann habe ich aufgehört, zu zählen.

Dementsprechend müde bin ich auch dann gegen 8.00 Uhr langsam aufgestanden, um mich etwas alltagstauglich zu machen. Ja, ich mache das auch im Krankenhaus, also „Urlaub“. Die Zeiten für das Frühstück sind echt human. Es war so gegen 8.15 Uhr.

Viel Spannendes gab es über den heutigen Tag nicht zu berichten. Der Vormittag zog sich so dahin, ich verbrachte ihn mit etwas schlafen, Musik hören und lesen. Gegen 12.00 Uhr kam dann auch schon das Mittagessen, wenn man es so überhaupt nennen konnte...

Mein Tag war heute davon geprägt, über die bevorstehende OP nachzudenken. Am späten Mittag hatte ich dann Besuch. Eine Stunde mal raus aus dem Zimmer. Kaffee trinken in der Cafeteria. Um wenigstens für mich das Gefühl zu bekommen, ich habe mich etwas bewegt, habe ich beschlossen, den Rolli stehen zu lassen und bin schön den weiten Weg auf meinen Stützen gegangen.

Für die Nacht habe ich mir was zum Schlafen geben lassen, damit ich wenigstens etwas zur Ruhe kommen konnte.

Der Tag der Operation meines Beinstumpfes

Freitag, 24.01.2019

Auf dem OP-Plan stand ich fest eingeplant für 13.45 Uhr. Doch es geschehen auch noch Wunder: Um 10.00 Uhr kam der Pfleger mit der Bitte, dass ich mich fertig machen möchte. Ab da stieg die Nervosität ins Unermessliche.

Ich nehme mal an, dass ich nicht groß erklären muss, wie so eine Operationsvorbereitung abläuft: Zugänge legen, EKG und Flüssigkeit anschließen etc. Von dem Vorhaben, mir eine Schmerzpumpe zu legen, hat der Oberarzt abgesehen. Die Gefahr, dass ich danach noch mehr unter Phantomschmerzen leide, ist zu Risikoreich.

Schade, das trug natürlich nicht gerade dazu bei ,mich zu entspannen. Vor der Narkose noch ein nettes Pläuschchen gehalten und ehe ich mich versah, war ich im Land der Träume verschwunden.

Da habe ich mich noch auf die schönen Träume gefreut, und was passierte als ich wach wurde, war der reinste Albtraum. Um nicht zu sagen: Es war die Hölle, diese Schmerzen wünscht man sich nicht mal seinem ärgsten Feind. Es war einfach schrecklich. Aber das Wichtigste für mich war, ich habe noch etwas Stumpf behalten.

Die OP hat insgesamt fast drei Stunden gedauert. Man hat mir den Tumor samt  Knochen gut abgrenzen können, die überschüssigen Weichteile hat man dann selbstverständlich angepasst. Die Muskulatur hat man jetzt so gelegt, dass die Fehlstellung vom Stumpf damit weitestgehend korrigiert worden ist.

Der restliche Tag wurde damit verbracht, mir einigermaßen die Schmerzen zu nehmen. Zum späten Nachmittag gegen 17. 00 Uhr war ich wieder auf dem Zimmer. Von Urlaubsstimmung keine Spur.

Ich wurde auf hochdosiertes Morphium gesetzt. Alle 1,5 - 2 Stunden gab es eine Dröhnung.  Meine Bettnachbarin tat mir unendlich leid. Sie kam durch mich nicht zur Ruhe. Aber eigentlich haben wir ja keinen Luxusurlaub gebucht...

Die Nebenwirkungen zeigen sich

Samstag 25. 01. bis  Dienstag 29.01.2019

Viel gibt es von den letzten Tagen nicht zu berichten. Die Stunden sind davon geprägt, gegen die Schmerzen und gegen die Übelkeit anzukämpfen. Mittlerweile bekomme ich morgens und abends Morphium retard 8 mg und alle 2,5-3 Stunden eine Morphium akut 2,5 mg. Bei jeder Akuttablette erhalte ich direkt was gegen die Übelkeit – Nebenwirkung notorische anhaltende Müdigkeit. Ich glaube, bis der Appetit wiederkommt, wird es auch noch etwas dauern. Meine Psyche hat sich auch etwas stabilisiert. Ich versuche zumindest, nicht alles zu nah an mich heranzulassen.

Kommentare