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Gesundheitswissen kompakt

Blickpunkt Pflege –Tipps und Unterstützung für Sie

Geschrieben von Lars Neumann am 27. Oktober 2017

HWS-Syndrom: Schleudertrauma & Co. erkennen und therapieren

HWS-Syndrom

Kopfschmerzen, ein verspannter Nacken, Schmerzen in den Schultern – das sind einige der Symptome, die auf ein Halswirbelsäulensyndrom (HWS-Syndrom) hinweisen können. Kam es vor nicht allzu langer Zeit zu einem Verkehrs- oder Sportunfall, könnte ein sogenanntes Schleudertrauma für die Beschwerden verantwortlich sein. Wir erklären Ihnen, wie Sie ein HWS-Syndrom erkennen, es therapieren und wann das Tragen einer Cervicalstütze bzw. Halskrause sinnvoll ist.

Was ist ein HWS-Syndrom?

Das Halswirbelsäulensyndrom, kurz HWS-Syndrom, ist der Sammelbegriff für Beschwerden rund um den Nacken-, Schulter- und Armbereich. Er umfasst alle Schmerzen und Probleme, die im Bereich der Halswirbelsäule auftreten oder von dort ausgehen. Dabei wird zwischen einem akuten und einem chronischen HWS-Syndrom unterschieden.

Bei einem akuten HWS-Syndrom handelt es sich meistens um Verletzungen der Halswirbelsäule, die durch eine plötzliche Überbeanspruchung entstehen, wie zum Beispiel bei Verkehrsunfällen (HWS Distorsion, auch Schleudertrauma genannt) und ungewohnten Belastungen bei starker körperlicher Betätigung. Ein akutes HWS-Syndrom kann aber auch durch Zugluft entstehen.

Dauern die Beschwerden länger als drei Monate an, spricht man von einem chronischen HWS-Syndrom. Sehr oft sind dafür degenerative, alters- und verschleißabhängige Veränderungen der tragenden Strukturen im Bereich der Halswirbel verantwortlich.

Typische Symptome des HWS-Syndroms

Bei einem Halswirbelsäulensyndrom können ganz unterschiedliche Symptome auftreten. Trotzdem gibt es einige typische Beschwerden, die mit dem HWS-Syndrom in Verbindung gebracht werden:

  • Schmerzhafte, eingeschränkte Beweglichkeit von Kopf und Nacken („steifer Nacken“)
  • Kopfschmerzen (teils speziell am Hinterkopf)
  • Nackenschmerzen (die in Schultern & Arme ausstrahlen)
  • Schwindelgefühl
  • Übelkeit
  • Schulter- & Armbeschwerden

Oft kommt es außerdem zu einer verspannten Schulter- und Nackenmuskulatur. In manchen Fällen kann es zudem zu einem Kribbeln in den Händen oder einem Taubheitsgefühl kommen, da im Bereich der Halswirbelsäule viele Nerven abgehen. Auch Ohrensausen, Tinnitus oder Augenflimmern gehören zu den möglichen Symptomen.

Je nach Ausstrahlung der Beschwerden wird im Weiteren zwischen dem oberen, mittleren und unteren HWS-Syndrom unterschieden: Kopfschmerzen deuten zum Beispiel auf Probleme im oberen Bereich der Halswirbelsäule (HWS) hin, Schmerzen zwischen den Schulterblättern und über die Schulter hinaus (teils mit Armschmerzen & Taubheitsgefühl) weisen auf den mittleren Bereich hin und bei Störungen im Arm, bei denen der Schmerz teilweise bis in die Hand ausstrahlt, liegt meistens ein unteres HWS-Syndrom vor.

Wie kann es zu einem HWS-Syndrom kommen?

Das Halswirbelsäulensyndrom ist der zusammenfassende Begriff einer Vielzahl unterschiedlicher Ursachen für Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule. Ein HWS-Syndrom entsteht unter anderem aufgrund von:

  • Verletzungen (Frakturen, Schleudertrauma bzw. HWS Distorsion)
  • Bandscheibenveränderungen
  • Funktionsstörungen von Haltebändern (Ligamentäre Störungen)
  • Störungen der Wirbelgelenke
  • Osteophytäre Reaktionen (zusätzlicher Knochenwuchs an der HWS)
  • Angeborene Entwicklungsstörungen (Skoliosen, Morbus Scheuermann, Keil- oder Blockwirbelbildung)
  • Entzündliche Erkrankungen (Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, infektiöse Erkrankung der HWS)
  • Stoffwechselerkrankungen (Osteoporose, Rachitis)
  • Tumoren (Plasmozytome, Metastasen)

Das bekannteste HWS-Syndrom: Das Schleudertrauma

Eigentlich beschreibt der Begriff „Schleudertrauma“ kein Krankheitsbild, sondern vielmehr den Unfallhergang, der zu eben dieser Beschleunigungsverletzung führt: die Halswirbelsäule wird durch eine ruckartige Bewegung des Kopfes kurzfristig überstreckt und im Anschluss sehr stark gebeugt. Dies ist vor allem bei Auffahrunfällen der Fall, aber auch Sportverletzungen (insbesondere beim Kampfsport) oder ein Sturz können dazu führen. In der Medizin wird die Verletzung auch HWS Distorsion oder Beschleunigungstrauma der Halswirbelsäule genannt.

Es gibt einige, häufig auftretende Symptome, die sich innerhalb von 72 Stunden nach der Beschleunigungsverletzung bemerkbar machen und auf eine HWS Distorsion hinweisen können.Typische Schleudertrauma Symptome sind unter anderem:

  • Kopfschmerzen
  • Nackenschmerzen
  • Muskelverspannungen im Nackenbereich
  • Schwindel
  • Hör- und Sehstörungen
  • Gangunsicherheit
  • Übelkeit

In den meisten Fällen klingen die Beschwerden innerhalb weniger Tage bis Wochen ab. Unterstützt werden kann der Heilungsprozess zusätzlich mit verschiedenen Therapieformen. Dabei ist es wichtig, dass Kopf und Hals beweglich bleiben. Nur in schweren Fällen ist Bettruhe oder eine Halskrause erforderlich.

Das HWS-Syndrom richtig therapieren

Wichtig ist, dass bei dem Verdacht auf ein HWS-Syndrom zuerst eine Nervenwurzel- oder Halsmarkschädigung ausgeschlossen wird. Das heißt, der Patient muss klinisch und neurologisch gründlich untersucht werden. Außerdem sollte eine elektromyographische Diagnostik und eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) erfolgen, um mögliche Veränderungen der Halswirbelsäule auszuschließen. Besteht kein Grund zu einer Operation, kann das HWS-Syndrom mit verschiedenen, konservativen Methoden behandelt werden. Zum Beispiel mit:

  • Manueller Therapie (Chirotherapie und Physiotherapie)
  • Wärmebehandlung (Rotlicht-Lampe oder Wärmekissen)
  • schmerzlindernden oder muskelentspannenden Medikamenten

Die Therapien können sich ergänzen und richten sich nach der jeweiligen Ursache des HWS-Syndroms. Außerdem kann das Tragen einer Halskrause bzw. Cervicalstütze kurzfristig zur Ruhigstellung und Entlastung der Halswirbelsäule sinnvoll sein. Bei einer Beschleunigungsverletzung (Schleudertrauma) wird eine Cervicalstütze nur in schweren Fällen empfohlen.

Normalerweise klingen die Beschwerden bei einem akuten HWS-Syndrom nach entsprechender Behandlung  innerhalb weniger Tagen wieder ab. Liegt ein chronisches HWS-Syndrom aufgrund von degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule vor, ist die vollständige Heilung oft nicht mehr zu erreichen bzw. der Patient muss mit dem Wiederkehren der Beschwerden rechnen. In diesen Fällen kann eine stabilisierende Operation mit gegebenenfalls einer Versteifung oder dem Einsatz einer Bandscheibenprothese als weitere Option in Erwägung gezogen werden.

Wann und wie hilft eine Cervicalstütze (Halskrause)

Die Cervicalstütze, auch Halskrause oder Halskrawatte genannt, ist eine medizinische Orthese, die zur Entlastung der Halswirbelsäule angelegt wird. In der Regel handelt es sich um eine Kunststoff- oder Schaumstoffmanschette, die um den Hals des Patienten befestigt wird, damit seine HWS immobilisiert, stabilisiert und gestützt werden kann.

Cervicalstützen werden sowohl in der Orthopädie als auch in der Notfallmedizin eingesetzt und bei folgenden Erkrankungen oder Verletzungen verwendet:

  • Schmerzlinderung und Entlastung bei HWS-Syndrom
  • Unspezifischen Arm- oder Rückenschmerzen, die von der Halswirbelsäule ausgehen
  • Schleudertrauma bzw. HWS Distorsion
  • Stabilisierung und Schmerzlinderung bei Reizung oder Schädigung der Nervenwurzeln
  • Rheumatischen Erkrankungen der Halswirbelsäule
  • Ruhigstellung bei Brüchen der oberen Halswirbel
  • Stabilisierung nach Operationen

In der Notfallmedizin wird im Regelfall eine Cervicalstütze in Form einer Kunststoffmanschette verwendet, um die Halswirbel zu immobilisieren und zu stabilisieren. So können Patienten mit Verletzungen der Halswirbelsäule weitestgehend gefahrlos transportiert und weiteren möglichen Schäden vorgebeugt werden.

Weiche, elastische Halskrausen werden hauptsächlich zur Stabilisierung, Schmerzlinderung und Entlastung getragen. Durch ihre wärmende Wirkung unterstützen sie außerdem die Relaxation der Halswirbelsäule. Man erhält Sie im Sanitätshaus, wo es die anatomische Cervicalstütze in verschiedenen Größen für Kinder und Erwachsene gibt. In der Regel kann sie von den Patienten selbst angelegt werden.

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Fazit zum HWS-Syndrom

Das HWS-Syndrom ist der Überbegriff für eine Reihe verschiedener Beschwerden an der Halswirbelsäule, zu denen auch das Schleudertrauma zählt. Zu den häufigsten Symptomen gehören Kopf- und Schulterschmerzen, Nackenverspannungen und der sogenannte „steife Nacken“.

Die Ursachen für ein akutes oder chronisches HWS-Syndrom sind vielfältig. Neben Verletzungen, wie Frakturen oder einer HWS Distorsion, können auch Bandscheibenveränderungen oder entzündliche Erkrankungen zu einem Halswirbelsyndrom führen.

Ein akutes HWS-Syndrom lässt sich sehr gut und effektiv durch verschiedene, konservative Therapien behandeln. Dazu gehören zum Beispiel die Manuelle Therapie, die Wärmebehandlung und das Einnehmen von schmerzlindernden oder muskelentspannenden Medikamenten. Auch das Tragen einer im Sanitätshaus erhältlichen Cervicalstütze kann in einigen Fällen zur Entlastung und Relaxation der Halswirbelsäule sinnvoll sein.

Haben Sie noch Tipps oder Fragen zum HWS-Syndrom oder zur Cervicalstütze? Hinterlassen Sie gern einen Kommentar!

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