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Gesundheitswissen kompakt

Blickpunkt Pflege –Tipps und Unterstützung für Sie

Geschrieben von Sylvia Neumann am 6. Oktober 2016

Infantile Cerebralparese: Effektive Therapie & Schmerzlinderung

Infantile Cerebralparese

Sie kann tückisch sein oder beinahe unauffällig. Das Spektrum der Infantilen Cerebralparese (ICP) ist weit, denn eigentlich gibt es kein einheitliches Bild der Erkrankung. Viele Symptome werden darunter gefasst – und damit ist auch die Linderung der Beschwerden ganz individuell zu betrachten. Welche Hilfsmittel bei ICP sinnvoll sind, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Was ist eine Infantile Cerebralparese?

Wie gesagt: Eine genaue Definition besteht hier nicht. Kurz gefasst handelt es sich um Bewegungs- und Haltungsstörungen, zudem ist das Nerven- und Muskelsystem des Menschen gestört. Wie der Name vermuten lässt, tritt die Erkrankung im Kindesalter auf – genauer, sehr oft bereits vor der Geburt. Kommt es während der Schwangerschaft (pränatal), beim Geburtsvorgang (perinatal) oder auch kurz danach (postnatal) zu

  • Sauerstoffmangel
  • Problemen mit der Nabelschnur
  • Unfällen
  • Infektionen
  • Hirnblutungen
  • Vergiftungen
  • Blutgruppenunverträglichkeit

besteht die Gefahr der ICP. Ein häufigeres Vorkommen wird bei Frühgeborenen ausgemacht. Je früher ein Sauerstoffmangel in der Schwangerschaft auftritt, desto ausgeprägter können die Folgen der – nach dem Orthopäden William John Little – auch als “Little Disease” bezeichneten Schädigung sein. Allerdings geschieht dies oft unbemerkt, so dass man bei einem Neugeborenen zunächst nichts feststellt.

Symptome der ICP

Am häufigsten kommen Auffälligkeiten im Bereich der Motorik vor, weil die Muskelan- und -entspannung (Tonus) gestört ist. Je nachdem, in welcher Schwangerschaftswoche die ICP auftritt, ist die Erkrankung mehr oder weniger stark ausgeprägt. Zudem treten die Anzeichen unterschiedlich nach betroffener Hirnregion auf.

Weitere Symptome der ICP sind:

  • im Bereich der Bewegung bzw. beim Gehen:
    • abnorme Reflexe
    • unwillkürliche Bewegungsabläufe (Dyskinesien, Athetose)
    • Koordinationsstörungen
  • Sehstörungen
  • Wahrnehmungsstörungen
  • verlangsamte Sprachentwicklung
  • eingeschränkte motorische Fähigkeiten
  • Epilepsie

Körperliche Auffälligkeiten der betroffenen Kinder sind vor allem an den Gelenken sichtbar, wie ein Spitzfuß, der bei einer Verkürzung der Achillessehne entsteht. Auch Hüftfehlstellungen, sogenannte Hüftluxationen, oder eine Skoliose, eine verkrümmte Wirbelsäule, sind typische Symptome einer ICP.

Spastiken bei der ICP

Krampfanfälle und unwillkürliche Bewegungen treten als häufigste Folgeerscheinungen der Infantilen Cerebralparese auf. Diese Spastiken oder auch spastischen Lähmungen machen es die Kindern oft nur schwer möglich, ohne Unterstützung zu Gehen oder komplexe Bewegungen auszuführen. Tauchen diese Lähmungen vermehrt auf, kann es zur Versteifung der einzelnen Gelenke kommen.

Es werden folgende Syndrome im Bereich der Spastiken unterschieden:

  • Hemiparese: einseitige Lähmungen und Dyskinesien
  • Diparese: beidseitige Lähmungen, untere Extremitäten am stärksten beeinträchtigt
  • Tetraparese: beidseitige Lähmungen, Arme können stärker betroffen sein, Sprech- und Schluckstörungen, zudem oft geistige Behinderungen

Therapie bei Infantiler Cerebralparese

Die eigentliche Schädigung des Gehirns kann nicht therapiert werden, jedoch werden mit einer multidisziplinären Behandlung recht gute Erfolge erzielt. Einbezogen werden neben einer möglichen Medikamentengabe dafür auch Ergotherapie, Logopädie, Krankengymnastik und Physiotherapie. Und man sollte so früh wie möglich damit beginnen!

Im Bereich der Physiotherapie konzentriert man sich darauf, durch permanentes Training die Leistungsfähigkeit auszuschöpfen und zu erhalten. Denn bleibt man nicht an den Übungen zum Muskelaufbau dran, gehen Fähigkeiten recht schnell verloren. Infantile Cerebralparese ist nicht vollständig heilbar – auch bei Erwachsenen gibt es ICP –, jedoch können je nach Ausprägung große Fortschritte durch eine kombinierte Behandlung erzielt werden. Hilfreich und wesentlich ist es dann, wenn Kinder mit ICP durch gezielte Hilfsmittel aus dem Sanitätshaus unterstützt werden können.

Was die Orthopädietechnik für ICP-Kinder bewirkt

Der spezialisierte Techniker wird auf Babys und Kleinkinder immer ein besonderes Auge haben, denn diese können oft noch nicht äußern, wo sie Schmerzen oder Probleme haben. Erfahrung und Fingerspitzengefühl sind unersetzlich, wenn es um Kinderorthopädie geht. Die Hilfsmittel sind nicht nur zur Erleichterung des Alltags oder eventuell auch der Pflege notwendig, sondern fördern ganz gezielt die Entwicklung des Kindes. So ist das Stehen lernen unter anderem wichtig, um die Knochendichte zu verbessern, die Herz-Lungen-Funktion zu erhöhen und Gelenkfehlstellungen (Kontrakturen) zu verhindern.

Welche Hilfsmittel werden bei Infantiler Cerebralparese genutzt?

Selbstverständlich hängt es von der Schwere der Erkrankung und den Therapiezielen ab, welche Hilfsmittel zur Behandlung eingesetzt werden. Da Kinder und Jugendliche mit ICP vorrangig Probleme mit der Motorik haben, liegt der Schwerpunkt des Trainings auf den unteren Extremitäten. In der Orthopädietechnik werden vor allem diese Hilfen gefertigt:

Orthopädische Einlagen: helfen beim sicheren Gehen und Stehen, können Beinlängenunterschiede ausgleichen

Orthopädische Maß-Schuhe: insbesondere beim Spitzfuß sinnvoll, helfen ebenfalls beim sicheren Gehen und Stehen bzw. ermöglichen dieses erst

Orthesen: eine große Bandbreite ist hier möglich, je nach Erscheinungsbild der ICP – von der Unterschenkel-Fuß-Orthese, über die Oberschenkel-Orthese, die Nachtlagerungsorthese, die Hand-Arm-Orthese bis zum komplexen Skoliose-Korsett, zudem ist ein Kopfschutz für Krampfanfälle möglich

Kinder-Bewegungstherapie- bzw- Stehgeräte: bei schweren Formen der ICP, wenn ein selbstständiges Gehen und Stehen unmöglich ist

Rollstühle: hier sollte man immer auf eine adäquate Versorgung bestehen, um den Kindern ganz viel Raum zur optimalen Entwicklung zu lassen, dazu gehören auch spezielle Sitzschalen für den Rollstuhl und Reha-Kindersitze für das Auto

Lagerungshilfen: vor allem für sehr kleine Kinder, damit diese beim Schlafen und Liegen entspannter sind, die Körperwahrnehmung trainieren, besser schlucken können und man gleichzeitig einem Dekubitus (Wundliegen) vorbeugt, zum Beispiel mit dem Schlummerstern-Lagerungssystem

Der Orthopädietechniker aus dem Sanitätshaus hilft also in zweifacher Hinsicht: Seine individuell auf die kleinen Patienten zugeschnittenen Orthesen usw. unterstützen zum einen die Therapie und zum anderen wirken sie prophylaktisch, um zum Beispiel Gelenkversteifungen zu vermeiden. Er arbeitet dabei eng mit der Physiotherapie zusammen.

Wichtig: Das Hilfsmittel passt sich immer dem Kind an – und nicht umgekehrt! Eine ausführliche Beratung und ein ausgiebiges Ausprobieren der Orthese, des Rollstuhls oder der orthopädischen Schuhe ist unbedingte Voraussetzung, um die Therapie bei ICP zu einem Erfolg werden zu lassen.

Fazit zur Infantilen Cerebralparese

Bewegungsstörungen, Spastiken und Schwierigkeiten mit der Motorik sind die häufigsten Symptome der ICP. Die Erkrankung wird oft schon während der Schwangerschaft ausgelöst und hat vielfältige Ursachen. Dank orthopädischer Hilfsmittel, die immer individuell auf das Kind angepasst sein müssen, werden die Patienten beim Stehen, Gehen oder Sitzen unterstützt. Versorgungen wie spezielle Bein- und Arm-Orthesen helfen, Bewegungen kontrolliert auszuführen, damit Stürze zu vermeiden und am Alltag teilhaben zu können.

Haben Sie Fragen zur Kinderorthopädie? Wollen Sie sich informieren, welche Hilfsmittel zur Verfügung stehen, damit es Ihrem Kind besser geht? Kontaktieren Sie uns einfach!

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