Menü

Gesundheitswissen kompakt

Blickpunkt Pflege –Tipps und Unterstützung für Sie

Geschrieben von Simone Kather am 8. September 2016

Schwimmen mit Inkontinenz – kein Problem mit diesen Tipps

Schwimmen mit Inkontinenz

Harninkontinenz ist weiter verbreitet als man denkt. Und jeden kann es treffen: Frauen, Männer, Kinder. Deshalb taucht die Frage, ob man mit der Blasenschwäche überhaupt noch schwimmen gehen kann, recht häufig auf. Die kurze Antwort: Ja! Was müssen Sie noch darüber wissen? Das erfahren Sie in diesem Beitrag.

Zunächst ist es wichtig zu verstehen: Im Prinzip kennt jeder Mensch das Problem des Harndrangs. Sie müssen sich also nicht schämen, wenn es mal wieder eilig wird, um zur Toilette zu gelangen oder Sie es im schlimmsten Fall nicht mehr aushalten, und vielleicht am Badesee im Gebüsch verschwinden. Die Inkontinenz sollte Sie nicht in die Isolation treiben! Es gibt durchaus Mittel, um sich auch mit Blasen- oder Darmschwäche beim Schwimmen und Baden sicher zu fühlen.

Neuer Call-to-Action (CTA)

 

 

 

 

 

 

Die Vorbereitung zum Schwimmen mit Inkontinenz

Trainieren Sie täglich Ihre Beckenbodenmuskulatur, das gehört zur besten Vorarbeit, die Sie leisten können! Sie finden sehr viel Anschauungsmaterial im Internet, unter anderem hilfreiche Videos wie dieses:

Die Muskulatur des Beckenbodens kann auch mit speziellen Gewichten trainiert werden, die sogar im Hilfsmittelverzeichnis gelistet sind und damit vom Arzt verschrieben werden können.

Zudem sollten Sie Ihren Körper beobachten: Wie lange halte ich ein, ohne zur Toilette zu müssen? Wie viel Harn oder Stuhl verliere ich in welcher Zeit? Danach richtet sich die Vorsorge, die Sie zum Schwimmen benötigen. Vielleicht reicht eine einfache Badehose für Inkontinenzpatienten oder aber Sie brauchen zusätzliche Vorlagen oder gar eine Maßanfertigung für Bademode aus dem Sanitätshaus.

Packen Sie in Ihre Schwimmtasche auf jeden Fall trockene Wechselwäsche ein. Der Unterkörper sollte sich nach dem Baden nicht verkühlen, um nicht noch eine zusätzliche Blasenentzündung zu riskieren. Deshalb auch nach dem Baden zügig raus aus den nassen Kleidern!

Bevor Sie ins Wasser steigen, sollte immer die Toilette aufgesucht werden, auch wenn gerade kein dringender Bedarf besteht. Erkundigen Sie sich auch vorab nach allen zur Verfügung stehenden Toiletten, damit Sie nicht lange suchen müssen, wenn’s schnell gehen muss.

Denn was vielen Menschen nicht bekannt ist: Der Wasserdruck sorgt im Körper beim Schwimmen zu einer Umverteilung des Blutvolumens. Das Blut zieht sich in Richtung Oberkörper (besonders aus den unteren Extremitäten) zurück. Folge: verstärkter Harndrang durch den „Gauer-Henry-Reflex“. Also eine kleine zusätzliche Hürde, wenn man sowieso mit ständigem Wasserlassen zu kämpfen hat.

Konkrete Hilfe: Was unterstützt Sie im Schwimmbad bei Harndrang?

Einwegbinden

  • einfachste und günstigste Versorgung
  • leicht in der Handhabung
  • wird einfach in die Badebekleidung eingelegt
  • Nachteil: könnte optisch auffallen

Badehosen und Badeanzüge mit speziellem Innenslip

  • gibt es für Männer und für Frauen
  • saugt abgehenden Urin sofort auf, aber nicht immer komplett wasserdicht
  • gut waschbar und sehr lange verwendbar
  • je nach Ausführung recht unauffällig oder doch mit “Windelhosen-Effekt”

Neoprenbadehosen und Neoprenbadeanzüge

  • halten zusätzlich warm
  • darunter kommt eine Windel und eine PVC-Hose zur Abdichtung
  • Hosen sollten auf Maß angefertigt werden, um größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten (deshalb lieber nicht gebraucht kaufen!)

Therapiebadehosen

  • eigens zur Inkontinenz-Therapie (vor allem in medizinischen Bewegungsbädern)
  • sind verordnungsfähig und werden auf Maß gefertigt
  • auch bei Darmschwäche möglich

Urinalkondome

  • nur für Männer
  • leiten den Urin vor allem bei Belastungsinkontinenz recht sicher ab
  • gibt es in unterschiedlichen Größen
  • auch im Sanitätshaus Beuthel erhältlich

Bei Stuhlinkontinenz empfehlen sich Analtampons, die für 6 bis 8 Stunden ein sicheres Gefühl bieten. Für einen Schwimmbadbesuch ist da also reichlich Zeit! Sie können zum Einsatz kommen bei Krankheitsbildern wie Querschnittslähmung, Multiple Sklerose oder nach Schlaganfall.

Ein Tipp: Welche Bekleidung Sie auch wählen, es ist ratsam, sie vorher in der Badewanne ausprobieren. Dann gibt es beim ersten Besuch im Freibad keine Überraschungen.

Gibt es Unterschiede bezüglich der Arten von Inkontinenz?

Es ist in der Tat nicht unbedeutend, von welcher Art der Inkontinenz der Patient betroffen ist. In unserem Beitrag “Inkontinenz: Was hilft bei Blasenschwäche und Darmschwäche?” finden Sie bereits eine Übersicht über die Arten, die sich unter anderem aufteilen in

  • Belastungsinkontinenz: bei Anstrengungen wie Sport, Husten, Niesen
  • Dranginkontinenz: bei überaktiver Blasenmuskulatur
  • Überlaufinkontinenz: bei fehlendem Entleerungsreflex und zu starkem Harnröhrenwiderstand
  • Mischformen: besonders von Belastungs- und Dranginkontinenz

Am häufigsten sind Belastungs- und Dranginkontinez verbreitet.

Belastungsinkontinenz

Schwimmen ist ideal, um Gewicht zu reduzieren, was bereits bei der Linderung der Symptome helfen kann. Nützlich ist besonders das Brustschwimmen, weil dabei der Beckenboden ganz automatisch trainiert wird. Und genau diese Muskulatur sollte gestärkt werden, um die Blasenschwäche einzudämmen. Wichtig ist jedoch die richtige Haltung beim Brustschwimmen – den Kopf nicht überstrecken, um die Halswirbelsäule nicht zu belasten, und das Becken nicht nach vorn schieben. Wer kein Profi im Brustschwimmen ist: Wassergymnastik oder Aquajogging helfen ebenfalls, den Beckenboden stärker zu machen.

Dranginkontinenz

Hier geht es darum, das Fassungsvermögen der Blase zu trainieren. Denn bei dieser Art der Erkrankung ist organisch alles in Ordnung, jedoch sind die Symptome der Blasenschwäche natürlich da. Ein starker Beckenboden unterstützt auch in diesem Fall, löst allerdings nicht das Problem. Hier ist es notwendig, sich genau bewusst zu werden, wie lange Sie ohne Toilettengang aushalten (das kann mit Unterstützung eines Miktionstagebuchs erfolgen; Miktion bedeutet Blasenentleerung). Kennen Sie Ihren Körper gut, dann wissen Sie in etwa, wie lange Ihre Blase durchhält und Sie können sogar ohne spezielle Hilfsmittel ins Schwimmbecken steigen.

Vorteile des Schwimmens bei Blasenschwäche

1. Ein starker Beckenboden

Bewegung im Wasser ist bei Harninkontinenz ausgesprochen hilfreich – aber es muss die richtige Bewegung sein! Denn die Beckenbodenmuskulatur wird durch Schwimmen gestärkt, die Gelenke jedoch geschont (Auftrieb). Aber es ist wichtig, die Übungen exakt auszuführen, sonst entsteht ein gegenteiliger Effekt. Denken Sie daran, beim Schwimmen, den Bauchnabel Richtung Wirbelsäule zu ziehen und die Muskeln im Beckenboden anzuspannen. Atmen nicht vergessen! Der Kopf sollte nicht zu weit aus dem Wasser ragen und die Bewegungen nicht zu langsam ausgeführt werden. Sind Sie sich nicht sicher, ob Sie die Schwimmbewegungen korrekt machen, bieten Bäder auch Schwimmkurse für Erwachsene an.

2. Mehr Muskeln in der Körpermitte

Alle Schwimmarten kräftigen den Bereich von Bauch-Rücken-Hüfte-Po (Core-Bereich). Das wirkt sich positiv auf die gesamte Körperhaltung aus. Vor allem Rücken und unterer Bauch werden trainiert – und damit auch die Muskulatur des Beckenbodens, dem Sitz der Ausscheidungsorgane.

3. Massage des Gewebes

Der Wasserdruck hilft gegen Wasserlassen: Bindegewebe, Haut und die obersten Muskeln werden durch den Andruck des Wassers massiert und gestärkt.

4. Alternativen zum Schwimmen

Wie oben erwähnt, müssen es keine Schwimmbewegungen sein, um sich auch mit Inkontinenz fit im Wasser zu halten. Aquajogging oder -gymnastik sind mindestens genauso hilfreich. Ideal ist eine fachgerechte Anleitung, so dass sich Fehlhaltungen erst gar nicht einschleichen können. Und Übungen für den Beckenboden, die über Wasser funktionieren, klappen mit leichten Änderungen auch unter Wasser.

Fazit

Schwimmen und Baden ist kein Problem bei Inkontinenz – es ist sogar sehr anzuraten. Denn es stärkt besonders Ihre Beckenmuskulatur, was die Blasen- oder Darmschwäche mindern kann. Selbstverständlich sollte man Vorsorge treffen, um sich im Schwimmbad sicher zu fühlen. Spezielle Badehosen für Menschen mit Inkontinenz sind zum Teil nicht von normaler Badebekleidung zu unterscheiden und vermitteln ein Gefühl der Normalität.

Bei sämtlichen Fragen rund um die Inkontinenz steht Ihnen das Sanitätshaus Beuthel als Ansprechpartner zur Verfügung. Wir haben die passenden Versorgungen, egal, von welcher Form der Ausscheidungsschwäche Sie betroffen sind. Einfach anrufen!

New Call-to-action

Kommentare