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Gesundheitswissen kompakt

Blickpunkt Pflege –Tipps und Unterstützung für Sie

Geschrieben von Simone Kather am 15. April 2016

Das hilft bei Arthrose: Vom Kohlwickel bis zum 3D-Drucker

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Es sind etwa 5 Millionen, die in Deutschland unter diesen heftigen Schmerzen in den Gelenken leiden. Arthrose ist ohne Zweifel eine Volkskrankheit unter älteren Menschen – aber nicht nur.

Auch jüngere Patienten haben mit Beschwerden am Rücken, den Händen, Fingern, Knien und Füßen zu kämpfen. Was also tun? Wir erklären Ihnen in diesem Beitrag, was Sie Ihnen bei Arthrose helfen kann – sei es zu Beginn ein Mittel aus der Hausapotheke oder im späteren Stadium eine ausgefeilte technische Unterstützung wie ein Knie-Implantat aus dem 3D-Drucker.

Arthrose oder Arthritis?

Die Begriffe können verwirrend sein, deshalb zur Erklärung: Immer handelt es sich dabei um Erkrankungen der Gelenke. Während bei der Arthrose der Verschleiß die Schmerzen auslöst, ist es bei der Arthritis die Entzündung, hervorgerufen durch Bakterien oder andere Erreger.

Zudem wird bei der Arthrose zwischen ruhender und aktivierter Ausprägung unterschieden.

Merkmale der Arthritis:

  • stechende Schmerzen
  • Gelenk fühlt sich sehr warm an
  • Rötung
  • Schwellung
  • ein Gelenkerguss ist möglich

Merkmale der (ruhenden) Arthrose:

  • spannende Schmerzen, Anlaufschmerzen
  • Gelenk hat normale Körpertemperatur
  • Gelenk kann sich verformen
  • Gelenk fühlt sich steif an
  • Reibegeräusch

Bei einer aktivierten Arthrose treffen die Merkmale der Arthritis zu, weil auch hier eine Entzündung vorliegt.

Am weitesten verbreitet sind Gonarthrose (Kniegelenk), Coxarthrose (Hüftgelenk), Heberdenarthrose (Fingerendgelenke) und Spondylarthrose (Wirbelsäule).

Die häufigsten Arthrose-Faktoren

Die Ursachen sind vielfältig, in der Hauptsache stammt der Verschleiß jedoch von der Über- oder Fehlbelastung des Gelenkes.

Faktoren, die den Verschleiß beschleunigen, können sein:

  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • außergewöhnliche Belastung (z.B. bei bestimmten Sportarten oder bei professionellen Musikern)
  • fortschreitendes Alter
  • genetische Veranlagung
  • akute Verletzungen der Gelenke
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus und Gicht
  • Medikamente

Die Ursache des Schmerzes

Geschädigt ist bei diesem Krankheitsbild der Gelenkknorpel durch chronische Abnutzung. Der Knorpel an sich hat keine Schmerzrezeptoren, jedoch Knochenhaut, Gelenkkapsel und deren Innenhaut – und diese sorgen zunächst für Anlaufschmerzen am Morgen, die dann im Laufe der Erkrankung immer mehr zunehmen. Das Gelenk tut unter Belastung weh und schließlich selbst in Ruhephasen.

5 Tipps für die Therapie im Anfangsstadium bei Arthrose

Wichtig: Arthrose ist nicht heilbar! Was wollen Sie also, wenn bei Ihnen eine Arthrose vorliegt? Schmerzen reduzieren und sich so wenig wie möglich in der gewohnten Lebensweise einschränken lassen. Diese Tipps unterstützen Sie dabei:

1. Unbedingt bewegen, aber auf die sanfte Tour

Der Schmerz lässt sich durch geeignete Maßnahmen erheblich verbessern. Dazu gehört auf jeden Fall die regelmäßige Bewegung. Oft vermeiden Arthrose-Patienten gerade intensive Betätigung, aus Angst, noch mehr Beschwerden zu haben.

Aber es gilt hier: Wer rastet, der rostet! Deshalb sollten Sie sanfte Bewegung bevorzugen, wie zum Beispiel leichtes Radfahren oder Schwimmen, weil das Körpergewicht die betroffenen Gelenke dabei nicht allzu sehr belastet.

Der Knorpel selbst ist nämlich nicht durchblutet, deshalb muss er seine Nährstoffe aus der ihn umgebenden Gelenkflüssigkeit beziehen. Bewegung verteilt diese besser, was der Versorgung des Gelenks zugute kommt. Toller Nebeneffekt: Sport hilft auch, Übergewicht zu reduzieren oder gar nicht erst aufkommen zu lassen – eine der Hauptursachen für Arthrose.

2. Weniger Gewicht, weniger Belastung

Wie erwähnt: Je mehr Kilos man seinem Körper zumutet, umso schwerer müssen auch die Gelenke arbeiten. Ratsam ist es, sich gesund und ausgewogen zu ernähren, damit man die Gelenke entlastet. Aber selbstverständlich darf man auch mal ausruhen und den Bewegungsapparat schonen.

3. Spezielle Ernährung bei Arthrose?

Viele Betroffene können mit einer Ernährungsumstellung der Verlauf der Krankheit günstig beeinflussen. Kein Rauchen (es schadet der Durchblutung), kaum Alkohol, vitaminreiche Kost – das wäre ein Anfang. Jedoch ist auch klar, dass zerstörter Knorpel nicht wieder aufgebaut werden kann! Deshalb stellt die Ernährung nur EINE Komponente zur Linderung der Schmerzen dar.

Hilfreich sind außerdem:
  • wenig Fleisch und Eier
  • Fastentage (bitte mit dem Arzt zuvor abklären!)
  • viel Obst und Gemüse
  • ausreichend Flüssigkeit
  • gesonderte Vitaminzugaben (zum Beispiel Vitamine C und D), hochdosiertes Vitamin E aus rein pflanzlichen Ölen

4. Bewährte Hausmittel bei Arthrose-Schmerzen

Ergänzend können mitunter altbewährte Hausmittel zum Einsatz kommen:

  • Heilerde-Wickel (Heilerde ist in der Apotheke erhältlich)
  • Umschläge mit Arnikablüten (auch als Creme mit Arnikablüten-Tinktur erhältlich)
  • Senfkompresse aus Senfmehl
  • Retterspitzumschläge (Kräutertinktur aus Rosmarin, Arnika und Zitronensäure)
  • Kühle Quarkwickel (bei aktivierter Arthrose):
    • Magerquark in einem Sieb abtropfen lassen
    • Masse auf ein Baumwolltuch geben und einschlagen
    • Quarkwickel um das betroffene Gelenk legen, 20 Minuten einwirken lassen
    • spätestens dann entfernen, wenn der Wickel warm geworden ist
  • Kohlwickel (bei aktivierter Arthrose)
    • Kohlblätter (Weißkohl oder Wirsing) 30 Minuten in kochendem Wasser blanchieren bis sie weich sind
    • die Blätter abkühlen lassen
    • Blätter walzen, bis der Saft austritt
    • Blätter um das betroffene Gelenk wickeln und mit Verband fixieren
    • mindestens zwei Stunden lang einwirken lassen oder über Nacht
    • Kohlwickel ein bis zwei Wochen lang abends auflegen

5. Blutegel bei Arthrose

Eine alternative Methode, die vielleicht Überwindung kostet: medizinische Blutegel! Die Tiere saugen sich bis zu 60 Minuten am Gelenk fest und fallen dann ab. Der Speichel der Tiere enthält Hiriduin, das antientzündliche und gerinnungshemmende Effekte hat. Auf diese Weise sollen Schmerzen bei Arthrose gelindert werden.

Konservative Therapien bei Arthrose

Krankengymnastik, physikalische Therapie (z. B. Massagen, Wärme- oder Kältebehandlung mit Heizkissen oder Infrarotlicht) sowie Elektro- und Ergotherapie gehören zu den wichtigen Bestandteilen der konservativen Behandlung. Sie verschaffen vielen Arthrose-Patienten Linderung, indem sie die Muskulatur stärken, die Beweglichkeit verbessern und dadurch die Gelenke unterstützen.

Auch mit den klassischen, entzündungshemmenden Medikamenten kann man die Pein in den Griff bekommen. Zwar ist Kortison nicht immer empfehlenswert, aber in manchen Fällen muss auch dieser harte Wirkstoff zum Einsatz kommen. Das kann der Fall sein, wenn der Patient aufgrund von anderen Erkrankungen aktuell nicht operiert werden kann

So unterstützt Sie die Technik bei Arthrose

Weil man die Krankheit nicht stoppen, sondern nur verlangsamen kann, wird man über kurz oder lang auch auf technischen Möglichkeiten zugreifen. Im ersten Schritt geht es um die Versorgung mit Orthesen und orthopädischen Hilfsmitteln, ehe im zweiten dann die Operation mit dem Einsatz eines neues Gelenks ansteht.

Orthesen und orthopädische Hilfsmittel

Sanitätshäuser sind die Experten für Orthesen und Unterstützungen aus der Orthopädietechnik, deshalb lassen Sie sich dort rundum beraten.

Diese Hilfsmittel können Sie bei Arthrose unterstützen:

  • Unterarm-Gehstützen
  • Gehstöcke, Vier-Punkt-Stock
  • Rollator
  • Orthesen (orthopädische Apparate)
  • entlastende Orthesen
  • gelenkführende und gelenkstabilisierende Orthesen
  • immobilisierende Orthesen
  • Maßeinlagen für die Schuhe und Schuhzurichtungen
    • Schuhinnenranderhöhungen
    • Pufferabsatz, Weichgummisohle
    • orthopädische Maßschuhe
    • Verkürzungsausgleich als Fersenkeil oder unter dem Schuh
  • Spezielle Hilfsmittel
  • Toilettensitzerhöhung, Duschstuhl, Badewannenlift
  • verlängerte oder helfende Hand
  • Strumpfanzieher
  • Hilfsmittel zur Sturzprävention

Prothesen in 3D

Wenn konservative und gelenkerhaltende Behandlungen sowie schmerzlindernde Medikamente nicht mehr wirken, sorgt ein künstliches Gelenk für neue Lebensqualität. Am häufigsten werden in Deutschland Knie-Implantate bei Gonarthrose gesetzt. Auch wenn der Großteil der Patienten mit der regulären Behandlung hervorragend zurecht kommt, liegt die Zukunft jedoch in der Maßanfertigung.

Und hier findet die innovative Technik des 3D-Drucks großartige Einsatzmöglichkeiten. An der Universitätsmedizin in Mainz oder an der Klinik für Orthopädie in Dortmund wird beispielsweise damit gearbeitet. Denn je genauer das neue Gelenk auf den Patienten individuell zugeschnitten ist, umso weniger Probleme gibt es bei der Eingewöhnung. Und das bedeutet auch: endlich weniger Schmerzen!

Fazit

Arthrose verursacht heftige Gelenkschmerzen und betrifft Millionen Menschen. Sie ist leider nicht heilbar, lässt sich aber recht gut verzögern. Unterstützen können Sie dabei viel sanfte Bewegung, vitaminreiche Ernährung und auch bewährte Hausmittel wie Quarkwickel. Im Verlauf der Arthrose kommen dann vielfach Orthesen und orthopädische Hilfsmittel wie Rollatoren zum Einsatz, die Ihnen Ihr Sanitätshaus gern individuell anpasst. Wichtig ist, auf die ersten Anzeichen zu achten, um so lange wie möglich beweglich und aktiv bleiben zu können.

Haben Sie Fragen zu möglichen Orthesen für Ihre Arthrose? Brauchen Sie Pflegehinweise? Kontaktieren Sie uns sehr gern dazu!
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