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Gesundheitswissen kompakt

Blickpunkt Pflege –Tipps und Unterstützung für Sie

Geschrieben von Simone Kather am 2. September 2016

Inkontinenz: Was hilft bei Blasenschwäche und Darmschwäche?

Inkontinenz

“Es ist erstaunlich - zweimal niesen, und alles ist gut. Dreimal – und das Spiel ist aus.“ Mit diesem Satz gibt Schauspielerin Kate Winslet offen zu, an von Inkontinenz betroffen zu sein. Das ist mutig, weil über Inkontinenz noch viel zu wenig gesprochen wird. Deutschlandweit haben zum Beispiel zwischen 6 und 8 Millionen Menschen die Schwäche, Ausscheidungen bewusst zurückhalten zu können. Höchste Zeit, Hilfen bei Inkontinenz vorzustellen.

Was unterstützt bei Harn- bzw. Stuhlinkontinenz?

Zunächst sollten Sie sich bewusst machen, dass Sie nicht allein sind. Da die Folgen einer Inkontinenz für viele Menschen immens bedrückend sind, können Sie sich Unterstützung in einer Selbsthilfegruppe suchen.

Sie müssen selbst entscheiden, wie offen Sie mit dem Thema umgehen – manchen Menschen hilft das offensive Angehen, andere möchten Inkontinenz lieber dezent behandelt wissen. Die Ausscheidungsschwäche ist im Übrigen keine Erkrankung, vielmehr ist sie Symptom oder Folge eines Krankheitsbildes.

Liegt das Problem der unwillkürlichen Entleerung am Schließmuskel, der Bestandteil des Beckenbodens ist, können Sie diesen natürlich trainieren. Egal ob Beckenbodengymnastik für Frauen oder Männer – die Übungen können meist ganz einfach in den Alltag integriert werden. Aber Sie müssen dran bleiben und regelmäßig trainieren. Ein Muskel verliert schnell wieder an Kraft, wenn er nicht gefordert wird. Das Ergebnis zeigt sich erst nach einigen Wochen, deshalb nicht entmutigen lassen!

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Harn- und Stuhlinkontinenz: Ursachen und kurze Erklärung

Harninkontinenz (Blasenschwäche)

Von Kindheit werden wir darauf geeicht, bloß immer rechtzeitig zur Toilette zu gehen. Eltern sind sehr oft daran interessiert, die Kinder möglichst frühzeitig trocken zu bekommen. Dabei wird auch manchmal mit dem Gefühl der Scham gearbeitet – wem etwas in die Hose geht, der wird stigmatisiert. Diese Prägung begleitet uns ein Leben lang, so dass Inkontinenz oft meist nur ein Thema hinter vorgehaltener Hand ist.

Unterteilt wird in

  • Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz): bei Anstrengungen wie Sport, Husten, Niesen
  • Dranginkontinenz: bei überaktiver Blasenmuskulatur (Differenzierung zwischen motorischer Dranginkontinenz und sensorischer Dranginkontinenz)
  • Überlaufinkontinenz: bei fehlendem Entleerungsreflex und zu starkem Harnröhrenwiderstand
  • Reflexinkontinenz: bei Erkrankungen des Nervensystems
  • Extraurethrale Inkontinenz: organische Fehlbildungen, durch die Urin abgeht
  • Mischformen: besonders von Belastungs- und Dranginkontinenz

Ursachen der Blasenschwäche

Harninkontinenz hat nichts mit fehlender Disziplin oder Beherrschung zu tun und natürlich tragen die betroffenen Menschen keine Schuld an der Ausscheidungsschwäche. Denn Auslöser für Harninkontinenz sind unter anderem:

  • Schlaganfall
  • Multiple Sklerose
  • Morbus Parkinson
  • Demenz / Alzheimer-Erkrankung
  • Spina bifida
  • Altersbedingte Erschlaffung oder Verletzung des Schließmuskels
  • Querschnittslähmung
  • Einwirkung von Medikamenten
  • Schwangerschaft

Wie funktioniert die Blase?

Die Blase sammelt den Urin, der über die Nieren in das Organ gelangt. Dabei ist der Schließmuskel der Blase aktiv, also angespannt, und verhindert ein ungewolltes “Auslaufen”. Ist die Blase gefüllt, gibt sie ein Signal zum Gehirn: Es setzt der Harndrang ein. Auf der Toilette entspannt der Schließmuskel, so dass der Urin abfließen kann. Die Blasenmuskulatur hilft dabei, indem sie sich zusammenzieht und den Harn mit herausdrückt. Liegt eine Blasenschwäche vor, ist irgendwo in diesem Ablauf etwas gestört.

Stuhlinkontinenz (Darmschwäche)

Vergleichbar mit der Harninkontinenz besteht das Problem, den Darminhalt nicht bewusst halten zu können. Verständlicherweise geht dieses Thema in den meisten Fällen mit großen psychischen Belastungen einher. Unterschieden werden drei Schweregrade.

Ursachen der Darmschwäche

  • Schädigung des Schließmuskels
  • Erkrankungen von Rektum, Analkanal oder der äußeren Haut
  • Störung der Reservoirfunktion, zum Beispiel nach einer Operation
  • Neurologische Krankheitsbilder
  • Psychiatrische Krankheitsbilder
  • Senkung des Beckenbodens
  • Demenz / Alzheimer-Erkrankung
  • Schlaganfall

Wie funktioniert der Darm?

Der Enddarm fungiert als Speicher und sammelt den Stuhl. Am unteren Ende ist der Enddarm mit ringförmigen Schließmuskeln ausgestattet, wobei der äußere Muskel kontrollierbar ist, der innere aber nicht. All diese Organe gehören zum Beckenboden. Ist dieser komplexe Aufbau zur Stuhlausscheidung irgendwo gestört, kann es zu einer Darmschwäche kommen.

Welche Hilfsmittel unterstützen bei Inkontinenz?

Die Experten unterscheiden zwischen aufsaugenden Versorgungen (die sich in körperfern und körpernah unterteilen), ableitenden Versorgungen und auffangenden Hilfsmitteln.

Wenden Sie sich gern an die Fachleute im Sanitätshaus. Dort gibt es praktische Tipps zur Versorgung, zur Anwendung der Hilfsmittel, zur Therapie an sich und bei der Abwicklung der Kostenübernahme mit der Krankenkasse.

Aufsaugende, körperferne Versorgungsmöglichkeiten

  • Saugunterlagen waschbar
  • Saugunterlagen zum Einmalgebrauch

Sie werden oft in der häuslichen oder stationären Pflege eingesetzt, wenn bettlägerige Patienten betreut werden.

Tipp: Alles rund um die Pflege zu Hause finden Sie auch in unserem kostenlosen Ratgeber dazu.

Aufsaugende, körpernahe Versorgungsmöglichkeiten

  • Aktiv-Slips für Frauen und Männer
  • Einweghosen, Fixierhosen und Slips
  • Vorlagen, Tropfenfänger für Männer

Ableitende Versorgungsmöglichkeiten

  • Urin-Bein- und Bettbeutel
  • Urin-Beinbeutel-Halterung für den Oberschenkel
  • Kondomurinale
  • Katheter und -ventile
  • Intermittierende Selbstkatheterisierung (ISK)

Auffangende Hilfsmittel

  • Urinflaschensets für Männer und Frauen
  • Steckbecken mit Deckel (Bettpfanne, Schieber)
  • Nachttopf für Erwachsene

Hilfsmittel bei Stuhlinkontinenz

  • Analtampons
  • Bettschutzunterlagen
  • Windelhosen
  • Irrigationssysteme (Rektalkatheder)

Vorteile und Nachteile einzelner Inkontinenzhilfen

Urinflaschenset

Vorteile

  • stehen direkt einsatzbereit neben dem Bett/Schlafplatz
  • durch die mitgelieferte Bürste einfach zu säubern
  • verschließbar: kein Auslaufen, keine unangenehmen Gerüche
  • Speziell für Männer und Frauen vorhanden
  • hohes Fassungsvermögen ermöglicht mehrere Verwendungen
  • durch das Kunststoffmaterial unkaputtbar bei Sturz

Nachteile

  • eventuelle Stolperfalle
  • muss regelmäßig entleert und gesäubert werden

Steckbecken/Bettpfanne mit Deckel

Vorteile

  • schlagfester Kunststoff oder Metall
  • ermöglicht den Stuhlgang im Bett
  • Fassungsvermögen von 2 Litern
  • durch den Deckel kein Auslaufen und unangenehme Gerüche möglich

Nachteile:

  • muss entleert und gesäubert werden
  • kann zur Stolperfalle werden
  • nimmt relativ viel Platz ein im Schrank

Aktiv-Slips für Frauen und Männer

Vorteile

  • Unterhosen mit Saugeinlage
  • zuverlässig, unauffällig, bequem
  • verschiedene Modelle
  • wiederverwertbar

Nachteile

  • keine bekannt

Pants für Frauen und Männer

Vorteile

  • diskret
  • speziell für Männer und Frauen
  • verschiedene Saugstärken von leichter bis schwerer Inkontinenz
  • Fixierung durch Klebestreifen
  • atmungsaktiv
  • kann sofort entsorgt werden

Nachteile

  • nicht wiederverwendbar
  • benötigt viel Stauraum bei Lagerung von mehreren Packungen (pro Packung 12-20 Stück enthalten)

Urin-Bein- und Bettbeutel

Vorteile

  • Für alle Menschen, die aktiv unterwegs sind oder bettlägrig sind
  • Rücklaufsperre
  • mit und ohne Ablaufventil
  • kann am Bein oder Bett befestigt werden
  • Beutel sind doppelt verschweißt, kein Auslaufen möglich

Nachteile

  • muss entleert und entsorgt werden

Urin-Beinbeutel-Halterung für den Oberschenkel

Vorteile

  • zur Fixierung vom Urin-Bein-Beutel am Oberschenkel
  • elastischer Stoff und Fixierbänder sorgen für bequemen Sitz
  • keine Einschränkungen der Blutzirkulation
  • auch für den Unterschenkel verfügbar

Nachteile

  • je nach Hosenart und Stoff sieht man die Halterung durch

Intermittierende Selbstkatheterisierung (ISK):

Vorteile

  • regelmäßige Entleerung der Blase durch Einmal-Blasenkatheter
  • Katheterwechsel kann man selbst durchführen
  • sicher und sanft zum Körper
  • hygienisch

Nachteile

  • nicht wiederverwendbar

Fazit

Inkontinenz ist ein Tabu-Thema in der Gesellschaft, dabei leben Millionen Menschen damit. Die Blasen- oder Darmschwäche entsteht aufgrund von vielfältigen Erkrankungen, die von Schlaganfall über einen schwachen Beckenboden oder postoperativen Effekten bis zu Alterserscheinungen reichen. Der Ausscheidungsschwäche kann mit gezielter Beckenbodengymnastik entgegengewirkt werden. Im Sanitätshaus finden Sie unterschiedliche Hilfsmittel, die den Alltag mit einer Harn- oder Darminkontinenz leichter machen. Ganz gleich, ob Sie ganz aktiv im Beruf stehen oder Sie einen pflegebedürftigen Angehörigen zu Hause versorgen.

Kennen Sie alle Möglichkeiten für das Leben mit Inkontinenz? Wissen Sie, welche Hilfsmittel dafür von der Krankenkasse übernommen werden? Wir sagen es Ihnen, kontaktieren Sie uns einfach unter Telefon 0202-43046800.

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