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Gesundheitswissen kompakt

Blickpunkt Pflege –Tipps und Unterstützung für Sie

Geschrieben von Sylvia Neumann am 19. August 2016

Pflegeplanung bei Demenz: 10 Tipps und viele Hilfsmittel, die Erleichterung bringen

Pflegeplanung Demenz

Es ist eine Diagnose, die einen zunächst hart trifft: Ein Familienmitglied hat Demenz. Tausend Fragen tun sich auf: Welche Unterstützung wird gebraucht? Kann ich als Angehöriger das alles schaffen? Bekomme ich für die Pflege zu Hause finanzielle Hilfe? Wir geben Ihnen hier wertvolle Tipps für den Umgang mit der Erkrankung und zeigen Ihnen, welche Hilfsmittel aus dem Sanitätshaus bei Demenz nützlich sind.

Kurz erklärt: Was ist Demenz?

Woran man Demenz und seine häufigste Ausprägung, die Alzheimer-Erkrankung, erkennt, erläutern wir Ihnen ausführlich in unserem Beitrag “Drohende Demenz? 10 wichtige Symptome, die Sie kennen sollten”. Demenz ist eine Erscheinung des Alters. Je mehr Lebensjahre hinter dem Patienten liegen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, an einer Form der Demenz zu erkranken, wie zum Beispiel Alzheimer.

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Quelle: http://www.alzheimerinfo.de/alzheimer/zahlen/index.jsp

Geprägt ist das Krankheitsbild vom langsamen Verlust des eigenständigen Lebens: Orientieren, Denken, Erinnern – all das wird immer weniger oder verworrener. Ist zu Beginn das Kurzeitgedächtnis eingeschränkt, kommt es im Verlauf der Erkrankung zu immer weiteren Restriktionen, bis auch das Langzeitgedächtnis in Mitleidenschaft gezogen wird. Der Mensch kann sich in seiner Persönlichkeit verändern und braucht später Betreuung – je nach Schwere der Erkrankung bis zu 24 Stunden am Tag.

Eine Demenz ist in 90% der Fälle nicht heilbar. Man spricht dann von primärer Demenz, bei der die Nervenzellen des Gehirn irreversibel zerstört werden. Sie kündigt sich in der Regel schleichend an und setzt sich auch so fort. Jedoch können akute Schübe der Erkrankung auftreten, zum Beispiel nach einem Sturz.

Die zweite Form, die sekundäre Demenz, ist eine Folge bestehender Erkrankungen, wie zum Beispiel durch Stoffwechselstörungen.

Sinnvoll: Pflegestufe beantragen

Weil das Krankheitsbild sich über einen längeren Zeitraum verfestigt, gibt es meist eine gewisse Zeit, um sich auf die Pflege von Angehörigen vorzubereiten, bei denen die Erkrankung diagnostiziert wurde. Kommen Sie spontan in die Situation, pflegen zu müssen, können Sie Pflegeunterstützungsgeld (eine Lohnersatzleistung) bei der Pflegekasse beantragen: Damit haben Sie zehn Tage Zeit, alles Notwendige für einen Pflegefall in der Familie zu organisieren.

In jedem Fall hilfreich ist, sich über die Möglichkeit, eine Pflegestufe zu beantragen, zu informieren. Die Pflegestufe 0 wurde speziell für Menschen mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz (gemeint ist hier die Demenz) eingeführt. Diese Menschen brauchen Unterstützung bei der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung, es reicht aber noch nicht für die Pflegestufe 1.

Setzen Sie sich deshalb mit der Pflegekasse desjenigen in Verbindung, für den die Einstufung beantragt werden soll. Wie es geht und was Sie an finanzieller Unterstützung (Pflegegeld) für die jeweilige Pflegestufe erwarten können, haben wir hier übersichtlich für Sie dargestellt.

Pflege zu Hause

Tipp: Kurzzeitpflege, Pflegeberater, Hilfsmittel zur Pflege: Manchmal weiß man gar nicht, was alles zu beachten ist, wenn man sich um seine Liebsten kümmern muss. Unser eBook “Alles über Pflege zu Hause” hilft Ihnen da, den Überblick zu behalten. Sie können es gratis herunterladen.

10 gute Tipps: Was Menschen mit Demenz hilft

  1. Stellen Sie die Aktivierende Pflege in den Mittelpunkt: Sie ist darauf aus, den Pflegebedürftigen möglichst lange in seiner Selbstständigkeit zu unterstützen und zu fördern. Grundsatz: Was der Erkrankte noch allein kann, sollte er auch allein machen.
  2. Üben Sie sich in Geduld: Bestimmte Anforderungen müssen mehrfach wiederholt werden, ehe sie vom Patienten umgesetzt werden. Und auch das Ausführen von einfachen Handlungen wie das Ankleiden dauert nun vielleicht länger. Planen Sie diese Zeit ein.
  3. Drücken Sie sich verständlich aus: Klare Anweisungen, zum Beispiel zur Einnahme von Medikamenten, helfen mehr als umständliche Erklärungen, die der Mensch vielleicht nicht mehr nachvollziehen kann.
  4. Bleiben Sie ruhig, wenn es einmal laut wird: Demenz geht in vielen Fällen mit Persönlichkeitsveränderungen einher. Wird der Pflegebedürftige dabei aggressiv, sollten Sie deseskalierend und beruhigend wirken, um die Situation zu entschärfen.
  5. Seien Sie vorausschauend: Wichtig ist beispielsweise, mögliche Gefahrenquellen zu erkennen. So könnte es hilfreich sein, den Herd abzuklemmen und lieber “Essen auf Rädern” zu organisieren, wenn die Vergesslichkeit zunimmt.
  6. Sorgen Sie für einen geregelten Tagesablauf: Der an Demenz Erkrankte kommt oft nur sehr schwer mit neuen Dingen zurecht. Deshalb könnte ein ambulanter Pflegedienst ratsam sein, der zu festen Zeiten täglich vorbeischaut.
  7. Arbeiten Sie mit Lob und Zuwendung: Es ist nicht hilfreich, den Angehörigen dafür zu kritisieren, was er nicht mehr kann, sondern ihm Bestätigung zu geben. Dafür können Sie ihn auch in einfache Aufgaben im Haushalt mit einbeziehen. Übrigens wirken oft auch Berührungen Wunder. Toleranz ist nun wichtig – auch wenn es manchmal schwer fällt.
  8. Versetzen Sie sich in den Menschen: Lachen Sie mit ihm, gehen Sie mit ihm auf Entdeckungsreise in die Vergangenheit. Bei Demenzkranken tritt im fortgeschrittenen Stadium oft die Kindheit in den Vordergrund. Es hilft viel, einfach zuzuhören und Interesse für seine Themen zu zeigen.
  9. Hilfe holen, wenn es nicht mehr anders geht: Fühlen Sie sich mit der Situation sowohl physisch als auch psychisch überfordert, stehen Ihnen Möglichkeiten der Unterstützung offen. Vielleicht finden Sie die richtigen Tipps über eine Selbsthilfegruppe oder Sie wenden sich an einen Pflegestützpunkt.
  10. Sich selbst nicht verlieren: Pflege ist anstrengend, keine Frage. Der Pflegende braucht auch einmal Zeit, um wieder aufzutanken, vielleicht bei einem Pflegeurlaub.

Diese Hilfsmittel unterstützen Sie bei Demenz

Treten erste Symptome für eine Demenz oder die Alzheimer-Erkrankung auf, sollten Sie sich beraten lassen, was Ihnen bei der Pflege bzw. Unterstützung Ihres Angehörigen helfen kann. Im Sanitätshaus finden Sie die richtigen Ansprechpartner dafür. Deren Fachwissen ist übrigens auch sinnvoll, um zu wissen, welche Hilfsmittel von der Krankenkasse übernommen werden können.

Die wichtigste Voraussetzung ist oft, dass eine Pflegebedürftigkeit vorliegen muss, was durch eine Pflegestufe nachgewiesen wird.

Für die konkrete häusliche Pflege haben sich bewährt:

Pflegehilfsmittel zur Erleichterung der Pflege

  • Pflegebett (Niederflurbett), um die Verletzungsgefahr durch Bettflucht zu senken
  • Pflegebettzubehör (Bettverlängerungen, -verkürzungen, Aufrichtehilfen, Seitengitter, Einlegerahmen, Rückenstützen)
  • Spezielle Pflegebett-Tische und Pflegeliegestühle
  • Hebegeräte (Lifter) für das Bett

Pflegehilfsmittel zur Körperpflege und im Bad

  • Produkte zur Hygiene im Bett (Bettpfannen, Urinflaschen, Urinflaschenhalter, wieder verwendbare saugende Bettschutzeinlagen)
  • Waschsysteme (für Kopfwäsche, Ganzkörperwäsche, Duschwagen)
  • Toilettensitzerhöhung
  • Toilettenstuhl (mit oder ohne Rollen)
  • Duschhocker, Badewannensitz, Badebrett usw.

Pflegehilfsmittel zur selbstständigeren Lebensführung und besseren Mobilität

  • Tablettendosen und Tablettenbox für eine Woche, elektronischer Medikamentenspender
  • Schlüsselfinder
  • Ortungssysteme
  • Orientierungslichter für die Nacht in der Wohnung
  • Hausnotrufsysteme (Solitärgeräte oder angeschlossen an eine Zentrale) und Schutzdetektoren, die ein Fallen des Trägers melden
  • spezielle, einfache Fernbedienungen
  • Hilfen zur Mobilität wie Rollstühle, Rollatoren, Gehgestelle, Sensormatten sowie Umsetzhilfen
  • Technische Küchengeräte wie Schneidehilfen, auslaufsichere Trinkbecher usw.

Pflegehilfsmittel zur Linderung von Beschwerden

  • Lagerungshilfen (Lagerungsrollen, Lagerungskissen)
  • körperstimulierende Matratzen und Decken (helfen bei ruhelosen Patienten)
  • Dekubitus-Vorsorge mit speziellen Matratzen

Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel

  • Saugende Bettschutzeinlagen zum Einmalgebrauch
  • Inkontinenzmaterial (Vorlagen, Windelhosen)
  • Schutzbekleidung (Fingerlinge, Einmalhandschuhe, Mundschutz, Schutzschürzen)
  • Desinfektionsmittel

Fazit

Demenz (mit der häufigsten Form Alzheimer-Erkrankung) ist leider nicht heilbar, tritt jedoch in fast allen Fällen schleichend auf. Das gibt Ihnen Zeit, sich intensiv auf die Bedürfnisse des erkrankten Angehörigen einzustellen und dessen Pflege zu organisieren. Empfehlenswert ist die Prüfung einer Pflegestufe, wofür Sie einen Antrag bei der Pflegekasse stellen. Beratung dazu gibt es auch bei den bundesweit eingerichteten Pflegestützpunkten.

Um sich selbst und dem Demenzkranken den Alltag und eine mögliche Pflege zu erleichtern, sind unterschiedlichste Hilfsmittel aus dem Sanitätsfachhandel sinnvoll – je nach Ausprägung des Krankheitsbildes. Dies reicht von der Sicherheit im Haushalt, über Pflegeprodukte für die Körperhygiene bis hin zum Pflegebett mit allem Zubehör.

Sind Sie unsicher, welches Hilfsmittel in Ihrem konkreten Pflegefall helfen kann? Blicken Sie durch die vielen Angebote nicht mehr durch? Wir nehmen uns Zeit für Sie und erklären Ihnen, welche Hilfe Sie von welchen Mittel erwarten können. Vereinbaren Sie gern einen Termin bei Beuthel!

Titelbild © CC0 License

Mobilität und Pflege

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