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Gesundheitswissen kompakt

Blickpunkt Pflege –Tipps und Unterstützung für Sie

Geschrieben von Simone Kather am 13. April 2016

Ein sicheres Gefühl – was Sie wirklich vor Stürzen schützt

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Eine Unsicherheit, ein Wackeln, eine Ablenkung – und dann verliert man das Gleichgewicht. So ein Sturz bedeutet für ältere Menschen weit mehr als den möglichen Schmerz und körperliche Schäden. Er kann eine tiefgreifende Veränderung im Leben darstellen, weil plötzlich ein großes Stück Selbstvertrauen verschwunden oder man ab sofort auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Wie schützt man sich also am besten vor Stürzen?

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, den Halt zu verlieren. Bei den über 80jährigen sind es sogar mehr als die Hälfte, die pro Jahr einen Sturz erleiden. Und etwa zwei Drittel aller Stürze passieren zu Hause oder im häuslichen Umfeld. Das heißt: Die Hilfe kann auch am besten direkt vor Ort an setzen.

Unterstützen können Sie dabei zwei Arten von Hilfsmitteln:

  1. die unmittelbar vom Menschen selbst gebraucht werden
  2. die das Wohnumfeld sicherer machen

Jetzt Vorsorgen, statt später Versorgen

Aber will man es erst darauf ankommen lassen? Sinnvoll ist auf jeden Fall schon vor einem Unfall seine Wohnung oder das Haus von einigen Stolperfallen zu befreien. Dazu gehören:

  • lose liegende Teppiche mit hohen Kanten
  • quer im Raum verlegte Stromkabel
  • unzureichende Beleuchtung
  • glatte Oberflächen (besonders im nassen Zustand) wie z.B. Fliesen
  • hochstehende Türschwellen
Doch das sind nur einige Punkte zur Sturzprävention. Es gibt nämlich noch eine ganze Reihe von Ursachen, die sich nicht einfach aus dem Weg räumen lassen. Dies können sein:

Die häufigsten Ursachen für Stürze

  • Kräftemangel: aufgrund des Alters (altersbedingte Muskelschwäche): ältere Menschen sind oft nicht mehr so fit oder schätzen ihre Kraft falsch ein
  • Erkrankungen/Einschränkungen des Bewegungsapparates: möglich unter anderem durch Schlaganfall, Morbus Parkinson, Diabetes mellitus, Arthrose, Osteoporose, Multiple Sklerose
  • abnehmende Balance des Körpers: der Körperschwerpunkt verlagert sich, die Schritte werden kleiner und schlurfender
  • vermindertes Seh- und Hörvermögen: Hindernisse werden nicht mehr erkannt, die räumliche Orientierung lässt nach
  • Inkontinenz: beim Gang zur Toilette muss es schnell gehen, was die Konzentration beeinträchtigt
  • Angst vor weiteren Stürzen: der Patient ist bereits gestürzt und ist nun besonders vorsichtig und unsicher
  • Medikamente: diese können zum Beispiel die Wahrnehmung verändern oder das Gleichgewicht stören
  • Demenz oder psychische Erkrankungen: gehen auch mit räumlicher Desorientierung einher

Weitreichende Folgen: Schmerz, Angst, Kontrollverlust

Selbstverständlich hat nicht jeder Sturz fatale Konsequenzen. Zum Glück! Doch bei etwa jedem zehntem Fallen muss ein Arzt konsultiert werden, um in 50% davon eine Fraktur festzustellen.

Brüche betreffen oft Unterarm, Oberarm, Oberschenkelhals und das Becken. Gerade Hüftfrakturen heilen bei Senioren schlecht, so dass chronische Schmerzen entstehen, die das Gangbild wiederum negativ beeinflussen – und die Patienten noch gehemmter machen. Ein Teufelskreis, aus dem Sie schnellstens ausbrechen müssen!

Was hilft, um die Sturzgefahr zu minimieren?

Risikoabschätzung: Sturzprophylaxe ist also das A und O! Um festzustellen, wie hoch das Risiko eines Sturzes ist, gibt es spezielle Befragungsbögen wie den Expertenstandard Sturzprophylaxe. Er soll dazu beitragen, die Gefahr des Fallens zu minimieren. Er wurde 2013 aktualisiert – so sind freiheitsentziehende Maßnahmen explizit abzulehnen – und unterteilt sich in die Bewertungsfaktoren “Struktur”, “Prozess”, “Ergebnis”.

Wichtigste Regel: Jeder Sturz wird ausführlich dokumentiert, um Folgeerkrankungen und präventive Maßnahmen erkennen und anwenden zu können. Zum Einsatz kommt der Standard in Pflege- und Altenheimen (Geriatrie), er kann aber auch in der häuslichen Pflege nützlich sein.

Gern informiert Sie Ihr Sanitätshaus, wie Sie in Ihrem Wohnumfeld das Risiko eines Sturzes verringern können.

Checkliste erstellen und umsetzen

Sei es, dass Sie bzw. Ihr Angehöriger einen Sturz vermeiden möchten oder bereits schlechte Erfahrungen mit einem Fall gemacht haben – diese Liste hilft Ihnen, Ihre Wohnung sicherer zu machen:

Mögliche Gefahrenquellen (erkannt und beseitigt) Ja Nein
Automatische Beleuchtung außerhalb des Hauses/Eingangs?    
Lichtschalter gut erreichbar (z.B. auch vom Bett aus)?    
Keine Kabel als Stolperfallen?    
Trittsichere Böden und Teppiche im Haus und davor (auch bei Nässe)?    
Sind die Kanten von Bodenbelägen nicht hochstehend?    
Kommen Sie ohne Behinderung durch alle Laufwege?    
Befinden sich Handläufe an vorhandenen Treppen?    
Gibt es einfach zu bewältigende Türschwellen und lassen sich Türen leicht öffnen/schließen?    
Stehen alle Möbel fest (z.B. keine Rollen)?    
Gibt es ausreichende und nicht im Weg platzierte Sitzmöglichkeiten zum Ausruhen (auch im Bad)?    
Sind Schranktüren leicht erreichbar und einfach zu öffnen?    
Müssen Sie oft gebrauchte Gegenstände wie Geschirr nicht umständlich hoch verstauen?    
Ist das Telefon in Griffweite, falls Sie Hilfe rufen müssen?    
Gibt es ein Haus-Notrufsystem?    
Ist der Boden im Bad besonders rutschfest (z.B. mit Matten)?    
Ist der Waschtisch stabil angebracht, um sich in Notsituationen abstützen zu können?    
Haben Sie Haltegriffe im Bad angebracht (z.B. in der Dusche)?    
Sind Dusche oder Badewanne beim Ein- und Ausstieg noch problemlos zu benutzen?    
Muss die Sitzhöhe der Toilette angepasst werden?    
Wenn Sie auf Gehhilfen oder einen Rollstuhl angewiesen sind: Haben Sie im gesamten Wohnumfeld genug Platz dafür?    

Den Körper stärken und kontrollieren

Erlaubt es Ihre Gesundheit, sollten Sie auch im Alter ein wenig Sport treiben. Leichte Gymnastik (zum Beispiel mit dem Thera-Band), Radfahren in niedrigen Gängen oder wenigstens längere Spaziergänge unterstützen die Muskeln. Ob man allerdings mit 75 Jahren noch ins Krafttraining einsteigen sollte, ist zweifelhaft.

Wenn Sie sich unsicher fühlen, können Sie sich mehr Selbstvertrauen holen, indem Sie unter anderem Hüftprotektoren tragen. Bei Eis und Schnee empfehlen sich Krallen für die Gehstöcke und Schuhspikes zum einfachen Überziehen.

Nicht vergessen: Kontrollieren Sie auch, ob Ihre Brille oder ein eventuelles Hörgerät immer Ihrem Bedürfnis entsprechen oder angepasst werden sollten. Trinken Sie ausreichend Wasser und essen Sie gesund. Auch nicht notwendige Medikamente wie Schlafmittel sollten überdacht werden.

Technische Hilfsmittel zur Sturzprophylaxe

Im Sanitätshaus finden Sie eine breite Auswahl an Hilfsmitteln, die dann greifen, wenn Sie oder Ihr Angehöriger mehr Unterstützung brauchen oder gar auf Pflege angewiesen sind. Stürze betreffen ja nicht nur Menschen, die noch relativ eigenständig gehen können: Ein Fallen vom Stuhl, aus dem Rollstuhl oder Bett ist ebenso möglich und sollte natürlich möglichst verhindert werden.

Hier bieten sich besonders an:

  • Rollatoren: gibt es für den Innen- und Außenbereich, damit man immer sicher steht und eine Ruhegelegenheit dabei hat
  • Niedrigbetten: sind zum bequemen Einstieg hochzufahren und zum Schlafen auf nur etwa 25 cm absenkbar
  • Sturzmatten: werden vor das Bett gelegt und dämpfen den Aufprall
  • Sensormatten: sind gekoppelt an den Pflegeruf-Empfänger, so dass Pflegebedürftige vor Verirrung geschützt werden
  • Umlagerungshilfen für Rollstuhlfahrer: Gleitbrett, Lifter und Co. machen das Umsetzen leichter und verteilen das Gewicht

Fazit zur Sturzprävention

Stürze treten häufig bei älteren Menschen auf und können weitreichende Folgen nach sich ziehen. Die Devise lautet also: Vorsorgen und damit die Sturzgefahr minimieren! Mit Hilfe unserer Checkliste können präventive Stolperfallen im Wohnumfeld erkannt und beseitigt werden.

Da die Ursachen von Stürzen allerdings vielfältig sind, helfen Ihnen auch technische Unterstützungen wie Rollatoren und Umbaumaßnahmen im Bad, um Frakturen oder Schmerzen durch einen Sturz zu umgehen.

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