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Gesundheitswissen kompakt

Blickpunkt Pflege –Tipps und Unterstützung für Sie

Geschrieben von Lars Neumann am 31. März 2017

Das hilft bei Morbus Scheuermann und dem Rundrücken

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Oft ist es ein Zufall, der diese Erkrankung aufdeckt – vielleicht steht ein Röntgenbild an, weil Sie unter Rückenschmerzen leiden. Und plötzlich stellt sich heraus, das ist nicht bloß eine Verspannung, das ist eine Wirbelsäulenverkrümmung. Was die Auswirkungen von Morbus Scheuermann sind und wie man einem schmerzhaften Rundrücken vorbeugen kann, lesen Sie in unserem Beitrag.

Was ist Morbus Scheuermann?

Es handelt sich um eine Rückenerkrankung, die sich bei Jugendlichen im Wachstum entwickelt. In der Mehrzahl sind Jungen zwischen 11 und 18 Jahren betroffen. Erstmals beschrieben wurde sie vor etwa 100 Jahren vom dänischen Radiologen Holger Werfel Scheuermann, der auch Namensgeber ist.

Dabei verkrümmt sich die Wirbelsäule, was zwei Formen annehmen kann:

  1. Im Bereich der Brustwirbelsäule entsteht eine Hyper-Kyphose. Im normalen Zustand hat die Wirbelsäule in Höhe der Brust – seitlich betrachtet – nur eine leichte Krümmung nach hinten. Bei der Scheuermannschen Krankheit ist die Krümmung (Kyphose) krankhaft verstärkt bis hin zur Ausprägung eines Rundrückens bzw. eines Buckels. Diese ist die häufigere Form des Krankheitsbildes.
  1. Im Bereich der Lendenwirbelsäule liegt beim gesunden Rücken – wiederum seitlich betrachtet – eine Krümmung nach vorn vor, die Lordose. Morbus Scheuermann kann dazu führen, dass diese kaum ausgeprägt ist und ein Flachrücken entsteht. Jedoch kommt das seltener vor.

Wie entsteht die Wirbelsäulenkrümmung?

Grund für die Verformung ist die Bildung von Keilwirbeln. Das bedeutet, die Wirbelkörper sind nach vorn abgeflacht. Es können durch die ungleiche Belastung Schäden an den Boden- und Deckplatten der Wirbelkörper entstehen. Weil die Wirbel nun nicht gleichmäßig wachsen, sind sie hinten höher und ein krummer Rücken ist die Folge.

Außerdem zieht M. Scheuermann eine Verkleinerung der Bandscheiben mit sich. Das Gewebe der Bandscheiben dringt in einigen Fällen in die Deck- und Bodenplatten ein und verursacht die sogenannten Schmorl’schen Knötchen, ein Erkennungszeichen für Morbus Scheuermann. Zusätzlich sind die Muskeln im Rückenbereich betroffen, die sich verkürzen.

Was verursacht den Rundrücken?

Welche Ursachen für Morbus Scheuermann (auch Adoleszentenkyphose oder juvenile Kyphose genannt) in Frage kommen, ist nicht abschließend geklärt. Man vermutet eine genetische Veranlagung genauso wie hormonelle Einflüsse oder Stoffwechselstörungen.

Als Risikofaktoren gelten:

  • einseitige Belastungen, zum Beispiel beim Sport (starke Stöße, Kunstturnen)
  • schlechte, lange gebeugte Haltung beim Sitzen
  • zu schwach entwickelte Rückenmuskulatur

Rückenschmerzen durch Morbus Scheuermann

Wie erwähnt ist es oft ein Zufall in späteren Jahren, der bei anhaltenden Rückenschmerzen die Diagnose Morbus Scheuermann feststellt. Und diese Schmerzen können heftig sein! Weil die Bandscheiben aufgrund der keilförmigen Wirbel überbelastet werden, kommt man leicht auf die Vermutung, es könnte sich um einen Bandscheibenvorfall handeln. In der Tat ist das Risiko, einen solchen Prolaps zu bekommen, bei den Betroffenen erhöht.

Die Schmerzen in der Wirbelsäule strahlen manchmal in Arme und Beine aus oder sorgen für zusätzliche Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich. Rückenschmerzen sind also oftmals Spätfolgen von Morbus Scheuermann.

In vielen Fällen macht die Wirbelsäulenverkrümmung bei der Entstehung kaum Probleme, zumal, wenn es sich um eine leichte bis mittlere Form handelt. Leider wird sie deshalb oft gar nicht erkannt.

Mit dem Abschluss der Pubertät stoppt das Wachstum. Damit werden allerdings auch die Möglichkeiten zur Therapie schwieriger. Denn wenn der Körper noch wächst, kann er sich leichter in die ein oder andere Richtung entwickeln. Fällt Ihnen bei Ihrem Kind also ein krummer Rücken auf, lassen Sie dies so früh wie möglich von einem Arzt abklären, um schnell in die Behandlung einzusteigen.

Weitere Symptome von Morbus Scheuermann

Die Rückenschmerzen sind zwar die häufigste Folge, nicht aber die einzige. Wer von einer schweren Krümmung mit einem Buckel in jungen Jahren betroffen ist, hat auch unter psychischen Auswirkungen zu leiden.

Der veränderte Rücken schränkt ebenso die Bewegung ein, beispielsweise ist ein Drehen des Oberkörpers erschwert.  

Bei einem sehr starken Krümmungswinkel kann sogar die Atmung beeinträchtigt werden, weil die Brust nicht gerade aufgerichtet werden kann.

Rückenschmerzen behandeln: Therapie bei M. Scheuermann

Das A und O bei der Behandlung: Die Wirbelsäule muss entlastet werden! Das kann auf vielerlei Wege geschehen. Die erfolgreichsten im Überblick:

Krankengymnastik und Physiotherapie: gezielte Übungen helfen, die richtigen Muskeln anzusprechen und aufzubauen. Das sorgt für eine verbesserte Haltung und weniger Schmerzen.

Abbau von Übergewicht: Je weniger, der Rücken stemmen muss, umso günstiger für ihn. Auf ein gesundes Normalgewicht zu achten, ist übrigens immer ein Gewinn! Bewegung ist das Zauberwort, schon für die Kleinsten!

Ergotherapie und Umgestalten der Umgebung für einen gesunden Rücken: Dazu gehören ergonomische Tische und Stühle am Arbeitsplatz oder regelmäßige Pausen bei gebeugtem Sitzen.

Physikalische Therapie: Wärme per Rotlicht oder Ultraschall helfen bei Verspannungen in Nacken und Rücken; auch Massagen können helfen.

Kyphosekorsett: Die Behandlung mit einem Korsett wirkt am besten, wenn das Wachstum noch nicht abgeschlossen ist. Es wird dabei eine sogenannte reklinierende Orthese eingesetzt, die durch aktive Mithilfe des Patienten den Rücken wieder aufrichtet. Das Kyphosekorsett dient somit einer dauerhaften Korrektur, indem es den Träger immer wieder zur aufrechten Haltung animiert. Ob die Rumpforthese zum Einsatz kommt, hängt vom Kyphose-Winkel ab. Das Korsett muss individuell von einem Orthopädietechniker individuell nach Maß und Gipsabdruck gefertigt werden, um die gewünschte biomechanische Wirkung zu erzielen.

Übungen bei Morbus Scheuermann: Wie kann ich vorbeugen und Schmerzen lindern?   

Die beste Vorsorge gegen M. Scheuermann ist eine gute Haltung von Anfang an. Kinder benötigen die Anleitung zum geraden Sitzen. Eltern sollten unbedingt darauf achten, dass der Nachwuchs nicht krumm und schief am Schreibtisch “hängt”. Hier helfen übrigens auch ergonomisch eingerichtete Zimmer, wie sie in diesen Tipps beschrieben sind.

Weil bei einem Rundrücken die Brustmuskeln zu verkürzen drohen, brauchen diese etwas Dehnung. Ein starker Rücken sorgt für eine aufrechte Haltung. Hier sind drei Übungen, die Sie ganz einfach nachmachen können, um damit Ihre Rückenschmerzen zu lindern.

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Die Hände sind hinter dem Rücken auf Höhe des Pos verschränkt. Nun gleichzeitig Arme nach hinten oben und Schultern nach unten ziehen. 10 x wiederholen.

Im leichten Ausfallschritt seitlich zur Wand stellen, den an der Wand befindlichen Arm mit flacher Hand knapp über Schulterhöhe nach hinten an die Wand drücken. Wenn es in den Muskeln zieht, Position 30 Sekunden halten, dann Seite wechseln. Je 10 x pro Seite.

In den Liegestütz gehen, Hände dicht am Körper unterhalb der Brust. Körper langsam absenken und Schulterblätter bewusst pressen; beim Hochdrücken aus der Schulter heraus arbeiten. Nicht den Kopf hängen lassen! 10 x wiederholen.

Unterschied zwischen Skoliose und Morbus Scheuermann

Beides sind Rückenerkrankungen, die im Wachstum auftreten. Und bei beiden haben die Betroffenen Rückenschmerzen und Bewegungseinschränkungen. Bei der Skoliose ist die Wirbelsäule sowohl seitlich als auch längs verkrümmt und die Wirbel in sich verdreht. Sie betrifft häufig Mädchen im jugendlichen Alter.

Morbus Scheuermann tritt gehäuft bei Jungen in der Pubertät auf. Die Wirbel sind hier aufgrund einer Abflachung zu einer Seite verformt und nicht in sich verdreht. Die Krümmung  der Wirbelsäule ist nur seitlich sichtbar.

Fazit zu Morbus Scheuermann

Die Erkrankung geht mit einer Verkrümmung der Wirbelsäule einher und tritt im Wachstumsalter auf. Oft wird sie zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht erkannt, sondern macht sich erst durch Rückenschmerzen als Spätfolge bemerkbar. Auch Bandscheibenvorfälle sind dadurch möglich.

Die Behandlung von Morbus Scheuermann sollte möglichst in der Wachstumsphase ansetzen: Therapiert wird mit Krankengymnastik, Wärme, Massagen, eventueller Gewichtsreduktion und in schweren Fällen mit einer Rumpf-Orthese (Kyphosekorsett).

Um Morbus Scheuermann vorzubeugen, ist ausreichend Bewegung und eine gute Haltung das Wichtigste. Also Bauch rein – Brust raus!

Wir freuen uns über Ihre Kommentare oder Anfragen rund um das Thema. Und stehen Ihnen bei der Wahl des passenden Hilfsmittels zur Seite.

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