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Gesundheitswissen kompakt

Blickpunkt Pflege –Tipps und Unterstützung für Sie

Geschrieben von Dirk Richter am 27. Juni 2018

Der Elektrorollstuhl – Das ist wichtig beim Rollstuhl mit Motor

Elektrorollstuhl

Ihre körperliche Kraft reicht nicht mehr aus, um selbstständig einen Rollstuhl zu bewegen? Dann ist der Elektrorollstuhl ist ein hervorragendes Hilfsmittel für Menschen, die dauerhaft auf Unterstützung bei der Fortbewegung angewiesen sind. Durch ihn können Sie Ihren Aktionskreis erheblich erweitern und damit Ihre Lebensqualität und Ihre Unabhängigkeit steigern. Was müssen Sie zum elektrischen Rollstuhl wissen?

Möchten Sie sich einen Elektrorollstuhl kaufen, dann sollten Sie sich in jedem Fall über die vielen verschieden Ausführungen und Varianten informieren. Auch eine Beratung ist unbedingt zu empfehlen, damit Sie in Ruhe ausprobieren, Testen und probefahren können.

So finden Sie die für sich optimale Lösung. Wir verschaffen Ihnen im Folgenden einen Überblick und geben Tipps, worauf Sie beim Kauf eines E-Rollstuhls achten sollten.

Was ist ein elektrischer Rollstuhl und für wen ist er sinnvoll?

Wie der Name es bereits verrät, ist der Elektrorollstuhl ein Rollstuhl, der statt mit Muskelkraft elektrisch – mit Hilfe einer Batterie – angetrieben wird. Dementsprechend ist ein elektrischer Rollstuhl vor allem als Hilfsmittel für diejenigen geeignet, deren Krankheit oder Behinderung so weit fortgeschritten ist, dass die Körperkraft nicht mehr ausreicht, einen Standard-Rollstuhl eigenständig anzutreiben. Manchen Nutzern fehlt auch das Koordinationsvermögen, das zur sicheren Steuerung eines Rollstuhls benötigt wird.

Doch für die Anschaffung eines Elektrorollstuhls muss nicht zwingend eine medizinische Notwendigkeit vorliegen. Auch Senioren und Menschen, die in ihrer Gehfähigkeit eingeschränkt sind, entscheiden sich für das elektrische Hilfsmittel.

Wofür ist ein Elektrorollstuhl ausgelegt:

  • für dauerhafte körperliche Einschränkungen
  • für eine durchgehende Nutzung
  • für den Einsatz im Innen- und Außenbereich

Wichtig zu wissen ist, dass die Bedienung nicht ausschließlich über die Hand- oder Armkraft erfolgen muss, sondern dass es bei entsprechenden Einschränkungen weitere Bedienungsmöglichkeiten gibt (siehe unten). Desweiteren sind fast alle Elemente des Elektrorollstuhls, insbesondere Armlehnen, Beinstützen und die Rückenlehne individuell anpass- und einstellbar.

Bei welchen Erkrankungen kommt er zum Einsatz?

Häufig sind Patienten mit diesen Krankheitsbildern auf einen Rollstuhl angewiesen. Jedoch muss dies nicht zwingend ein E-Rollstuhl sein, es richtet sich nach Ausprägung des Handicaps. Oft kommt auch ein Aktivrollstuhl zum Einsatz.

Brauche ich ein Rezept für einen Elektrorollstuhl?

In der Regel gelten Elektrorollstühle als Hilfsmittel und werden von den Krankenkassen bezuschusst bzw. die Kosten können auch komplett übernommen werden. Hierfür benötigt der Patient eine vom behandelnden Arzt ausgestellte Verordnung. In dieser sollte der Arzt gut und genau begründen, warum der Patient einen elektrischen Rollstuhl als Hilfsmittel benötigt und welche Art von E-Rollstuhl es sein sollte.

Sind Sie sich nicht sicher, mit welchem Rollstuhl-Modell Sie am besten zurechtkommen, dann kann auch der vorgelagerte Besuch im Sanitätshaus weiterhelfen. Hier können Sie diverse Fabrikate testen und herausfinden, welcher Rolli Sie wirklich am effektivsten unterstützt.

Welche Modelle für welche Umgebung gibt es?

Tatsächlich gibt es eine große Auswahl an verschiedenen Varianten von Elektrorollstühlen für jedes Bedürfnis. Möchten Sie einen Elektrorollstuhl kaufen, sollten Sie sich im Vorfeld überlegen, für welche Erfordernisse in Bezug auf die medizinische Beschwerden, aber auch, in welcher Umgebung der elektrische Rollstuhl überwiegend verwendet werden soll.

Denken Sie dabei auch an mögliche Hindernisse wie:

  • Türbreiten
  • Treppen, für die Sie eine Rollstuhlrampe benötigen
  • starke Steigungen
  • hohe Schwellen

Brauchen Sie bei der Beantwortung dieser oder anderer Fragen Hilfe, dann wenden Sie sich am besten an die Experten in Ihrem Sanitätsfachhandel.

Hilfsmittel

Elektrorollstühle für den Innenbereich

Ein elektrischer Rollstuhl für den Innenbereich ist hauptsächlich für Menschen geeignet, die den Rollstuhl überwiegend als Fortbewegungsmittel in der Schule, am Arbeitsplatz oder Zuhause verwenden.

Speziell für den Innenbereich konzipierte Elektrorollstühle zeichnen sich dadurch aus, dass sie kleinere Vorder- und Hinterräder als die Modelle für draußen haben. Diese und eine geringere Rollstuhlbreite machen Indoor-Rollstühle wendig, und sie sind leichter in engen Räumen zu manövrieren.

Außerdem ist für die Nutzung im Innenbereich keine große bzw. besonders leistungsstarke Batterie notwendig.

Elektrorollstühle für den Innen- und Außenbereich

Für Nutzer, die einen elektrischen Rollstuhl sowohl in Gebäuden als auch draußen fahren möchten, gibt es Modelle, die gut für beide Bereiche verwendet werden können.

Dabei gilt: Je mehr der Rollstuhl im Außenbereich genutzt wird, umso größer sollten die Räder sein.

Auch die Wahl der Batterie und die Rollstuhlbreite sind zu beachten. Überlegen Sie vor dem Kauf eines Rollstuhls unbedingt, wie breit der Rollstuhl maximal sein darf, damit Sie sich mit dem Hilfsmittel im Innenbereich problemlos bewegen können.

Eventuell kennen Sie die Räumlichkeiten bereits und wissen um schmale Eingänge; ansonsten ist ein vorheriges Abmessen sinnvoll.

Extratipp für den Allrounder-Rolli: Soll der elektrische Rollstuhl auch als Transportmittel im Außenbereich dienen, muss er eine Beleuchtungsanlage gem. StVZO besitzen.

Elektrorollstühle für den Außenbereich

Für Menschen mit Handicap, die gerne spazieren fahren oder auch sonst in Stadt und Natur unterwegs sind, kann die Anschaffung eines Elektrorollstuhls speziell für den Außenbereich eine gute Hilfe sein.

Dafür sollte der E-Rollstuhl entsprechend große Antriebsräder und eine leistungsstarke Batterie haben. Außerdem muss er mit einer Beleuchtungsanlage ausgestattet sein (siehe obigen Abschnitt).

Ein gefedertes Fahrwerk bzw. eine Stoßdämpfung ist ebenfalls für die Fahrt zu empfehlen, vor allem, wenn es auch mal über Kopfsteinpflaster oder ähnliches geht. Um ein ausgleichendes Fahrverhalten zu gewährleisten, ist ein langer Radstand von Vorteil.

Übrigens: Die Spitzengeschwindigkeit der E-Rollstühle kann, je nach Modell und Batterieleistung, von 6 km/h über 10-12 km/h bis hin zu 15 km/h variieren. Die maximale Reichweite beträgt 35 Kilometer.

Der Rollstuhl mit Motor: So funktioniert der Rollstuhlantrieb

Je nach Modell unterscheidet sich bei den Elektrorollstühlen auch der Antrieb: Von ihm werden Fahreigenschaften wie Wendigkeit, Spurstabilität oder das Fahren im Außen- oder Innenbereich beeinflusst. Um Ihnen die Entscheidung einfacher zu machen, stellen wir Ihnen die unterschiedlichen Antriebsvariante vor: Zur Wahl stehen der Mittel-, der Front und der Heckantrieb.

Der Heckantrieb

Der Heckantrieb ist die klassische Antriebsart eines Elektrorollstuhls. Er weist gute und stabile Fahreigenschaften auch bei hohen Geschwindigkeiten auf. Allerdings haben die Rollstühle mit Heckantrieb einen relativ großen Wendekreis, drehen im Bogen und erschweren so ein Manövrieren auf engem Raum.

Der Mittelantrieb

Ein elektrischer Rollstuhl mit Mittelantrieb verfügt – sozusagen als sein Markenzeichen – über eine 6-fache Einzelradaufhängung, wobei alle sechs Räder ständigen Kontakt zum Untergrund haben. Dadurch bleibt der Nutzer in einer ruhigen und stabilen Position.

Durch den Mittelantrieb kann sich der E-Rollstuhl außerdem auf der Stelle drehen, wodurch er einen sehr kleinen Wendekreis bekommt. Das Manövrieren in engen Räumen wird damit wesentlich vereinfacht.

Der Frontantrieb

Ein Elektrorollstuhl mit Frontantrieb hat seinen Schwerpunkt zwischen der Antriebsachse und dem Lenkrad. Seine großen Antriebsräder ermöglichen das leichte Überwinden von bis zu 10 cm hohen Kanten. Im Gegensatz zum Mittelantrieb kann sich ein Rollstuhl mit Frontantrieb nicht auf der Stelle drehen, sondern sein Heck schwenkt beim Wenden etwas aus bzw. er dreht im Bogen. Dabei besitzt er aber immer noch einen kleinen und kompakten Wendekreis.

So steuern und bedienen Sie den elektrischen Rollstuhl

Je nach Hersteller sind die Elektrorollstühle unterschiedlich in ihren Bauteilen, ihrer Ausstattung und ihren Einstellungsmöglichkeiten. Am besten lassen Sie sich in Ihrem Sanitätsfachhandel beraten, welche Varianten und Möglichkeiten für Sie die geeigneten sind.

Steuerung eines E-Rollis

In der Regel wird der Elektrorollstuhl anhand eines Joysticks gesteuert, der an einem Bedienpult montiert ist. Je nach Bedarf des Nutzers kann das Pult auf der linken oder rechten Seite der Armlehne angebracht sein.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, eine Ablagefläche zwischen den Armlehnen zu befestigen, einen sogenannten Therapietisch, und die Steuerung unabhängig von den Armlehnen anzubringen. Neben dem Joystick gibt es u.a. folgende Steuerungssysteme, die abhängig vom Krankheitsbild eingesetzt werden:

  • die Tischplattensteuerung
  • die Fingersteuerung
  • die Tablettsteuerung
  • die Fußsteuerung
  • die Kinnsteuerung
  • die Kopfsteuerung
  • die Mund- & Lippensteuerung

Sitzsysteme des Elektrorollstuhls

Die klassischen Sitze bestehen aus Schaumstoffkissen ohne spezielle Formung (diese kann optional bestellt werden). Sie werden mit Klettverschlüssen auf der Sitzplatte positioniert. Dabei kann der leicht gepolsterte Rücken angepasst werden. Dieses System eignet sich für Menschen, die den Elektrorollstuhl nicht als einzige, dauerhafte Sitzmöglichkeit nutzen.

Konturierte Schaumstoffkissen sind meist dicker als Standardkissen, bieten einen besseren Seitenhalt und können Stöße besser abfangen. Diese Komfort- oder Ergo-Sitze vermindern u.a. die Entstehung von Dekubitus.

Desweiteren gibt es Spezialsitze, die sich besonders gut den Erfordernissen ausgeprägter Erkrankungen oder Behinderungen anpassen. Sie lassen sich zum Beispiel (zusammen mit den Beinstützen) in eine waagerechte Position bringen, sodass ein ausgestrecktes Liegen möglich wird. Außerdem gibt es spezielle Sitze mit einer Stehfunktion.

Bei allen Sitzsystemen sollte in jedem Fall auch auf das geeignete Rückenelement geachtet werden. In den meisten Fällen kann das Polster dem jeweiligen Nutzer angepasst werden, damit eine gesunde Haltung und ein bequemes Sitzen möglich sind.

Wichtig: Elektrorollstuhl immer richtig einstellen!

Ein Elektrorollstuhl besteht aus vielen verschiedenen Komponenten – eine Standard-Ausführung gibt es nicht: Er wird immer individuell auf die Bedürfnisse des Nutzers passend eingestellt. Regulierbare Komponenten sind unter anderem:

  • das Seitenteil mit Armlehnen (breiten- und höhenverstellbar)
  • die Fußstützen (hochschwenkbar)
  • eine Bürgersteighilfe
  • der Sitz (Sitzneigung- & Tiefe und Rückenwinkel)

Fazit zum Kauf eines elektrischen Rollstuhls

Ein Elektrorollstuhl ist in erster Linie für Menschen gedacht, die dauerhafte körperliche Handicaps haben, einen mechanischen Rolli aufgrund von Einschränkungen nicht bedienen können haben und ihren Rollstuhl ständig nutzen müssen.

Wird der elektrische Rollstuhl vom Arzt als Hilfsmittel mittels einer Verordnung (Rezept) verschrieben, bezuschussen die Krankenkassen in vielen Fällen die Anschaffung des Rollstuhls.

Dabei sollte sich der Nutzer vor dem Kauf genau überlegen, was für eine Ausstattung und welche Funktionen er bei diesem Hilfsmittel benötigt. So gibt es spezielle E-Rollstühle für den Innen- und Außenbereich, aber auch welche, die für beides geeignet sind. Unterschiedliche Antriebsarten sind genauso möglich wie verschiedene Sitzvarianten – bis hin zum Stehsitz. Möchten Sie einen Elektrorollstuhl kaufen, sollten Sie sich im Vorfeld in jedem Fall von einem Experten in Ihrem Sanitätsfachgeschäft beraten lassen.

Benötigen Sie Hilfe oder Beratung zu Ihrem Elektrorollstuhl? Wenden Sie sich gern an uns.

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