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Gesundheitswissen kompakt

Blickpunkt Pflege –Tipps und Unterstützung für Sie

Geschrieben von Patrick Berkel am 30. März 2017

Der Hallux valgus: Therapie und Symptome des Ballenzehs

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Er nimmt unangefochten den Spitzenplatz ein: Der Hallux valgus ist die Nr. 1 bei den Fußdeformitäten am Vorfuß. In Deutschland geht man von etwa 10 Millionen Menschen aus, die vom Hallux betroffen sind. Was also tun bei einem Ballenzeh? Wie vorbeugen und therapieren? Hier erfahren Sie es.

So schön sie auch aussehen – elegante, schmale Pumps mit hohen Absätzen sind für Ihre Füße eine Kampfansage. Zu besonderen Anlässen okay, aber keinesfalls für den Dauergebrauch geeignet! Denn solch enge, hohe Schuhe sind einer der beiden Hauptgründe für das Entstehen des Hallux valgus, der äußerst schmerzhaft werden kann. Der zweite ist eine Bindegewebsschwäche. Und die ist bei Frauen (anatomisch bedingt) weitaus verbreiteter als bei Männern. Der Hallux valgus tritt daher verstärkt beim weiblichen Geschlecht auf.

Was ist ein Hallux valgus?

Die Deformität ist auch als Ballenzeh bekannt, angelehnt an das hervorstechende Merkmal der Erkrankung: Die große Zehe ist nach innen geknickt, so dass das Gelenk zunächst leicht, im fortgeschrittenen Stadium extrem absteht. Der erste Mittelfußknochen verschiebt sich zur Fußaußenseite und die Sehnen verlaufen nicht mehr gerade, sondern seitlich, was die Großzehe weiter lateral zieht.

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Der Ballenzeh ist immer mit einem Spreizfuß verbunden, einer Fußfehlstellung, auf die wir in diesem Beitrag näher eingegangen sind. Außerdem wird im Zusammenhang mit einem Hallux valgus oft ein Hammerzeh oder auch Krallenzeh diagnostiziert.

Man unterscheidet 3 Formen des Hallux valgus:

  • Die leichte Form: Der Winkel zwischen dem ersten und zweiten Mittelfußknochen ist vergrößert und erste knöcherne Ablagerungen bilden sich am ersten Mittelfußköpfchen. Der Patient spürt Schmerzen und Schwellungen.
  • Die mittelschwere Form: Weil der Winkel sich weiter aufspreizt, ist die Beweglichkeit im Großzehengrundgelenk oft eingeschränkt und wird immer schmerzhafter. Entzündungen am Ballen sind möglich. Die Zehe wird immer schiefer.
  • Die schwere Form: Sehr weit abgeknickter Winkel des Mittelfußknochens, dabei kann sich die Großzehe über oder unter die zweite Zehe schieben. Selbst in Ruhe schmerzen die Füße. Es stellen sich Fehlbelastungen ein.     

Die Symptome des Hallux valgus

In der Übersicht kann man die Symptome so zusammenfassen:

  • Das Großzehengelenk wölbt sich nach außen.
  • Die große Zehe knickt Richtung Fußaußenrand um.
  • Dadurch auch Beeinträchtigung der zweiten Zehe möglich (darüber- oder darunter liegend), die sich zu einer Krallenzehe entwickeln kann.
  • Druck auf die Füße in normalen Schuhen wächst; schmal geschnittene Schuhe sind nicht mehr möglich.
  • Schmerzen im Fuß (auch in der Ruhe).
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühle in der betroffenen Zehe.
  • Weil man nicht mehr über die Großzehe abrollt, verteilt sich der Druck beim Gehen auf andere Fußbereiche, wodurch Schmerzen entstehen.
  • Weitere Fußfehlstellungen sind möglich, weil Schonhaltungen eingenommen werden.

Woher kommen die Fußschmerzen?

In erster Linie sind die Schuhe die Ursache: zu eng, zu hoch, zu klein. Von Kindheit an zwingen wir unsere Füße in oft unnatürliche Positionen. Die Fußspitzen laufen dreieckig zu, was der natürlichen Zehenstellung nicht entspricht. Denn eigentlich liegen die Zehen mit minimalem Abstand zueinander. Haben wir hohe Absätze unter den Sohlen, verlagert sich das Gewicht zunehmend auf den Vorfuß und begünstigt die Entwicklung des Spreizfußes, der Vorstufe des Hallux valgus.

Da es nun in unseren klimatischen Breiten schwierig ist, permanent barfuß zu laufen, benötigen wir Schuhe. Aber es müssen die richtigen sein. Gönnen Sie Ihren Füßen Platz! Bequem geschnittenes Schuhwerk, welches nicht einschneidet, ist der Freund Ihrer Füße. Und wann immer es möglich ist: Lassen Sie die Schuhe ganz weg und gehen Sie barfuß!

Wenn Sie bereits eine Verformung an Ihren Ballen festgestellt haben, ist Sorgfalt bei der Auswahl der passenden Schuhe noch relevanter. Sonst wird das Gelenk dauerhafter Belastung ausgesetzt: Druck und Reibung führen zu Irritationen – es stellen sich Schmerzen ein.

Die Reizung überträgt sich auf den Schleimbeutel darunter, was Schwellungen und Entzündungen begünstigt. In schlimmsten Fällen werden offene Stellen beobachtet, in die Bakterien eindringen können.

Was hilft bei Hallux valgus: Einlagen, Schiene, Schuhe, Bandagen

Diagnostiziert ist der Ballenzeh recht schnell: Die Verformung ist leicht im Vergleich mit einem gesunden Fuß zu erkennen. Um sicher zu sein, kann der Fuß auch geröntgt werden. Dabei wird festgestellt, wie weit das Gelenk bereits verschoben ist.

Wichtig zu wissen: Ist das Gelenk nur mäßig verschoben, kann eine konservative Therapie Erleichterung bringen und den Prozess der Verkrümmung verlangsamen. Den Fuß jedoch komplett in seine natürliche Form zurückbringen, das funktioniert nur mittels Operation.

Um es nicht soweit kommen zu lassen, pflegen Sie Ihre Füße (gut eincremen!), gehen Sie öfter barfuß und trainieren Sie Ihr Fußgewölbe. Übungen dazu finden Sie zum Beispiel in unserem Spreizfuß-Beitrag. Wer unter Anleitung seine Füße stärken möchte, dem sei Physiotherapie empfohlen.

Hallux-valgus-Einlagen

Um den Vorfuß zu entlasten, kann Ihnen der Arzt Einlagen bei einem Ballenzeh verschreiben. Diese unterstützen das Längs- bzw. Quergewölbe des Fußes. Der Orthopädietechniker verwendet dafür Kunststoff-Ledereinlagen (entweder halbsohlig oder langsohlig). Diese Einlagen benötigen sehr wenig Platz, deshalb kann man sie in fast allen Schuhen tragen.

Hallux-valgus-Schiene

Schienen werden bei leichter Form der Erkrankung zur Korrektur eingesetzt. Wird ein sehr fortgeschrittener Hallux valgus operiert, dienen die Orthesen auch der Stütze danach. Man kann sie tags und nachts anlegen; einige Modelle sollten aber lieber nur in der Nacht getragen werden, wenn die Füße ruhig liegen. Um Druckstellen zu vermeiden, gibt es Gelkissen, die seitlich in der Schiene sitzen. Welche Schiene die passende für Sie ist, erfahren Sie bei einer Beratung im Sanitätshaus.

Hallux-valgus-Schuhe

Man spürt es selbst: Zu enge Schuhe oder zu hohe Absätze, das schmerzt einfach bei einem ausgeprägten Ballenzeh. Greifen Sie auf weite Bequemschuhe mit flachen Absätzen zurück. Haben Sie nur eine leichte Deformität, finden Sie im regulären Handel auch weit geschnittene Modelle. Im fortgeschrittenen Stadium bieten Fachhändler auch Spezialschuhe an, die äußerst flexibel sind und einen Stretchanteil besitzen.

Hallux-valgus-Bandage

Bandagen polstern und verteilen den Druck am Großzehengelenk. Die Polster sind nur 1 mm dick und können sowohl links als auch rechts über den Fuß gezogen werden – Linderung in Minutenschnelle!  

Fazit zum Hallux valgus

Millionen Menschen sind vom Hallux valgus betroffen, bei dem das Großzehengelenk stark seitlich hervortritt und Fußschmerzen verursacht. Auslöser sind ein schwaches Bindegewebe, in der Hauptsache jedoch die falschen Schuhe. Zwingt man die Füße über Jahre in eine unnatürliche Position, verändert sich auch die Belastung auf Knochen und Gewebe. Der Ballenzeh kann zu Beginn mit Schienen, Einlagen und Bandagen gemildert werden; auch Fußübungen und bequeme Schuhe unterstützen die Therapie. Bei schweren Formen kommt eine Operation in Frage.

Wie sehen Ihre Erfahrungen mit dem Hallux valgus aus? Haben Sie Tipps für andere Betroffene?  

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