Den Plattfuß mit orthopädischen Einlagen richtig behandeln

Ob angeboren oder erworben: Der Plattfuß kann in Extremfällen zur Qual werden. Muss er aber nicht! Wie Sie mit den richtigen Schuheinlagen und einfachen Übungen wieder auf die Beine kommen.

Plattfuß und Senkfuß: Was ist das eigentlich?

Das gesunde Fußskelett besitzt eine natürliche Längswölbung, welche auf der Innenseite des Fußes einen Hohlraum formt. Die Ferse und der Vorderfußballen liegen auf dem Boden auf, die Mitte des Fußes berührt ihn nur auf der Außenseite.

Beim Plattfuß (pes planus) ist das Längsgewölbe nicht (oder nicht mehr) funktionsfähig, die Fußsohle liegt also vollständig auf – ganz platt, daher der Name. Das Körpergewicht wird dann nicht mehr nur von den Ballen und Fersen getragen, sondern verteilt sich auch auf die Bänder, Knochen und Muskeln der Fußmitte.

Plattfuß Illustration


Der Senkfuß ist eine Vorstufe des Plattfußes. Dabei geht dem Fuß ebenfalls seine natürliche Wölbung verloren, allerdings liegt die Sohle noch nicht komplett auf oder berührt nur bei starker Belastung vollständig den Boden. Hier ist bereits eine deutliche Fehlstellung der Ferse zu erkennen, die nicht mehr senkrecht steht, sondern auch nach außen zeigt, also valgisiert ist.

Ursachen des Plattfußes – angeboren und erworben

Ein Plattfuß kann angeboren sein, oder er kann sich mit der Zeit zum Beispiel aus einem Senkfuß entwickeln. Beim angeborenen Plattfuß (pes planus congenitus) wölben sich die Sohlen der betroffenen Babys manchmal sogar nach unten. Der Plattfuß ist dabei die Folge von Fehlbildungen des Fußes und falsch verwachsenen Fußwurzelknochen und wird oft genetisch vererbt. Eine weitere Ursache kann auch Kinderlähmung sein.

Der erworbene Plattfuß (pes planus valgus) kann dagegen in jedem Alter auftreten. Die Hauptursache ist dabei eine Fußdeformation, die durch viele Dinge ausgelöst werden kann:

  • Mangel an Bewegung
  • geschwächte Bandstrukturen des Fußskeletts
  • Übergewicht
  • Entzündungen (z.B. Arthritis oder Arthrose)
  • Lähmungen
  • Verletzungen
  • Bindegewebs- und Muskelschwächen
  • Narben
  • Tragen von zu engen oder unpassenden Schuhen

Bei der Fußschwäche sind die Bänder und Muskeln des Fußes nicht stark genug, um das Fußgewölbe aufrechtzuhalten – der Fuß sinkt ein.

Während der Plattfuß bei Kindern und Jugendlichen noch korrigiert werden kann, kann man ihn bei einem ausgewachsenen Skelett (älter als 13-15 Jahre) nie komplett heilen. Umso wichtiger ist es daher, schmerzhaften Folgen rechtzeitig durch eine Bettung des Fußes vorzubeugen.

Um einen Plattfuß effektiv und nachhaltig zu behandeln, sollte man außerdem versuchen,  gesund zu leben und seinem Körper etwas Gutes zu tun. Leiden Sie zum Beispiel an Arthrose, dann erfahren Sie in diesem Beitrag, was Ihnen hilft. Eine Diät ist bei starkem Übergewicht ebenso ratsam. Unabhängig von möglichen Vorerkrankungen ist es in jedem Fall zu empfehlen, sich regelmäßig zu bewegen und Sport zu machen.

Plattfuß: die häufigsten Symptome und Folgen

Ein Plattfuß ist also die Schiefstellung des Fußes. Doch bis auf die deutlich sichtbare Absenkung des Fußes nach innen können bei einer solchen Fehlstellung manchmal weitere Symptome ausbleiben.

Oft jedoch geht der Plattfuß – zumindest, wenn er bereits seit längerer Zeit vorliegt – mit Beschwerden einher: Am häufigsten äußern Patienten Schmerzen in den Füßen (besonders bei längerer Belastung), die sich durch die Beine und die Hüfte bis in den Rücken ziehen können. An besonders stark belasteten Stellen können sich in Extremfällen Druckgeschwüre bilden, die dann die Gehfähigkeit eventuell stark beeinträchtigen.

Ein Problem, welches sich erst nach Jahren mit einem Plattfuß auswirkt, ist, dass eine Fehlstellung im Knie entstehen kann. Denn die Ferse wird auf Dauer nach außen gestellt, der Unterschenkel nach innen und es bildet sich ein X-Bein. Im Hüftgelenk wiederum verdreht sich das Bein nach innen. Das Knie wird so übermäßig und unnatürlich belastet, so dass eine Kniegelenksarthrose (Gonarthrose) beginnen kann. Dabei spielen allerdings weitere Faktoren wie die Verfassung des Patienten allgemein (zum Beispiel starkes Übergewicht) eine Rolle.

Therapie mit Einlagen und Übungen – die richtige Behandlung des Plattfußes

Auch wenn Sie keine Schmerzen oder sonstige Beschwerden haben, sollten Sie auf eine Therapie Ihres Plattfußes nicht verzichten. Der Fuß benötigt trotzdem eine gute Unterstützung mit einer Schuheinlage, um die Ferse wieder aufzurichten, damit sich auf die angrenzenden Gelenke keine Fehlstellung überträgt! Fragen Sie gern auch Ihren Orthopäden um Rat.

Bei der Therapie werden Ihnen in der Regel spezielle, oft maßgefertigte Schuheinlagen (nach  Gipsabdruck) und zusätzlich Krankengymnastik verschrieben. Diese Behandlungen sind am effektivsten, wenn der Plattfuß noch nicht komplett ausgebildet ist.

Ist die Fehlstellung angeboren oder in einem sehr weit fortgeschrittenen Stadium, muss sie in seltenen Fällen operiert werden.

Orthopädische Schuheinlagen: Materialien und Varianten

 

Die Einlagen sind individuell auf den Betroffenen angepasst und helfen dabei, den Fuß wieder anzuheben, indem sie das Längsgewölbe stützen. Außerdem stärken sie die Muskulatur und helfen so aktiv bei der Rückbildung des Plattfußes. Schuheinlagen gibt es aus vielen verschiedenen Materialien, unter anderem:

  • Leder
  • Weichschaum
  • Kunststoff
  • Carbon
  • Mischformen, z.B. Kork-Leder-Einlagen

Der größte Unterschied der Materialien ist der Härtegrad, der passend zum Patienten ausgewählt wird. Härtere Materialien wie Leder haben dabei den Vorteil, dass sie besonders platzsparend sind, den Fuß sehr gut stützen. Allerdings gelten sie oft als unbequem. Weiche Einlagen haben einen höheren Tragekomfort, sie nehmen aber auch mehr Platz ein und passen daher nicht in jeden Schuh.

Eine weitere Unterscheidung sind langsohlige und halbsohlige Schuheinlagen: Reichen die Einlagen über den ganzen Fuß oder nur bis zur Hälfte? Sie sollten Ihre Schuhe in jedem Fall mit zur Anprobe bringen, um die Einlagen sofort ausprobieren zu können. Außerdem ist es ratsam, sich im Vorfeld ausgiebig beraten zu lassen und die Vor- und Nachteile der einzelnen Materialien und Modelle abzuwägen.

Übungen, Krankengymnastik, Massagen: dem Plattfuß ohne Hilfsmittel trotzen

Übungen sind in erster Linie dazu da, die Muskulatur des Fußes zu stärken und seine Beweglichkeit zu erhöhen. Die wohl einfachste Übung ist das Gehen auf Zehenspitzen. Ziehen Sie dazu am besten Ihre Schuhe aus, damit Sie nicht eingeengt werden und stellen Sie sich mit beiden Füßen auf die Vorderfußballen. Laufen Sie so ein paar Minuten herum. Das stärkt die Fußmuskulatur und ist außerdem eine gute Gleichgewichtsübung. Die Übung sollte mehrmals am Tag, mindestens jedoch täglich, wiederholt werden.

Eine andere hilfreiche Übung ist die sogenannte Fußspirale. Setzen Sie sich dazu auf einen Stuhl und legen Sie einen Fuß auf dem anderen Oberschenkel ab. Nehmen Sie die Ferse in die eine Hand, den Vorfuß in die andere, der Fuß sollte dabei im rechten Winkel zum Unterschenkel stehen. Drehen Sie jetzt die Ferse nach außen und den Vorfuß gleichzeitig nach innen – als würden Sie Ihren Fuß auswringen – und spannen Sie die Fußsohle dabei leicht an. Es sollte etwas ziehen, aber nicht wehtun. Wiederholen Sie die Übung 3-5 Minuten lang pro Fuß.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Schuheinlagen?

In der Regel werden die Kosten für vom Arzt verschriebene Einlagen (zumindest zum Großteil) von den Krankenkassen übernommen. Manchmal wird eine Zuzahlung fällig, vor allem bei individuell angepassten Einlagen. Sie sollten sich aber in jedem Fall vorher bei Ihrer Krankenkasse erkundigen, denn das kann von Kasse zu Kasse stark schwanken. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel bis zu zwei Paar Einlagen pro Jahr. Wenn Sie die Einlagen komplett selbst bezahlen, können Sie mit 100 bis 150 Euro rechnen.

Fazit zum Plattfuß

Oft bleibt der Plattfuß ein rein optisches Problem. Wenn Sie allerdings Schmerzen haben und in Ihrer Bewegung eingeschränkt werden, sollten Sie dagegen vorgehen. Einfache Übungen und individuell angepasste Schuheinlagen vom Orthopädieschuhtechniker sind dafür ideal.


Benötigen Sie Tipps zur Wahl der richtigen Einlage oder drückt Ihnen sonst der Schuh? Wir haben das Wissen, damit Sie wieder aktiver sein können. Treten Sie einfach mit uns in Kontakt.

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