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Gesundheitswissen kompakt

Blickpunkt Pflege –Tipps und Unterstützung für Sie

Geschrieben von Sylvia Neumann am 10. Februar 2017

Lymphödem: Wie Sie Lymphstau in Beinen und Armen auflösen

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Dicke, schwere Beine? Müde Glieder? Die Hose passt nicht mehr? Dann könnte es sich um ein Lymphödem handeln. Lassen Sie dies zügig beim Arzt abklären, denn je früher die Therapie einsetzt, umso besser sind Ihre Chancen, die Beschwerden in den Griff zu bekommen.

Das Lymphsystem führt ein stiefmütterliches Dasein in unserem Körper. Wie ein Netz überziehen die Gefäßbahnen uns von Kopf bis Fuß – und doch kümmern wir uns erst darum, wenn etwas damit nicht stimmt. Dabei hat das Lymphsystem eine wichtige Funktion: Es ist Teil unseres Immunsystems und sorgt für den Abtransport von Stoffen, zum Beispiel Eiweißen. Dabei steht es in engem Kontakt mit dem Blutkreislauf.

Folgen des Lymphstaus

Funktioniert das System nicht mehr richtig, bleiben Eiweiße und Gewebsflüssigkeit zwischen den Zellen im Gewebe liegen. Dieses schwillt an und die Flüssigkeit kann nicht mehr abfließen. Ein Lymphstau bzw. ein Ödem liegt vor. Wird dieses nicht beseitigt, können Folgeerkrankungen wie Gewebeschäden, Entzündungen, eine Wundrose oder ein offenes Bein auftreten.

Hauptsächlich sind von dem Krankheitsbild Beine und Arme betroffen, aber es kann auch seltener zu Schwellungen an Hals, Kopf, Rumpf/Brust oder Genitalien kommen. Mit Schmerzen ist das Lymphödem nicht verbunden, allerdings können natürlich die Folgen wie beispielsweise eine Entzündung schon schmerzhaft sein.

Was löst ein Lymphödem aus: die Ursachen

Unterschieden werden das primäre und sekundäre Lymphödem. Hier kurz die Kennzeichen im Überblick:

Primäres Lymphödem

  • angeborene Erkrankung, da Lymphbahnen und Lymphknoten nicht richtig ausgebildet sind
  • meist beidseitig an den Gliedmaßen festzustellen
  • von unten nach oben aufsteigend: also von den Zehen bis zum Oberschenkel verlaufend

Sekundäres Lymphödem

  • Folge einer Erkrankung, Verletzung oder Operation (wenn zum Beispiel die Lymphknoten entfernt werden)
  • kann auch durch bestimmte Krebs-Arten und Strahlentherapie entstehen
  • ebenfalls ausgelöst durch in den Venen aufgestautes Blut sowie Infektionen durch Pilze, Bakterien, Viren oder Parasiten
  • kann auch noch Jahre nach einem operativen Eingriff auftreten
  • meist nur einseitig an einer Gliedmaße
  • wandert von oben nach unten im Bein oder von der Achsel bis zur Hand

Anzeichen sind für Lymphödeme sind:

  • Kastenzehen (viereckig geformt)
  • Stemmer’sches Zeichen positiv (Hautfalte an der Zehe kann nicht oder nur sehr schwer angehoben werden)
  • tief geschnittene Querfalten an den Zehen

Ist das Stemmer-Zeichen negativ und Sie machen sich trotzdem Sorgen, weil Ihre Beine immer geschwollen sind? Es könnte ein Hinweis auf ein Lipödem sein, eine krankhafte Vermehrung des Unterfettgewebes.

Die Verteilung der Lymphödeme

primäres Lymphödem
Zu 94% sind die Beine betroffen; der Rest verteilt sich auf Arme, Hals, Genital oder mehrere Körperbereiche

sekundäres Lymphödem
Zu 66% sind die Arme betroffen, zur 31% die Beine: der Rest verteilt sich auf Arme, Hals, Genital oder mehrere Körperbereiche

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Zudem unterteilt man die Schweregrade der Erkrankung in 4 Stadien:

0 = Latenzstadium: kein Ödem, aber Lymphsystem arbeitet nicht korrekt

I = Reversibles Stadium: Schwellung ist durch Hochlagern rückgängig zu machen

II = Spontan Irreversibles Stadium: es ist eine Therapie notwendig, weil die Schwellung nicht selbständig zurückgeht

III = Elephantiasis: verhärtete Schwellung, Wucherungen, Gefahr von Wundrosen; dringend behandlungsbedürftig

Therapie des Lymphödems: Lymphstau auflösen

Oberstes Ziel der Behandlung ist die Auflösung des Staus in den Gefäßen: einerseits um den Patienten Linderung zu verschaffen, andererseits auch, um die weiteren Folgen so gering wie möglich zu halten.

Ein Lymphödem ist nicht heilbar. Jedoch ist es mit einer möglichst früh einsetzenden Therapie gut zu behandeln, so dass die Patienten mit keiner allzu großen Einschränkung leben müssen.

Wichtig ist, den krankhaften Gefäßstau auch als solchen zu erkennen. Die Betroffenenen sind leider oft noch Vorurteilen ausgesetzt. Gerade zu Beginn der Erkrankung glaubt man meist, man habe nur etwas zugenommen. Auch Ärzte haben das Lymphödem nicht immer sofort im Blick.

Anzeichen können sein:

  • Schwellung der Beine, Arme oder anderer Körperteile
  • Spannungsgefühle
  • im fortgeschrittenen Stadium beginnende Verhärtung des Bindegewebes

Was ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE)?

Diese Therapieform wird am effektivsten bei einem Lymphödem angewendet und besteht aus den vier Elementen

  • Hautpflege
  • Manuelle Lymphdrainage (ML)
  • Kompressionstherapie
  • Bewegungstherapie

Hautpflege

Entzündete Haut heilt bei einem Lymphödem schlecht, deshalb müssen Infektionen vermieden werden: Die Hautbarriere darf dafür nicht durchlässig werden. Spezielle Cremes helfen, um die Haut gut zu pflegen. Am besten tragen Sie den Hautschutz zweimal am Tag auf.

Manuelle Lymphdrainage (ML)

Sie muss immer von dafür ausgebildeten Therapeuten durchgeführt werden und hat mit einer Wellness-Massage nichts gemein. Der oder die Therapeut(in) wendet gezielte Griffe an, um den Lymphfluss anzuregen und dadurch den Stau aufzulösen.

Kompressionstherapie

Ist die Lymphe einmal angeregt und transportiert verstärkt Gewebsflüssigkeit ab, wird sie mit Druck von außen unterstützt. Das passiert durch die Kompressionstherapie, entweder mit Kompressionsstrümpfen oder Kompressionsbandagen (je nach Stadium der Entstauung).

Um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen, braucht man perfekt angepasste Strümpfe – Bandagen umfassen das Gewebe beim Wickeln “automatisch” fest. Lassen Sie sich unbedingt im Sanitätshaus vermessen, am besten morgens, um das exakte Maß für Kompressionsstrümpfe zu ermitteln.

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Bei einem Lymphödem werden flachgestrickte Strümpfe verwendet, die täglich getragen werden. Nachts dürfen Sie sie ausziehen. Übrigens gibt es eine Reihe von Anziehhilfen für die Strümpfe, um das Überziehen zu erleichtern.
Bandagen können – nach Anleitung und einiger Übung – im Idealfall Sie selbst anlegen, wobei ein Kompressionsverband mehrlagig aufgebaut ist. Sie können sich allerdings auch vom ambulanten Pflegedienst dabei helfen lassen.  
Je nach Schwere des Ödems ist die Kompression mit Bandagen täglich oder mehrmals pro Woche nötig.

Bewegungstherapie

Am effizientesten wirkt die Kompression in Bewegung: Übungen, die die Entstauung fördern, müssen regelmäßig durchgeführt werden. Ihr Therapeut spricht mit Ihnen ab, welches Training Sie wie absolvieren sollten. Auch wenn es manchmal mühsam ist: Jede Form der Bewegung hilft, um das Lymphödem nicht fortschreiten zu lassen.

Was hilft zudem bei einem Lymphödem?

  • Gewicht reduzieren bzw. nicht zunehmen
  • gesunde, salzarme Ernährung
  • viel Bewegung auch im Alltag
  • keine ausgedehnten Sonnenbäder, um Sonnenbrand zu vermeiden
  • Insektenstiche in die betreffende Körperregion verhindern
  • keine enge, einschnürende Kleidung
  • offen mit der Erkrankung umgehen
  • sich mit anderen in Selbsthilfegruppen zusammenschließen

Fazit zum Lymphödem

Ein Lymphödem entsteht durch aufgestaute Flüssigkeit im Lymphsystem. Ist die Erkrankung angeboren, macht sie sich vor allem an den Beinen bemerkbar. Ist sie durch Operationen o.ä. ausgelöst, sind vielfach die Arme von den Schwellungen betroffen.

Den Patienten kann mit einer Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie geholfen werden, zu der vor allem die manuelle Lymphdrainage zur Anregung des Lymphflusses und die Versorgung mit Kompressionsstrümpfen (oder -bandagen) gehören. Außerdem muss die Haut gut gepflegt werden. Und denken Sie an ausreichend Bewegung, um die Kompressionstherapie zu unterstützen!

Brauchen Sie Kompressionsstrümpfe, sind sich aber bzgl. der Größe und der Anwendung unsicher? Lassen Sie sich gern von unseren Spezialisten dazu beraten.

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