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Gesundheitswissen kompakt

Blickpunkt Pflege –Tipps und Unterstützung für Sie

Geschrieben von Lars Neumann am 24. November 2017

Was hilft bei Ellenbogenschmerzen oder Tennisarm?

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Drückende, ziehende oder stechende Beschwerden: Ellenbogenschmerzen können sich in ganz unterschiedlicher Form äußern. Ebenso verschieden sind auch die Ursachen von Schmerzen im Ellenbogen. Meist entstehen sie durch Fehl- oder Überbelastung, wie etwa beim Tennisarm. Wie bekommen Sie das wieder in den Griff?

Wo treten im Ellenbogengelenk Schmerzen auf?

Streng genommen handelt es sich bei dem Ellenbogen nicht um ein einzelnes Gelenk. Denn es setzt sich aus drei Teilgelenken zusammen, die über eine gemeinsame Gelenkkapsel verfügen und die Unterarmknochen Elle (Ulna) und Speiche (Radius) mit dem Oberarmknochen (Humerus) verbinden. Stabilisiert wird das Ellenbogengelenk durch drei kräftige Bänder. Hinzu kommen Knorpel, Gelenkflüssigkeit und Sehnen als weitere Bestandteile des Gelenks. Jeder dieser Teilbereiche des Ellenbogengelenks kann ein Auslöser für Ellenbogenschmerzen sein.

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Unserem Ellenbogen kommt bei alltäglichen Armbewegungen eine ganz essentielle Rolle zu. Denn das Gelenk ermöglicht das Beugen und Strecken des Unterarms sowie das Drehen des Unterarms und der Hand. Schmerzt das Ellenbogengelenk wird daher oft auch jeder einzelne Handgriff beschwerlich – denn häufig ziehen die Schmerzen vom Ellenbogen bis in die Hand, oder sie strahlen in den Ober- und Unterarm aus. Die Art und Stärke der Ellenbogenschmerzen hängt dabei ganz entscheidend davon ab, welcher Bereich des Gelenks betroffen ist: Sie können von einem leichten Druckschmerz bis hin zu heftig stechenden Schmerzen reichen.

Ellenbogenschmerzen: Die häufigsten Ursachen und Symptome

Die häufigste Ursache für Schmerzen im Ellenbogen ist der sogenannte Tennisarm, es gibt jedoch noch zahlreiche weitere Auslöser. Entsprechend der vielen unterschiedlichen Ursachen können sich Schmerzen im Ellenbogen auch durch ganz unterschiedliche Symptome äußern. Meistens liegen die Gründe für die Beschwerden im Ellenbogengelenk selbst. Nur in seltenen Fällen handelt es sich um abgeleitete Schmerzen, die beispielsweise von einem Rotatorenmanschettensyndrom bis zum Ellenbogengelenk ausstrahlen.

Grundsätzlich kann zwischen akuten und chronischen Ellenbogenschmerzen unterschieden werden:

  • Akute Ellenbogenschmerzen treten plötzlich und kurzfristig in der Form von einschießenden, stechenden, ziehenden oder krampfartigen Schmerzen auf. Sie können beispielsweise durch ein Stoßen des sogenannten Musikantenknochens entstehen. Diese Art der Ellenbogenschmerzen verschwindet in der Regel innerhalb kurzer Zeit wieder von allein.
  • Bei chronischen Ellenbogenschmerzen tritt über einen längeren Zeitraum ein dauerhaftes Schmerzgefühl auf, oder die Schmerzen erscheinen nicht einmalig, sondern wiederholt. Hier verschwinden die Beschwerden in der Regel nicht von allein und sollten daher unbedingt behandelt werden.

 Zusätzlich kann man zwischen verletzungsbedingten, belastungsbedingten und entzündungsbedingten Ellenbogenschmerzen unterscheiden. Alle drei Ursachen haben oft eine (deutliche) Bewegungseinschränkung des Ellenbogens gemeinsam. Selten werden Ellenbogenschmerzen durch andere, auch chronische Erkrankungen, wie die Arthrose, ausgelöst.
Die jeweils häufigsten Ursachen für Schmerzen im Ellenbogen und deren jeweilige Symptome haben wir hier kurz zusammengefasst:

Schmerzen im Ellenbogen durch Verletzung

  • Ellenbogenfraktur (Ellenbogenbruch)
  • Ellenbogen-Luxation:
    Die Ellenbogen-Luxation zählt zu den häufigsten Gelenkverletzungen: Dabei kommt es zu einer vollständigen Auskugelung, Ausrenkung oder Verrenkung des Ellenbogengelenks. In der Folge ist die Beweglichkeit des Gelenks stark oder sogar komplett eingeschränkt, es kann zudem zu einer Fehlstellung kommen.
  • Verletzung der Sehnen oder Bänder des Ellenbogens, etwa bei einem Bänderriss, einer Bänderzerrung bzw. Bänderdehnung oder einer distalen Bizepssehnenruptur (Riss der Sehne des Armbeugemuskels)

Schmerzen im Ellenbogen durch Fehl- oder Überbelastung – Tennisarm, Golferarm und RSI-Syndrom:

  • Tennisarm bzw. Tennisellenbogen (Epicondylitis humeri radialis) und Golferarm bzw. Golferellenbogen (Epicondylitis humeri ulnaris):
    Sowohl Tennis- als auch Golferarm verursachen starke Ellenbogenschmerzen. Auch wenn sie umgangssprachlich so bezeichnet werden, leiden darunter keinesfalls nur Tennisspieler und Golfer – sondern jeder, der seinen Ellenbogen zu stark einseitig belastet. Das kann genauso beim Gärtnern, Handwerken oder – übertrieben gesagt – beim Kartoffelschälen passieren.

    Der Tennisarm ist die häufigste Ursache für Ellenbogenschmerzen: Er bezeichnet einen schmerzhaften Reizzustand des Sehnenansatzes der Hand- und Fingerstreckmuskeln. Dieser Sehnenansatz liegt außen am Ellenbogen. Durch die Sehnenüberreizung treten daher Druckschmerzen an der Außenseite des Ellenbogens im Bereich des Knochenvorsprungs auf – der Ellenbogen ist deutlich berührungsempfindlich. Die Schmerzen machen sich beim Tennisarm vor allem beim Strecken des Unterarms, beim Überstrecken der Hand (auch gegen einen Widerstand) oder beim Faustschluss bemerkbar. Sie können vom Ellenbogen bis in den Ober- und Unterarm ausstrahlen, so dass bei einem Tennisarm häufig der gesamte Arm schmerzt. Oft ist dadurch ein vollständiges Strecken des Arms und ein kräftiges Zugreifen mit der Hand nicht möglich. 


    Beim Golferellenbogen treten ähnliche Symptome wie beim Tennisellenbogen auf: Allerdings ist hier nicht die Außenseite, sondern die Innenseite des Ellenbogens schmerzhaft. Es handelt sich um einen schmerzhaften Reizzustand des Sehnenansatzes der Hand- und Fingerbeugemuskeln, der innen im Ellenbogen liegt. Beim Golferarm treten die Schmerzen daher vor allem beim Beugen des Unterarms und der Hand auf, auch der Faustschluss ist schmerzhaft. Der Golferarm ist deutlich seltener als der Tennisarm.

  • RSI-Syndrom bzw. Mausarm:
    Das RSI-Syndrom (Repetitive Strain Injury Syndrom) verursacht ähnliche Symptome wie der Tennis- oder Golferarm. Es wird häufig umgangssprachlich als Mausarm bezeichnet. Ein RSI-Syndrom entsteht bei der Überlastung des Ellenbogens durch immer gleiche Tätigkeit und immer gleiche Belastung, wie sie beispielsweise bei dem häufigen Arbeiten am Computer mit der Computer-Maus besteht. Aber auch Musiker sind häufig davon betroffen.
  • Chronische Reizung des Ellennervs (Nervus ulnaris) – das Kubitaltunnelsyndrom:
    Fast jeder kennt die kurzfristigen, vibrierenden Schmerzen, die bis in die Finger ausstrahlen können und auftreten, wenn man sich den sogenannten Musikantenknochen stößt. In einigen Fällen ist der Schmerz zusätzlich von Missempfindungen, wie dem “Einschlafen” von Fingern, begleitet. Dieser Schmerz entsteht durch eine Reizung des Ellennervs. Der Ellennerv kann jedoch auch chronisch gereizt sein, z.B. durch ein Engpasssyndrom. Dann treten die beschriebenen Schmerzen dauerhaft auf. Man spricht in diesen Fällen von einem Sulcus-ulnaris-Syndrom bzw. Kubitaltunnelsyndrom.

Schmerzen im Ellenbogen durch Entzündungen

  • Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis):
    Bei der Sehnenscheidenentzündung tritt typischerweise ein stechender Schmerz im Ellenbogen auf.
  • Schleimbeutelentzündung:
    Eine akute Schleimbeutelentzündung macht sich meist durch Symptome wie eine Rötung, entzündliche Schwellung (bis hin zu einer prallelastischen Kugel) oder Überwärmung des Ellenbogens bemerkbar. Je nach Ursache der Schleimbeutelentzündung kann zudem Fieber auftreten. Sie entsteht in der Regel durch eine Überlastung oder Reizung der Schleimbeutel, wie sie beispielsweise durch häufiges Aufstützen des Ellenbogens entsteht. Aber auch Gicht kann eine Schleimbeutelentzündung hervorrufen.
  • Arthritis (schmerzhafte Gelenkentzündung) oder rheumatoide Arthritis (Gelenkrheuma) des Ellenbogengelenks. Grundsätzlich betrifft Rheuma bzw. die rheumatoide Arthritis den Ellenbogen seltener als andere Gelenke.

Ellenbogenschmerzen durch Arthrose

  • Arthrose des Ellenbogengelenks (Cubitalarthrose):
    Bei der Ellenbogenarthrose kommt es zu einem degenerativen Verschleiß des Gelenkknorpels. Zunächst treten die Schmerzen vorwiegend bei Belastung des Ellenbogens auf, bei fortgeschrittener Arthrose kommt meist ein Ruheschmerz hinzu. Eine Arthrose ist nicht nur schmerzhaft, sie schränkt auch die Beweglichkeit des Ellenbogens zunehmend ein. Eine Ellenbogenarthrose ist jedoch recht selten.

Diagnose von Schmerzen im Ellenbogen

Da es so viele verschiedene Ursachen für Ellenbogenschmerzen gibt, sollten Sie bei anhaltenden Beschwerden in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Denn die Behandlung von Schmerzen im Ellenbogen muss der jeweiligen Ursache angepasst werden – nur mit der richtigen Diagnose lassen sich die Beschwerden also auch richtig behandeln. In der Regel erfolgt die Diagnose durch ein Anamnesegespräch mit anschließender körperlicher Untersuchung. In manchen Fällen ist zusätzlich eine Röntgen-, Ultraschall-, MRT-, CT- oder Blutuntersuchung oder eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) nötig.

Behandlung von Schmerzen im Ellenbogen: So helfen Orthesen und Bandagen

In der Regel werden Schmerzen im Ellenbogen durch eine konservative (nicht-operative) Therapie behandelt. Diese wird in Absprache mit dem Arzt durch eine medikamentöse Behandlung unterstützt. Nur dann, wenn die konservative Therapie nicht anschlägt, können operative Maßnahmen nötig sein.

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Die konservative Behandlung bei Schmerzen im Ellenbogen

Die häufigste Methode zur Behandlung von Ellenbogenschmerzen ist eine Ruhigstellung, Schonung und Entlastung des Gelenks durch orthopädische Hilfsmittel. Tatsächlich stellt diese Maßnahme prinzipiell bei allen beschriebenen Ursachen für Schmerzen im Ellenbogen den ersten Therapieschritt dar. Liegt eine Entzündung vor, wird die Therapie häufig mit entzündungshemmenden Medikamenten unterstützt. Weitere Behandlungsmöglichkeiten müssen vom Arzt individuell auf die Ursache der Probleme abgestimmt werden.

Soll das Gelenk eine Zeit lang komplett ruhiggestellt werden, kommen hierfür Ellenbogenorthesen zum Einsatz. Soll der Ellenbogen lediglich entlastet und unterstützt werden, verwendet man hingegen Bandagen. Außerdem können auch Salbenverbände oder ein Taping mit Kinesio-Tapes gegen Schmerzen im Ellenbogen helfen. Orthesen, Bandagen und Kinesio-Tapes erhalten Sie in Ihrem Sanitätshaus. Außerdem können Sie sich dort ausführlich über die Anwendung und das richtige Anlegen der Orthese oder Bandage beraten lassen. Nur wenn das orthopädische Hilfsmittel individuell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt ist, kann es effektiv zu einer schnellen Genesung beitragen.

Zusätzlich sind auch folgende konservative Behandlungsmethoden effektiv bei Schmerzen im Ellenbogen:

  • Physiotherapie: Durch die Krankengymnastik können durch gezielte Dehn- und Kräftigungsübungen Muskeln zur Unterstützung und Entlastung des Ellenbogengelenks aufgebaut werden. So kann auch zukünftigen Überlastungen des Ellenbogens entgegengearbeitet werden. Außerdem tragen gezielte Massagetechniken zur schnellen Regenerierung des Ellenbogens bei. Die Physiotherapie ist nicht nur bei Tennisarm und Co., sondern auch bei einer Ellenbogenarthrose sehr förderlich.

  • Physikalische Therapie: Auch eine Kälte- bzw. Wärmebehandlung ist eine Möglichkeit der Schmerzlinderung. So empfiehlt es sich beispielsweise bei einer Entzündung und Erwärmung, das Gelenk zu kühlen. Wärme hingegen kann entkrampfend wirken. Die physikalische Therapie spielt vor allem bei der Behandlung einer rheumatischen Arthritis eine wichtige Rolle.

Vorbeugung von Schmerzen im Ellenbogen

Schmerzen im Ellenbogen, wie beispielsweise die Ellenbogenarthrose, lassen sich leider nicht immer gänzlich vorbeugen. Vor allem bei der Gruppe der belastungsbedingten Ellenbogenschmerzen ist eine solche Vorbeugung jedoch durch den Ausschluss der Risikofaktoren recht gut möglich. So sollte das Ellenbogengelenk nicht über einen längeren Zeitraum hinweg übermäßig stark belastet werden: Sportarten wie Tennis oder Golf und Arbeiten, die das Ellenbogengelenk einseitig belasten, dürfen daher nicht exzessiv ausgeübt werden.

Außerdem kann ein Ellenbogenschoner, eine Ellenbogenbandage oder eine Ellenbogenorthese zur Vorbeugung von Schmerzen im Ellenbogen – ähnlich wie im Knie – getragen werden. Fragen Sie dazu einfach in Ihrem Sanitätshaus nach. Diese Vorbeugungsmaßnahmen empfehlen sich vor allem für Menschen, die:

  • In der Vergangenheit schon häufiger unter Ellenbogenschmerzen gelitten haben.
  • Regelmäßig Sportarten wie Tennis oder Golf betreiben.
  • Eine einseitige Belastung des Ellenbogens berufsbedingt nicht vermeiden können (z.B. durch häufige Arbeit am Computer).

Fazit zu Schmerzen im Ellenbogen durch Tennisarm & Co.

Es gibt zahlreiche Ursachen und dementsprechend auch zahlreiche Symptome von Schmerzen im Ellenbogen. Am häufigsten sind der sogenannte Tennisarm, Golferarm und das RSI-Syndrom (Mausarm). Aber auch Verletzungen, Entzündungen wie die Sehnenscheiden- oder Schleimbeutelentzündung, oder Krankheiten wie (rheumatoide) Arthritis oder Arthrose können Ellenbogenschmerzen hervorrufen. Ein Symptom, das fast allen Ursachen gemein ist, ist die – teils starke – Bewegungseinschränkung des Ellenbogens.
Behandelt werden Schmerzen im Ellenbogen üblicherweise durch Ruhigstellung, Schonung und Entlastung. Dazu kommen vor allem orthopädische Hilfsmittel wie die Ellenbogenorthese und Ellenbogenbandage, aber auch Kinesio-Tapes zum Einsatz. Wir beraten Sie gern zu dem für Sie passenden Hilfsmittel.

Wie sind Ihre Erfahrungen bei Ellenbogenschmerzen? Kennen Sie z.B. Hausmittel, die wirken? Kommentieren Sie gern.

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